Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Statusspiele: Netter Teamplayer oder Charismatiker – Die Einstellung macht´s

Von | 2012-06-06T17:45:06+00:00 8. Februar 2011|

Letzte Woche schnitt mir ein Papa vor der Schule mit seinem Auto den Weg ab. Am nächsten Tag machte ich dasselbe und stellte meinen Wagen vor seinen. Er stieg aus, zornesrot: „Ich bin berufstätig“, schnaubte der Unsympath. Ich stieg aus, gleichfalls bereit mich der Situation zu stellen. Wie geht diese Szene aus? Männer, die Frauen prügeln – oder umgekehrt? Die Frau hat immerhin einen Karate-Gürtel in grün.

Betrachten wir die Szene mal näher. Wir erkennen: Zwei Mal Hochstatus. Die Frage ist jetzt, wer als erster tiefer geht und ob es einer tut. Hoch- und Tiefstatus sind Begriffe aus dem Schauspiel. Im letzten Jahr habe ich mich im Rahmen eines Improvisationstheater-Kurses damit beschäftigt. Es gibt vier Zustände:

  • Innen und außen Hochstatus = sicherer Typ, aber nicht besonders sympathisch
  • Innen und außen Tiefstatus = netter Teamplayer
  • Innen Tiefstatus und außen Hochstatus = arrogantes A… sagen wir nicht
  • Innen Hochstatus und außen Tiefstatus = Charismatiker

In einer Gruppe erkennen wir sofort intuitiv, wer welchen Status hat und in welcher Ausprägung. Man kann dazu Nummern vergeben, Hochstatus 1, 2, 3 usw. Das hat rein gar nichts mit Statussymbolen zu tun, sondern läuft nur über die persönliche Ausstrahlung. Es kann jemand eine Rolex am Handgelenk haben und trotzdem im Niedrigstatus sein. Es mag jemand in Sack und Asche gehen und trotzdem Hochstatus haben.

Diese Statuszustände sind nicht immer und zu jeder Zeit gleich.

Sie können sich absichtlich in den Hochstatus versetzen, durch Autosuggestion und Einnehmen einer Hochstatus-Körperhaltung: Gerade gehen, Füße leicht nach außen, Kopf hoch, direkter Blickkontakt, den Blicken der anderen nie als erstes ausweichen. Gehen Sie einmal bewusst im Hoch- und Niedrigstatus einkaufen, es ist unglaublich, welch unterschiedliche Reaktionen Sie auslösen – ohne ein einziges Wort zu sagen. Im Hochstatus macht man Ihnen z.B. Platz, während man Sie im Niedrigstatus zur Seite drängen wird. Im Hochstatus lächelt sie die Kassiererin an, im Niedrigstatus werden Sie missachtet.

Sich bewusst in den Hochstatus zu versetzen, ist eine gute Übung vor Präsentationen oder Vorträgen, wenn Sie zum Niedrigstatus neigen. Für Hochstatus-Menschen ist es genau andersherum hilfreich. Wer innen im Hochstatus ist und diesen auch nach außen trägt, wirkt nicht sympathisch. Charismatisch sind jene, die zwar innen im Hochstatus, jedoch außen im Niedrigstatus agieren. Das macht sie nahbar für andere. Nahbar und doch klar = Respekt verdient.

Wie meine Geschichte weiterging? Als der Mann mir „ich bin berufstätig“ entgegenschleuderte, sagte ich: „Und ich muss zum Kuchenbacken.“ Er war nicht der Typ, der Ironie versteht, aber damit war die Situation entschärft. Ich hatte einfach außen den Niedrigstatus eingenommen. Kloppen muss ja nicht sein.

Kennen Sie solche Statusspiele? Ich freue mich über Beispiele. Mehr über das Thema findet sich in dem ganz tollen Buch „Statusspiele. Wie ich in jeder Situation die Oberhand behalte“ von Tom Schmitt und Michael Esser.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

12 Kommentare

  1. Zorem 8. Februar 2011 at 13:30 - Antwort

    Wer weiss mehr über das Modell Hoch- und Tiefstatus? Wer hat es erfunden? Welche Forschungen gibt es zum Thema?

    Sprache ist wunderbar. Das eigene Auto ist ein Wagen und das Auto des Gegner eine Karre. Wetten, die Karre war viel größer oder viel teurer?

