Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Ich bin ein Clown, lass mich mal spielen

Von | 2012-01-24T19:39:19+00:00 24. Januar 2012|

Als meine Mutter mich mit sieben in ein Clownskostüm steckte, schrie ich Zeter und Mordio. Ich wollte Prinzessin sein. Seitdem habe ich Clownsverkleidungen entschieden abgelehnt, und das heißt etwas: Ich komme nämlich aus der Karnevalshochburg Köln.

Am Sonntag zog ich mir freiwillig die Clownsnase über. Um das Clown-Sein auszuprobieren besuchte ich in einem individuell für eine Handvoll Coachs veranstalteten Workshop der Clownschule von Uli Tamm. Hatte ich einen Spaß!

Clownsein ist eine Haltung. Die rote Nase gibt die Erlaubnis – und dem Gegenüber ein Zeichen. Wer sie aufsetzt, darf alles tun: ätsch sagen, bätsch machen, die Zunge hängen lassen und ganz viel lachen. Clownsein heißt frei sein – und noch viel mehr:

  • Clowns sind offen für alles: Sie schauen sich die Welt an, ohne sie zu bewerten. Sie nehmen mit allen Sinnen auf, ohne in Schubladen zu stecken.
  • Clowns entdecken im Spiel, sie finden zum Beispiel heraus, dass man mit Tüten Musik machen kann. Von hier zur Spieltheorie ist es nicht weit.
  • Clowns machen gerne Fehler: Wenn Sie über einen  Eimer stolpern, höhnt das Publikum – und sie lachen mit. Wenn Sie sich versprechen, lachen Sie über sich selbst.
  • Clowns trauen sich Dinge, auch wenn sie nicht klappen: Sie springen durch den Reifen und machen sich nichts draus, wenn sie immer knapp vorbei hechten. Dann versuchen sie es halt noch mal.
  • Clowns thematisieren Gefühle: „Das verstehe ich nicht“, sagen sie, wenn sie etwas wirklich nicht verstehen. Für ein „Das macht mich traurig“ schämen sie sich ebensowenig wie für das Lachen.

Ich werde mir einen Bund roter Nasen beschaffen, für meine Kunden. Die schenke ich denen, die sich nicht trauen, Dinge zu tun, die sie einschränken, weil das allgegenwärtige Eltern-Ich ihnen sagt „das tut man nicht“: Kündigen, ohne etwas Neues zu haben. Sich in ungewohnten Branchen umzuschauen und wildfremde Leute befragen. Kreativ sein, obwohl man sich für völlig unkreativ hält. Im Mittelpunkt stellen trotz Schüchternheit. Andere sinnlos rumkommandieren, obwohl man sonst nie Befehle geben mag. Oder: sich einfach mal ohne Widerspruch rumkommandieren lassen, obwohl man sonst immer das Kommando übernimmt… Unser Verhaltensrepertoire ist immer beschränkt.

Mit der roten Nase im Gesicht, können wir es erweitern.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

7 Kommentare

  1. kerstin hof 25. Januar 2012 at 07:25 - Antwort

    willkommen im club, liebe svenja! ich nenne es ein deutliches „erweitern der komfortzone“. als ich vor 15 jahren eine fortbildung über 1,5 jahre bei uli tamm machte, überlegte ich ernsthaft eine zeitlang, professioneller clown zu werden. ich wurde coach, und profitiere nach wie vor persönlich und in meiner praxis sehr von den selbstgemachten erfahrungen, zb von dem sich erlaubnis geben. ich setze clowntheater-methoden in meinen potenzial- und orientierungsworkshops ein. vielleicht treffen wir uns ‚mal auf eine session „dolce far niente“? :0) morgengrüße von kerstin

    • Svenja Hofert 25. Januar 2012 at 09:37 - Antwort

      gern, liebe Kerstin, nachdem ich den letzten Termin ver-ipaded habe und auch so. Bis bald Svenja

  2. Lars Hahn 25. Januar 2012 at 12:37 - Antwort

    Wobei die besten Clowns selten rote Nasen tragen… 🙂

  3. […] und das bringt dich auf die Idee, einen eigenen Beitrag zum Thema zu verfassen, an dem du einen clownesken Spaß hast. […]

  4. Olcay Hasanoglu 26. Januar 2012 at 11:26 - Antwort

    Ein Beitrag, das in mir ein brennendes „JA“ erweckt. Meine Freundin besucht die Schauspielschule und sie berichtet mir ähnliche Erfahrung.

  5. […] „Sie sind sicher eine Extrovertierte“,  sagte mir der potenzielle Auftraggeber vor 14 Jahren. Ich fühlte mich wie auf einer Anklagebank. Und stellte mir das erste Mal die Frage: bin ich das? Ich ziehe meine Energie mehr aus dem Alleinsein. Ich denke viel. Zum Alstervergnügen würde ich am Wochenende niemals gehen. Clubreisen sind eine Horrorvorstellung für mich, Speeddating wäre die Hölle auf Erden. Andrerseits mag ich es auch, vor Leuten zu stehen, Small Talk fällt leicht. Ich bin locker, meist entspannt und mag es, Quatsch zu machen und Clown zu spielen. […]

  6. […] Sie ist der Anfang. Auf ihr ist alles erlaubt. Sie dürfen und müssen experimentieren. Sie dürfen scheinbar falsche Entscheidungen bei Ausbildungen treffen. Erfahrungen machen, die nicht nur positiv sind. Sie sehen, dass Kombinationen – zum Beispiel – aus Altenpflege, Biologiestudium und BWL  oft erst später Sinn machen. In dieser Zeit dürfen Sie nicht auf die Karrierepropheten der alten Welt hören, die sie nervös machen und vom für Sie richtigen Weg abbringen. Bei Selbstständigen und Angestellten docken sich Chancen an zufällig gewonnenen Erfahrungen an. […]

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