Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Frohe Weihnachten mit dem besten Karriere-Lesestoff 2011

Von | 2011-12-26T14:44:15+00:00 24. Dezember 2011|

Langeweile über Weihnachten? Muss nicht sein: Nutzen Sie die ruhigen Tage doch zum Lesen. Ich stelle Ihnen hier meine Top-Bücher des Jahres 2011 vor. Alle haben mit „meinen“ Themen  (Neuro-)Psychologie und Arbeit bzw. Karriere der Zukunft zu tun. Leider gibt es nur vier davon bereits als Kindle, also noch zum Heute-Lesen 🙂

1. Das mit großen Abstand zu allen anderen genialste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, kommt von Susan Cain „Still“. Es ist ein gut recherchiertes, lebendig geschriebenes und facettenreiches Werk über die Macht der Introversion. Nicht nur Introvertierte, sondern auch Ambivertierte (also Mischtypen) und Extravertierte können eine Menge daraus ziehen.  Da ich viele Sachbücher lese, habe ich oft das Gefühl „oh nee, nicht schon wieder diese Studie von 1968“ – es wird leider viel wiederholt und abgeschrieben in diesem Segment. Bei Cain ist das überhaupt nicht so. Im Blog von Susan bekommen Sie einen ersten Vorgeschmack auf ihr Denken.

2. Obwohl Jonah Lehrer in Deutschland noch nicht so bekannt ist, spielt er für mich fast in einer Liga mit Malcolm Gladwell, was die schreiberischen Qualitäten betrifft. „Wie wir entscheiden“ ist zwar kaum populär geworden, aber nichtsdestotrotz sehr lesenswert.  Es ist anders als die sonst hier vorgestellten Bücher schon 2009 erschienen, ich habe es aber dieses Jahr entdeckt – deshalb erlaube ich mir eine Platzierung an dieser Stelle. Für alle, die sich ohne Vorwissen einen spannenden Überblick über aktuelle neurowissenschaftlichen Erkenntnisse verschaffen wollen. Mein inhaltliches Highlight: Die bezogen auf ihre Vorhersagen treffsichersten Experten sind die, die selbstkritisch sind – sagt Lehrer. Die selbstüberzeugten, an ihrer Meinung unumstößlich festhaltenden performen etwa bei Finanzvmarktvorhersagen teils schlechter als Laien. Dazu gibt es dann auch die passende Erklärung bezogen auf unsere Gehirnstruktur.

3. Er hat nicht uneingeschränkt gute Kritiken bekommen, aber das Buch von Kevin Dutton „Gehirnflüsterer“ ist dennoch gelungen. Weniger wie die beiden oberen Werke aufgrund von Kompetenz und Anspruch – mehr aufgrund des Unterhaltungswertes und der persönlichen Geschichten von Dutton. Für alle, die sich für Psychologie interessieren, ist das Buch ein Standard. Und: Den Dutton gibt es  auch als Kindle Edition zum Sofortlesen.

4. Der neue Dueck „Professionelle Intelligenz“ ist eine harte Nuss wie manche von Duecks Frühwerken. Mir fällt es manchmal schwer dem zu folgen, was ich als Gedankensprünge wahrnehme, auch wenn das Buch interessant geschrieben ist – man liest einen INTJ (nach MBTI) – und damit eine ganze Menge strukturierter Komplexität und Genialität.

Manchmal trifft Dueck meine Logik nicht (aber er hat definitiv eine eigene). Inhaltlich ist das Buch jedoch ein Muss für alle, die sich mit der Zukunft der Arbeit beschäftigen, ohne wie Horx ständig Megatrends zu zitieren. Mir gefällt, dass Dueck ein (sehr) eigenes Gedankengut hat, dieses aufbereitet und eine Art praktische Theorie entwickelt. Der inhaltliche Kern: Dueck zeigt auf, dass es mehrere Intelligenzen gibt – unter anderem auch eine kreative – , und in unserer Welt von morgen das zählt, was er professionelle Intelligenz nennt.