  2. Svenja Hofert 8. Februar 2011 at 13:37 - Antwort

    Ne, meine Karre ist ziemlich sicher sehr viel teurer, Herr Zorem, wenn auch geleast – er hatte einen KIA oder sowas. Was denken Sie, warum er mich abgedrängt hat? Simple Küchenpsychologie ohne wissenschaftlichen Nachweis: Frau im Auto mit Hochstatus, Mann im Tiefstatus-Gefährt. Und… Ihr Wagen? LG SH

  3. Zorem 8. Februar 2011 at 13:58 - Antwort

    Ich fahr Bahn und Bus, die richtig großen Karren, die immer Vorfahrt haben.

  4. Svenja Hofert 8. Februar 2011 at 14:03 - Antwort

    das finde ich gut…. nächster Schritt, weg mit den „karren“ 😉

  5. Jasmin Sieverding 8. Februar 2011 at 14:51 - Antwort

    Hallo Frau Hofert,

    in der Oberstufe waren wir mal auf einem „Klassenwochenende“. Dort haben wir genau diese Spiele auch gemacht. Verschiedene Situationen wurden nachgespielt: Im Supermarkt, in der S-Bahn, in der Freizeit… Es war schon da interessant zu sehen, wie die vermeintlichen Underdogs die ihnen zugeschriebenen Rollen der Hochstatus-Typen erfüllt haben. Und andersherum genauso.

    Ein zweites interessantes Spiel war das der Maschine. Einer fängt an und stellt ein Teil einer Maschine dar, mit Bewegung und entsprechendem Geräusch. Und nach und nach kommen alle dazu und am Ende hat man eine große funktionierende Maschine, in der jeder seinen Platz gefunden hat. Das war genau das Gegenteil von Hoch-Tief-Spielchen. Aber auch nicht verkehrt. Jedenfalls nicht für die Klassen-Stimmung.

    Grüße

  6. Renate Brokelmann 9. Februar 2011 at 00:22 - Antwort

    Ich hatte auch schon ähnliche Erlebnisse (wer nicht? ;-). Beispielsweise kam ich fast zeitgleich mit einem Audi-Fahrer an einem freien Parkplatz vor’m Fitnessstudio an. Ich – mit altem Polo – war aber einen Tick schneller und bin flugs auf den Parkplatz gefahren. Das passte dem Audifahrer so gar nicht, er fing mich ab, beschimpfte mich mit „rotzfrech“ und meinte, es sei SEIN Parkplatz. Ich lächelte augenzwinkernd und meinte, es sei ja wohl eine Pattsituation gewesen 😉 und hoffte insgeheim auf etwas Humor auf der anderen Seite – aber, weit gefehlt: er drohte mir tatsächlich mit Prügel (!), so dass ich schnell das Weite (Fitnessstudio) suchte. Eigentlich gebe ich mir solche Parkplatzstreitereien selten, weil es mir einfach zu blöd ist, aber manchmal – wie im beschriebenen Fall – habe ich schlicht keine Lust, nachzugeben (quasi den äußeren Tiefstatus anzunehmen). Und bin umso erstaunter darüber, welche Reaktionen das hervorrufen kann.

    Übungen zum Hoch-Tiefstatus kenne ich auch, bspw. in Form von Gruppenübungen, in dem alle durcheinander laufen und beim Begegnen dem Anderen ein stolzes „ICH bin die Königin / ICH bin der König“ entgegenbringen. So albern das klingen mag, man ändert tatsächlich die (innere) Haltung.

  7. Svenja Hofert 9. Februar 2011 at 09:20 - Antwort

    @jasmin sieverding @renatebrokelmann
    Danke für die tollen Ergänzungen. Da haben wir ja für die Leser ganz viele Übungen – das Maschinenspielchen kenne ich auch, optimales Teamtraining. Im Gegensatz zu Ich-bin-der-König.
    herzliche Grüße Svenja Hofert

  8. Erich Feldmeier 12. Februar 2011 at 16:44 - Antwort

    Kuchenbacken kann immerhin wichtig, lustig und sogar zeitkritisch sein 😉

    also bitte an alle, Bus und Bahn fahren und aufs Auto verzichten geht gar nicht…
    ausser, ja ausser wenn sich bereits schon alles verändert hätte:
    Die SZ schreibt z.B. hierzu:
    „Ein Mann, der mit 26 Jahren immer noch mit dem Bus zur Arbeit fährt“, sagte die damalige britische
    Premierministerin Margaret Thatcher „der kann sich als Versager betrachten.“, SZ, 23.02.09
    http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/Versager_vergaserbob_de

    Auch Ute Vogt wird in der SZ folgendermaßen zitiert:
    „Ich habe einen typischen Frauenfehler gemacht und bin zu bescheiden aufgetreten.
    Ich dachte, ich brauche nicht hier den Aufsichtsratsposten und dort den Sitz im Verwaltungsrat.
    Und wenn mein Vorgänger den FAHRER noch vier Wochen länger behalten will, ist das auch kein Problem.

