Ach, Fachkräftemangel. Wenn er doch nur auch diejenigen erreichen würde, die keinen Ingenieurstitel haben, PR- und Marketingleute zum Beispiel, auch Journalisten. Diesen passieren auch in Boomzeiten allerlei kuriose Dinge:

– Eine Hamburger Tourismusfirma schickte 283 Absagen im CC: an ihre Bewerber. Dabei wurde ein männlicher Ansprechpartner genannt. Jeder konnte sehen, wer sich sonst noch beworben hat.

– Ein Logistikunternehmen: Mein Kunde wagte anzufragen, wann er denn mit einer Reaktion rechnen könnte. „Gar nicht“, antwortete man dort. „Wir haben 300 Bewerbungen bekommen, Sie glauben doch nicht, dass wir die alle lesen!“

– Ein Unternehmen schickte dem falschen Kandidaten den Arbeitsvertrag und ließ ihn unterzeichnen. Erst eine Woche später kam der Irrtum raus. Aufklären wollte ihn keiner mehr – zu peinlich. Da beschäftigte man doch lieber jemand, der eigentlich auf  Stapel B (Absage schicken) gelegen hatte.

Der Bewerber als Kunde? Als gesuchte und umgarnte Fachkraft? Von wegen. Das alles (und mehr) fällt unter die Kategorie „schlampige Personalabteilung“. Die gab es schon immer. 1993 bekam ich von einem  großen Leverkusener Konzern ein Absageschreiben, in dem ich „Herr Hofert“ genannt wurde. Nach einer „umfassenden und eingehenden“ Prüfung der Unterlagen hätte man sich für einen anderen Kandidaten entschieden. Ich schrieb zurück, dass der Check so eingehend nicht habe sein können, weil sonst aufgefallen sein müsste, dass die Bewerberin eine Frau ist… Heute haben die kleinen und großen Schlampereien der Personalabteilungen (oder abgeordneter Praktikanten) leider sehr viel mehr Publikum. 283 Bewerber werden „not amused“ sein, der Imageschaden dürfte beträchtlich sein.