Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Bewerben mit Web 2.0 – Teil 1 Youtube & Co.

Von | 2007-06-04T10:03:16+00:00 4. Juni 2007|

Gestern war ich bei Youtube und habe unter dem Stichwort "Bewerbung" nach Bewerbervideos gestöbert. Was für ein Stichwort – 158 Einträge! Bei genauerer Betrachtung schwankt die Ausbeute zwischen peinlich und der Frage "was soll das?" Ja, was soll das, lieber Grafikdesigner2181? Bewirbst Du dich wirklich – als eine Art Autonomer für Arme mit Strumpfmaske über dem Kopf? Ist es wahr, dass Du für eine "bekannte Hamburger Werbeagentur" arbeitest und hier eine spannendere Alternative suchst? Wenn ja, gib Acht: Ich denke, die Knollennase könnte dich verraten.

Ja, wie ernst ist das denn hier? Sehen wir hier wirklich den Bewerbungsweg der Zukunft? In den USA ist Youtube längst zu einer offiziellen Initiativbewerbungsplattform geworden. Und bei uns? Wir befinden uns noch mitten in der Findungsphase. Ernst oder nicht Ernst, das ist hier die Frage. Und genau das Problem: Nur bei den Videos, die das Rating ausgeschaltet haben, kann man wirklich sicher sein, dass sie ernst gemeint sind. Wenn etwa ein Stilberater Tipps gibt, hat das einen ernsten Anlass, kommt aber wahnsinnig spaßig rüber. Der Mann, mit Verlaub, beherrscht die deutsche Sprache nicht, denkt man sich so, denn er beendet jeden Satz mit äh – "bewerbenäh"? Der Schauspieler, der den Bewerber mimt, vermutlich sein Sohn, wäre selbst für Gute Zeiten-schlechte Zeiten unterqualifiziert.

So rutscht das Ganze gefährlich nah an den Abgrund der Lächerlichkeit. Und dass der Stilberater und einige andere, die Youtube für ihre Werbung nutzen keinen Spaß versteht, merkt man spätestens an dem ausgeschalteten Rating. Jede Wette, dass hier sonst 99 Bewerber nur einen Stern vergeben hätten – wie sonst oft üblich bei semiprofessionellen Selbstdarstellervideos.

Web 2.0, das ist oft mein Gefühl, ist im Bewegtbildbereich keine Info- sondern eine Funwelt. Womit wir bei der Frage sind, ob Grafikdesigner8121 es eigentlich wirklich ernst meinen kann. Und gleich die Antwort haben: Ja und nein. Wer sich hier reinstellt, kommt nur mit Humor weiter, sonst wird er automatisch zum ungewollten Spaßobjekt.

Mehr Spaß unter www.youtube.com – und dann Bewerbung eingeben.

Svenja Hofert

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

Ein Kommentar

  1. Sabine Korndörfer 4. Juni 2007 at 12:30 - Antwort

    Ein weiteres Highlight von Herrn Fenner: der Film „Richtig telefonieren“. Hat nichts zu tun mit Etikette, nur mit dem Thema „Erst denken, dann reden!“, welches ich hiermit umdichten möchte zu: „Erst denken, dann filmen!“ Sonst enden solche Web2.0-Marketing-Selbstversuche schonmal im sch(m)erzhaften Bereich!

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