Ole davon oder: Warum Arbeit manchmal so fertig macht
Was hinter Ole von Beusts Rücktritt steckt? Fest steht: Der Mann hat keine Energie mehr. Und da sollen sich diejenigen, die Durchhalteparolen brüllen, doch bitte mal gepflegt zurücknehmen.
Oft treffe ich Menschen, die einfach keine Energie mehr haben. Meist liegt es daran, dass sie viele Jahre gegen sich selbst und eigene Bedürfnisse angekämpft haben, weil der Job ein Verhalten abverlangt hat, das einfach nicht zur eigenen Persönlichkeit passt. Es kann sein, dass ein Vertriebsleiter Erfolgen hinterherjagen musste, obwohl ihm das eigentlich gar nicht liegt. “Zum Jagen tragen” müsse man einige der Mitarbeiter, erzählte mir mal ein Kunde. Das fiel ihm schwer, denn er schleppte sich selbst.
Es kann auch sein, dass einem etwas am Anfang Spaß gemacht hat, was am Ende nur noch anstrengend ist. Oder dass sich Prioritäten verschieben. Mag es gestern noch spannend gewesen sein, vier Tage die Woche im Hotel zu leben, so kann dies heute schon an den Kräften zehren. Mag sein, dass man vor drei Jahren den Focus auf Erfolg im Job legte, und heute auf ein ausgeglichenes Privatleben.
Es gibt ja nur dieses eine Leben. Möge jeder selbst entscheiden, wie er es gestaltet.
19. Juli 2010 2 Kommentare - Aktuelles - Permalink
Wenn Du was leisten willst, geh ins Fitness-Center
Nein, wirklich, ich zweifle überhaupt nicht an, dass ganz, ganz viele Menschen sehr viel arbeiten. Viel zu viel. Das ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte aber schiebt mehr oder weniger einen faulen Lenz: nicht selten in einem Konzern. Dass dort einige den Lenz nur im Frühling mögen und ansonsten an Bore-out leiden, ist bedauerlich (sind doch die Auswirkungen des ich-langweil-mich-so-Syndroms mindestens so schlimm wie die eines Burn-Outs). Es ist grausam, wenn Menschen, die anpacken wollen, dauernd an Grenzen stoßen: was alles nicht geht, keinen Sinn macht, gegen irgendwelche Interessen verstößt. Wer da nicht kündigt, wird zum Besitzstandbewahrer.
Ich fasse manchmal nicht, was ich da so höre. Oder halten Sie es für möglich, in diesen Zeiten wohlgemerkt, dass Menschen an einem durchschnittlichen Tag ingesamt zwei Telefonate führen und in acht Stunden gut bezahlter Arbeit ein Blatt Papier von links nach rechts schieben? Das habe ich neulich beim Amtsgericht – in drei Stunden Wartezeit auf die Ablehnung eines unerwünschten Onkel-Erbes – erlebt. Nicht für möglich hielt ich es bisher allerdings, dass sich solche Szenen auch bei namhaften Konzernen abspielen, wohl auch, weil diese Kunden selten den Weg zu mir finden (denn sie verändern oft nur was, wenn sie die Kündigung kassieren). Ich selbst bin zwar konzernerfahren, aber auch schon 10 Jahre selbstständig. Bleibt nur die Sekundärquelle, also das vom Hören-Wissen: "30 Prozent unserer Angestellten würde ich sofort rauswerfen", meinte ein Kunde, der in seinem schönen Großunternehmen sehr gern richtig gearbeitet hätte – aber nicht konnte. "Wenn du was leisten will, geh ins Fitness-Center", scherzte sein Chef.
Dazu passt eine Statistik, die ich im Buch "Herausforderung Motivation" von Arne Maus gefunden habe. Demnach muss das leidenschaftslose Besitzstandswahren ein Phänomen in Großunternehmen sein. "Ich fühle mich oft energiegeladen, sagten 40% der Mitarbeiter in kleinen und mittelständischen Unternehmen, aber nur 28 in Konzernen. Auch eine andere Frage zeigt den Unterschied: "ich tue meine Arbeit aus Leidenschaft" sagen 53% der KMUler, aber nur 36% der Großunternehmensangestellten. Alles klar?
Zu diesem Beitrag passt: Das Karrieremacherbuch.
11. Februar 2010 Keine Kommentare - Aktuelles - Permalink


