Fehler auf der Besetzungscouch
Sie fühlen sich im Job wie im falschen Film? Das kann mit einem simplen Fakt zu tun: Man hat Sie für etwas gehalten, was Sie nicht sind. Viele Persönlichkeitstests messen beispielsweise die Dimensionen extrovertiert und introvertiert, z. B. MBTI. Leider wird diese Dimension immer missverstanden, weshalb ich ein paar Worte dazu verlieren möchte: Es sind nicht notwendigerweise redefreudige und offene Menschen, die extrovertiert sind. Sie wirken vielleicht so, jedoch kann es trotzdem sein, dass sie introvertiert sind – weil sie ihre Energie eher aus dem Denken und Alleinsein schöpfen. Dies führt auf der “Besetzungscouch” der Personaler immer wieder zu Irrtümern. Da wirkt jemand sehr kommunikativ, der (zu intensive) Kotakt mit Kunden zehrt ihn oder sie aber aus. Es stresst. Und umgekehrt: Da wirkt jemand sehr verschlossen, zieht aber seine Motivation aus dem Zusammensein mit Menschen. Dieser Mensch mag gern mit Kunden und Kollegen zusammensein, es ist seine Motivationsquelle.
Deshalb ist, so meine Überzeugung, nicht die Wirkung oder das zu beobachtende Verhalten entscheidend, sondern die dahinter steckende Motivation. Wer gegen seine Motivation arbeiten muss, wird über kurz oder lang gestresst sein und den Job entweder hassen oder aufgeben. Und zwar obwohl seine Leistungen gut sind. Aus einem extrovertierten Menschen, der verschlossen wirkt, lässt sich das gewünschte Verhalten (z.B. auf den Kunden zugehen) leicht entwickeln. Verhalten und Motivation harmonieren, das ist gut für Mensch und Arbeitgeber.
30. September 2010 2 Kommentare - Persönlichkeit & Potentiale - Permalink
Warum Gauck und Schweinsteiger authentisch sind, aber man nur Gauck zu Füßen liegt
Gauck ist das beste Beispiel: Außer den notorisch bockigen Linken hätte sich jeder mit ihm anfreunden können. Überall hörte man: „Der ist einfach authentisch. Der ist, wie er sich gibt. Und er gibt sich, wie er ist.“ So begeistert waren die Kommentare, z.B. bei Spiegel Online, dass es mich fast ein wenig irritiert hat. Wird da nicht eine Menge hineininterpretiert? Wer wünscht sich nicht Orientierung durch eine Führungsperson, der man sozusagen blind vertrauen kann – nach dem Motto: Papa wird’s schon richten.
Es kann deshalb nicht das Authentische allein sein. Auch ein Schweinsteigermag nach der Authentizitätsregel „ich bin, wie ich bin“ authentisch sein, wenn er sich über Fußballgewohnheiten der Argentinier auslässt. Auch Herr Westerwelle ist authentisch, wenn er, sobald ihm die Anerkennung versagt wird, trotzig mit dem Fuß ausstampft (siehe Reiss Profil: Anerkennung und Rache/Kampf grün). Trotzdem liegt man den beiden nicht zu Füßen.
Bei Gauck kommt noch etwas anderes hinzu: Eine werteorientierte Haltung, eine gewisse Dosis Altruismus. Es scheint, als sei er nicht nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Als würde er sich nicht verkaufen um jeden Preis. Jedes Wort drehen und wenden….Als würde es ihm nicht so wie so viele nur um den eigenen Vorteil gehen.
Auch wenn man schon mutmaßen kann, dass allein durch seine kurze Präsidentschaftskandidatur sein Honorar als Speaker noch weiter steigen dürfte. Aber so bewegt und mit Tränen in den Augen, wie er gestern bei den Standing Ovations dasaß, wird er an so etwas wohl nicht gedacht haben.
1. Juli 2010 Keine Kommentare - Karrieretrends - Permalink











