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Gründungszuschuss: Jetzt geht´s ihm an den Kragen

Er ist nicht mehr gesellschaftsfähig bei kaum  mehr als drei Millionen Arbeitslosen. Es gibt doch Jobs genug. Da brauchen wir doch nicht noch mehr Klein- und Solounternehmer, deren Schar in den letzten 10 Jahren von einer auf zwei Millionen gewachsen ist.  Deshalb soll es ihm an den Kragen: dem Gründungzuschuss. Natürlich ist dies nicht die offizielle Begründung der zuständigen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, sondern meine Interpretation. Die offizielle bezog sich letztes Jahr, als man schon mal beschneiden wollte, noch auf die Kassenlage. Dieses Jahr zückt man eine andere Karte und wird sicher die passende Studie präsentieren: den Missbrauch. Doch allzu unglaubwürdig klingt das Lied von der Ausnutzung dieses Fördermittels, wenn man die früheren Erfolgsstories des Gründungszuschusses betrachtet, die etwa noch 2009 vom Institut für Arbeitsmarktfoschung gemeldet wurden. Und das Argument, diese kleinen Selbstständigen zahlten ja nicht in die Sozialkassen, hinkt nicht nur [Read more →]

6. April 2011   7 Kommentare - Slow-Grow-Prinzip - Permalink
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Lassen Sie sich bloß für Geld nicht vermitteln!

Gestern habe ich mit einer kleinen Gruppe frisch gekündigter, aber hochkompetenter, technisch bestens ausgebildeter Menschen im Auftrag des Unternehmens Strategien ausgearbeitet, einen neuen Job zu finden und das eigene Profil zu schärfen.  „Die Agentur hat gesagt nach 2 Monaten Arbeitslosigkeit bekomme ich einen Gutschein, was mache ich damit?“ fragte eine.  Gerade flattert mir eine Meldung des Instituts für Arbeitsmarktforschung IAB herein, die zu dieser Frage wunderbar passt. Deshalb möchte sie hier aufgreifen und gleich die Antwort  geben. Der Vermittlungsgutschein wurde 2002 eingeführt und besteht vorläufig bis Ende 2011. Jeder Arbeitslose, der z.B.  mehr als 2 Monate in AG-I- Bezug ist, hat Anspruch darauf. Wenn eine Agentur einen Arbeitslosen vermittelt, bekommt sie nach 6 Wochen 1.000 Euro und nach weiteren 6 Monaten noch einmal 1.000 Euro, insgesamt also 2.000 Euro. In der Praxis soll es so sein, dass Agentur und Unternehmen sich das Geld gerne teilen. Erlaubt ist das selbstredend nicht.

Nach IAB nehmen nur rund 7-9% den Gutschein in Anspruch, davon die Hälfte aus Arbeitslosengeld I-Bezug (hier ist das SGB III die Entscheidungsgrundlage), der Rest kommt aus ALG II, also Hartz IV  Hier können die Vermittlungssummen noch höher liegen.

Unter den Vermittelten sind offenbar mehr Ostdeutsche, der Bildungsstand wurde nicht untersucht. Nach Einlösen eines Gutscheins bleiben nur knapp 50% davon mindestens sechs Monate im vermittelten Job beschäftigt. Das übersteigt die normale Kündigungsquote in und nach der Probezeit, die außerhalb der Unternehmensberaterbranche (hier sind es rund 30%) nur 10% betrifft.

Eine erschreckende Bilanz sowie Steuergeldverschwendung, wie ich finde. Mit meinem auf die Frage der Teilnehmerin gegebenen Tipp „Ignorieren Sie den Gutschein, meiden Sie Angebote von Arbeitsvermittlern“ liege ich also richtig. Die Autoren der Studie führen die miesen Quoten teilweise auf den Aufwand bei der Beantragung zurück.

Meiner Erfahrung nach liegen die Ursachen woanders.