5. Leichter geschrieben, auch durch eine für Etappenleser ideale Gliederung nach „Effekten“, ist das Werk von Rolf Dobelli, das es – jippih – auf dem Kindle gibt. Der Mann kann schreiben, und zwar richtig gut. Dobelli erfindet das Rad nicht neu, aber er erzählt wissenschaftlich Erkanntes und Bewiesenes  flockig  und rund. Wer sich mit der Thematik beschäftigt hat, findet vieles wieder, was er/sie weiß, aber unter einem neuen Focus zusammengestellt. Eine Alternative dazu ist das Werk „Ich denke also spinn ich“ von Jochen Mai und Daniel Rettig. Inhaltlich gibt es Überschneidungen. Mir gefällt Dobelli aber besser, bei Mai/Rettig bleibt manches an der Oberfläche, einigen Ausführungen hätte mehr Tiefe gut getan. Für einen Überblick über wissenschaftliche Erkenntnisse aber auch absolut empfehlenswert.

6. Das nächste Buch fordert wieder mehr Aufmerksamkeit und Konzentration: Antonio Damasios „Selbst ist der Mensch“. Es ist das Ergebnis der Jahrelangen Forschungen Damasios in den Neurowissenschaften – und anders als Jonah Lehrers ebenfalls neurowissenschaftlich ausgerichtetem Buch vom Wissenschaftler selbst geschrieben. Das liest man. Aber wer tiefer einsteigen, mehr wissen und sich selbst und die Menschen verstehen möchte, kann sich hier sehr gut bedienen. Gibt´s auch als Kindle.

Arne Gillert

7. Ich habe Arne Gillert auf einem Vortrag gehört und fand, dass er dort sehr locker und überaus interessant aus der Praxis erzählt hat. Etwas mehr davon hätte seinem Buch „Warum wir spielen wenn wir arbeiten“ gut getan. Aber: In diesem Buch stecken neue Erkenntnisse und hervorragende Anregungen für unseren innovativen Weg in die schöne neue Arbeitswelt. Schade eigentlich, dass sich das Werk nicht so gut zu verkaufen scheint, wenn man die Amazonzahlen und wenigen Bewertungen sieht.

8. Leichte Lektüre bietet das Autorenduo Tusch/Kitz mit Psycho-logisch. Es ist nicht tiefschürfend wie einige andere auf der Liste: Muss es ja aber auch nicht. Wer sich noch nicht so umfassend  mit dem Thema Psyche beschäftigen möchte, wird hier gut unterhalten. Und das ist schon mal viel wert.

9. Ähnliches gilt für den Bestseller von Martin Wehrle „Ich arbeite in einem Irrenhaus„. Ich habe das Buch in diesem Jahr einige Male verschenkt, weil es schlicht und ergreifend gut unterhält, ohne plump zu sein. Hier darf jeder mal ganz einfach ein wenig voyueristisch hinter die Kulissen schielen und sich sagen: „Bei den anderen ist es ja noch viel schlimmer als bei uns!“

10. Den „Hermann“ empfehle ich allen, die sich entspannen und dabei schmunzeln möchten. Vom Effekt „stimmt ja, so bin ich“ zu „warum eigentlich kritisiere ich mich ständig selbst“ ist nicht weit. Ideal für manchmal (zu) selbstkritische Leute – und ohne psychologische Theorie. Mal was anderes 😉

Viel Spaß beim Lesen! Weitere Tipps gerne als Kommentar posten, vor allem die Kindle-Editions 🙂

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

4 Kommentare

  1. D. Lux 10. Januar 2012 at 22:05 - Antwort

    Danke, ich arbeite in einem Irrenhaus werde ich gleich bestellen.

    Auch Ihnen ein gutes neues Jahr,

    lg D. Lux

  2. […] und einem Extrovertierten. Inzwischen sind durch Forschungen und populäre Sachbücher wie  Susan Cains „Still“ und jetzt aktuell (Interview folgt!) Sylvia Löhkens „Leise Menschen – starke Wirkung“ […]

  3. […] die kam erst im letzten Jahrzehnt so richtig in Fahrt, Antonio Damasio (unter anderem) sei Dank. Doch rational begründbare Tatsachen halten auch einen Tony Robbins […]

  4. […] kein Fest, sondern eine Anstrengung. Danke Sylvia Löhken für die Anregung. Mir hat schon Susan Cain ausnehmend gut gefallen. Dieses Buch erweitert Cains wunderbar analytische und tiefe Sicht um die […]

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