Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Wie viel Selbstwirksamkeitserwartung haben Sie?

Von | 2010-01-23T19:22:31+00:00 23. Januar 2010|

Diese Woche wurde das Wort "betriebsratsverseucht" von der Duden-Redaktion als "Unwort des Jahres" ausgezeichnet. Mir begegnete zeitgleich ein ähnliches Unwort wieder. Es ist eines der zentralen Karrierebegriffe überhaupt: Die Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) – für die Engländer unter uns "perceived self-efficacy" (englisch klingt es nicht ganz so unwortig). Es ist der wissenschaftliche Begriff für einen Teil dessen, was ich in meinem Karrieremacherbuch als Karriere-IQ bezeichne. Es besagt, dass Menschen, die sehr von sich und ihren Kompetenzen und Möglichkeiten überzeugt sind, leichter ihre Ziele erreichen. Sie stecken sich auch höhere Ziele als Menschen mit niedriger SWE, suchen die Herausforderung und sind auch überzeugt, diese zu bewältigen. Sie zweifeln nicht und besitzen ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Im Beruf sind sie auf der Gewinnerseite und auch bei Bewerbung hat naturgemäß jemand mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung die Nase vorn. Er wird zum Beispiel nicht dazu neigen, es dem anderen recht machen zu wollen und Antworten zu liefern, die das Gegenüber erwartet – was eine der größten Fallen im Vorstellungsgespräch ist, denn dem anderen-nach-dem-Mund-reden ist ein Authentizitätskiller. Jemand mit hohem SWE wird nicht daran zweifeln, einen Job zu finden und schon deshalb eher Glück haben. Berufliche Um- und Neuorientierungen: Kein Problem bei hoher SWE!

"Kann man das lernen?" fragen sich viele. Ich bin überzeugt, dass das bis zu einem bestimmten Grad durch eine langsame Umprogrammierung des Denkens geht. Ich habe es oft genug bei meinen Kunden gesehen. Veränderungen der eigenen Haltung zu sich selbst und der Erwartungen an die eigenen Möglichkeiten sind möglich, nur brauchen sie manchmal viel Zeit und kleine Schritte. Doch nur wer über Grenzen des gewohnten Denkens und Handelns zu gehen wagt, kann sich verändern. Und meine These ist, dass oft das Handeln vor dem Denken kommt. Wer sich einmal anders – z.B. mutiger, mit höherer Erwartungen an die eigene Kompetenz – präsentiert und dafür gutes Feedback bekommt, verändert auch sein Denken.

"Hohe Selbstwirksamkeitserwartung, pah! Solche Leute leiden doch an hoffnungsloser Selbstüberschätzung", sagen die anderen. Dass kann man heute abend vermutlich wieder bei der DSDS-Vorauswahl sehen: Menschen, die ein verzerrtes Selbstbild haben. Die Selbstwirksamkeitserwartung führt dann nicht zum Erfolg, sondern nur zum peinlichen Auftritt. Das hat dann aber psychopathologische Züge. Wohl auch deshalb sind die Grenzen manchmal fließend und wohl aus diesem Grund attestieren nicht wenige Psychologen manchen Top-Managern eine "Art" seelischer Krankheit. Die SWE muss also auf einem gesunden Seelenboden gewachsen sein, damit sie auch "wirkt".

Einen Test zur Selbstwirksamkeitserwartung gibt es übrigens in Tom Diesbrocks sehr empfehlenswerten Buch "Freiheit – eine Gebrauchsanweisung".

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

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