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Es schreibt: Svenja Hofert, www.karriereundentwicklung.de

Kategorie — Arbeit und Zukunft

Die anonymisierte Bewerbung kommt im Sommer

Endlich: Wir sind auch in Deutschland der anonymen Bewerbung einen Schritt näher. Auf Initiative der Antidiskriminierungsstelle testen ab August fünf deutsche Unternehme, darunter L´Oreal und Procter & Gamble anomymisierte Unterlagen ohne Foto, Geburtsdatum, Name etc. Überfällig, denn in meiner Praxis merke ich immer wieder, dass es definitiv Diskriminierung aufgrund dieser Faktoren gibt. Manchmal reicht es schon aus, "Kevin" zu heißen. Das riecht vielen Personalern, unbewusst versteht sich, nach Unterschicht. Verdächtig sind auch Schulbesuche in Hamburg-Steilshoop oder Köln-Chorweiler. Oder in Sibirien. Doch es trifft nicht nur die mit Migrations- und Unterschichtshintergrund. Sehr oft werden Frauen aussortiert, die "verheiratet"  den Lebenslauf schreiben, aber noch kein Kind haben. Nicht selten von Frauen.

Aussehen ist ein weiterer Faktor. "Sie sehen nicht aus, als könnten Sie sich integrieren", sagte ein Personaler einem Kunden am Telefon und begründete damit die Absage (so ehrlich passiert das selten). Wahrscheinlich hätte dieser Personaler, dazu befragt, mit seinem Bauchgefühl argumentiert. Darauf berufen sich allzu viele. Doch das vermeintliche Bauchgefühl ist nichts als ein Erfahrungsgefühl und ungemein subjektiv. So wie die Wahrnehmung eines Fotos. Dass es Menschen mit sichtbaren Behinderungen hier besonders schwer haben, brauche ich wohl nicht zu betonen. Aber auch alle, die nicht in einen teuren Fotografen investieren, kassieren schnell ein "No". Wer dummerweise eine grüne Bluse trägt, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass das als nonkonformistisch empfunden werden könnte, wird nicht eingeladen. Und so weiter. Also weg mit diesem unnützen Foto und hin zu einer faktenorientierten Entscheidung.

2. Juli 2010   2 Kommentare - Arbeit und Zukunft - Permalink
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Pull-Gründer sind erfolgreicher

Gründungen aus der Arbeitslosigkeit sind erfolgreich. Das belegt es einmal mehr eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft, die ein weiteres interessantes Detail zutage bringt: Pull-Gründer sind erfolgreicher als Push-Gründer. Damit meinen die Experten Gründer, die gründen wollen und aktiv ihre eigene Idee voranbringen. Push-Gründer sind die Gründer aus der Not; sie scheitern häufiger. Wer etwas jedoch wirklich will, kann es erfolgreicher vorantreiben: Dies ist eine Erfahrung, die wohl jeder Unternehmensberater bestätigen kann. Während Pull-Gründer mit Begeisterung dabei sind, Netzwerke motivieren können, an sich glauben und nebenbei auch wissen, was sie bieten und anbieten können, können Push-Gründer sich oft noch nicht voll auf ihre Idee konzentrieren. Sie sind auch nach Beantragung des Gründungszuschusses oft noch mitten im Findungsprozess. Die Studie macht deutlich, dass die intrinsische Motivation, die Gründung zu wollen oder eben nicht, der entscheidene Erfolgsfaktor ist. Nicht Ausbildung, nicht Geld, nicht Intelligenz – es ist allein die Motivation etwas zu WOLLEN.

Push-Gründer brauchen Zeit, um sich mit der Idee anzufreunden – oder sie entscheiden sich nach wenigen Monaten gegen die Selbstständigkeit. Wenn sie dazu überhaupt die Möglichkeit haben, denn in manchen Branchen gibt es die Option Festanstellung immer seltener. Sie müssen also "Pull" entwickeln.

Diese Chance haben gerade gemischte Typen, so genannte Pull-Push-Gründer, denn in ihnen ist bereits ein "Pull-Anteil". Pull-Push-Gründer sind Gründer, die die positiven Seiten der Gründung sehen, aber noch nicht ganz entschieden sind. Ich erlebe es oft, dass gerade diese Gründer einen längeren Prozess brauchen, bis sie ohne Einschränkungen "ja" und vielleicht auch "nein" sagen können.

Manchmal müssen Umwege sein. Gerade Push-Pull-Gründer gehen öfter Umwege. Sie sind es, die am Anfang oft sparen und nicht beherzt 3.000 Euro in Internetseite und Geschäftsausstattung stecken (später tun sie es dann doch). Sie sind es, die mehrere Standbeine brauchen und lieber nicht nur auf eines setzen.

Sie sind es, die mehr noch als Pull-Gründer neben Beratung vor allem auch Coaching im Sinne einer fachlich kompetenten, aber auch persönlichkeitsorientierten Begleitung brauchen. Eine Form, die durch das KFW-Gründungscoaching jetzt endlich auch möglich ist. Wir merken in unserer Beratungspraxis täglich wie wichtig Klärung ist – und das es oft Zeit braucht, bis jemand entschieden in eine Richtung gehen kann. Ein Schritt in diese Richtung kann zum Beispiel ein Coaching mit EMDR zur Lösung von Blockaden, wie es meine Kooperationspartnerin Diplom-Psychologin Christiane Ludwig anbietet.

20. Juni 2010   1 Kommentar - Arbeit und Zukunft, Unternehmersein - Permalink
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