Nach allem, was ich seit Einführung des Gutscheins vor acht Jahren erlebt und gehört habe, kann ich nur ein Fazit ziehen: Arbeitsvermittlungsagenturen, die von den Gutscheinen leben, sind zu einem erschreckenden Teil unseriös. Sehr gern wird er mit Einstellungszuschüssen kombiniert. Neu gegründete Unternehmen mit weniger als 5 Mitarbeitern bekommen in den ersten zwei Jahren der Gründung für 12 Monate bis zu 50% des Gehalts gefördert, sofern diese Neu-Mitarbeiter zuvor drei  Monate arbeitslos waren und eine Weiterbildungsmaßnahme der Arbeitsagentur hinter sich haben. Neugründungen sind übrigens ganz einfach: Um die Förderung zu bekommen gründet man einfach ein zweites Unternehmen – das muss gar keine GmbH sein und geht quasi formlos als Einzelunternehmen ;-) De facto macht das in den Augen der Unternehmen, die Gutscheine und Einstellungszuschüsse gern annehmen, besonders jene Bewerber attraktiv, die aus einer Weiterbildung kommen und mehr als drei Monate arbeitslos sind.

Da Bewerber normalerweise  nicht von alleine auf die eh nicht sehr beliebten Vermittler zugehen, ködern die Agenturen mit Stellenanzeigen Bewerber, fischen dabei zu einem großen Teil aber genau jene Personen heraus, die einen schlechten Lebenslauf haben. Wer nicht mindestens zwei Monate arbeitslos wird, bekommt auf eine solche Anzeige mit ziemlicher Sicherheit keine Einladung, denn: diese Bewerber sind für die gutscheinhungrigen Vermittler uninteressant.

Vermittelt werden zudem mit Vorliebe eher unsichere Personen mit maximal mittlerem Bildungsstand. Ganz oft  in Firmen, die einen Mitarbeiter sechs Monate ausbeuten, um sich dann den nächsten zu suchen. Es mag Ausnahmen geben, aber die bestätigen eher eine Regel als andersherum.

Eigentlich ist das doch logisch: Wenn ein Unternehmen ernsthaft einen Mitarbeiter einstellen möchte, können   ihm als Arbeitgeber die 2.000 Euro, die er als Zuschuss bekomme, doch wirklich egal sein – Qualität sollte an erster Stelle stehen, jedenfalls bei Bildungsberufen. Ähnlich sehe ich das mit dem Einstellungszuschuss: Wenn ich nicht genügend Puffer habe, einen Mitarbeiter einzustellen, dann lasse ich das besser… Oder? Freue mich sehr über Erfahrungen von Betroffenen und Meinungen aus allen Richtungen!

27. Oktober 2010   3 Kommentare - Karrieretrends - Permalink
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Flexibilisierung des Arbeitsmarktes: Alles nur geträumt?

Das Institut für Arbeitsmarktforschung IAB schickte heute eine Pressemeldung mit Hinweis auf eine neue Studie, nach der die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit in Deutschland mit 10.8 Jahren seit 1992 annähernd stabil geblieben ist. Untersucht wurden die Jahre bis 2008. Demnach war die durchschnittliche Dauer eines Arbeitsverhältnisses 1992 mit 10,3 Jahren sogar noch kürzer.

Dies steht ihm Gegensatz zu anderen Forschungen und im Gegensatz zum subjektiven Empfinden vieler Arbeitnehmer.  Der Trend ist im Nachbarland Frankreich ähnlich, in den mobileren Ländern Dänemark (7,3 Jahre) und England (6,2  Jahre) gibt es häufigere Wechsel. Woran also liegt es, dass wir alle glauben, Jobs seien vergänglicher? Ein paar Erklärungsversuche:

  • es gibt definitiv mehr befristete Verhältnnisse, diese steigen ständig. Sie hinterlassen ein unsicheres Gefühl. 1992: 10,5, 2008: 14,5, Trend nach oben
  • von Branche zu Branche bestehen große Unterschiede, was die Studie nicht untersucht, aber ein Blick auf Lebensläufe zeigt
  • es gab und gibt eine Phase nach Lehre oder Studium, in der häufiger gewechselt wird. Dies wird dann als “Normalfall” interpretiert

Übrigens betrug die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit im Krisenjahr 2001 weniger als 10 Jahre – Konjunktur macht sich bemerkbar. Nicht untersucht ist außerdem die Wartezeit auf neue Jobs nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Hier ist zu vermuten, dass der Übergang von Job zu Job in Deutschland vor allem nach längerer Zugehörigkeit zu einem Unternehmen deutlich länger dauert als z.B. in Dänemark. Wie ist Ihre Erfahrung? Haben wir uns den schnelllebigen Arbeitsmarkt nur herbeigeträumt?

7. Oktober 2010   Keine Kommentare - Karrieretrends - Permalink
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