    Mein größter Fehler war allerdings, dass ich den Fraktionsvorstand, den mein Vorgänger mit seinen Leuten besetzt hatte, so gelassen habe.
    Deswegen hatte ich Schwierigkeiten, mich durchzusetzen.
    Stattdessen hätte ich sagen müssen: Ich bin die neue Chefin, ich verändere erst mal einiges….
    Wir neigen dazu, bescheiden zu sein und zu sagen:
    „Ach, das ist mir nicht so wichtig.“ Doch Männer verstehen es falsch, wenn Frauen auf die Insignien der Macht freiwillig verzichten.
    Es wird als mangelndes Interesse oder als Schwäche interpretiert“
    http://www.sueddeutsche.de/politik/387/495710/text/8/
    http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/UV_ute_vogt_de

    So geht also VERNÜNFTIGE, sachorientierte Personalpolitik (nicht nur im Firmen- sondern auch) im öffentlichen Interesse…

    und erst letzte Woche habe ich folgenden Tipp auf den Karriereseiten der SZ gefunden:
    „Bei Kleinigkeiten sollte man aber manchmal einfach mitspielen: „Der Firmenwagen zum Beispiel ist bei manchen Unternehmen
    ein typisches Symbol der Macht. Da sollte man nicht sagen: ‚Nein danke, mein Smart reicht mir‘“, SZ, 11.02.11

    Im übrigen komme ich an dieser Stelle immer wieder gerne aufs GLOBALE TEAM zurück:

    Sigmar Gabriel nennt das Phänomen Viag.. in Chrom:
    http://ed.iiQii.de/gallery/ValueCreation/Chrom_Felge_wikipedia_org

    Richard Wilkinson sagt: SUV gibt vermeintliche Sicherheit – statt Judo
    http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/RichardWilkinson_wikipedia_org

    SUV ist ein Massen-Mörder sagt der indische Umweltminister:
    http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/JR_jairamramesh_in

    und er sitzt mitten unter und in uns schreibt die SZ unter dem schönen Titel:
    Junggeselle ohne Auto? – keine Chance auf dem Pekinger Heiratsmarkt.
    „Abends steht er regelmäßig im Stau – und ist glücklich…
    Jetzt mit dem Auto wird es kein Problem mehr sein, eine Freundin zu finden“, sagt er [Li Qiang, 23]
    SZ, 19.07.10, http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/F6_bydauto_com_cn

    Veränderung ist schwierig, v.a. wenn es den Alltag betrifft 😉

    Innovative Grüße,
    EF

  9. […] 4.       Wichtiger als alles andere ist oft der familiäre STATUS. […]

  10. Markus 4. Juni 2016 at 01:11 - Antwort

    Was kann ich da tun?

    • Statusmatiker 15. Mai 2017 at 10:04 - Antwort

      Das Statusdenken aufgeben, frei sein von Hoch- und Tiefstatus.

  11. Clara M 1. September 2017 at 17:59 - Antwort

    Eine kleine Ergänzung:

    Keith Johnstone versteht (in: „Theater und Improvisation“ S. 57ff.) Status als etwas was man tut, unabhängig vom sozialen Status, den man hat. Der soziale Status bezeichnet den Rang in einer Gesellschaftsordnung. Am oberen Ende finden sich weltliche und geistliche Herrscher (König, Priester), am unteren Ende die Abhängigen und Ausgestoßenen. Der gesellschaftliche Rang wird etwa durch Ämter, Titel, Auszeichnungen und Statussymbole demonstriert. Status nach Johnstone ergibt sich dagegen aus dem Verhalten der Figuren in einer konkreten Begegnung. Er betont, dass es keinen neutralen Status gibt, sondern dass sich immer ein Gefälle zeigt.

Hinterlasse einen Kommentar