Schnell soll es gehen. Einfach und mit möglichst Anstrengung. Wir wünschen uns für unsere Veränderung einen Wunder-Diät-Effekt. Ich verliere ein Kilo, indem ich einen Monat weniger esse. Schön. Aber danach ist alles wie immer. Natürlich ist das Kilo bald wieder drauf, denn ich verändere ja mein Essverhalten nicht dauerhaft. Die Diätratgeberindustrie verdient sich Millionen mit der menschlichen Neigung, Flash-Motivation gegenüber der Nachhaltigkeit zu bevorzugen. Oder anders gesagt: Vorübergehende Veränderungs-Impulse, die nicht nachhaltig sind, sind interessanter als alles, das ein Verlassen der Komfortzone verlangt.

Man sieht Flash-Motivation auch als Berater: Manche Veränderungswillige strengen sich einen Monat an, um einen neuen Job zu finden. Danach fallen sie in den alten Trott zurück. Der Mensch bevorzugt Verharren und scheut Veränderung. Veränderung ist für ihn nichtsdestotrotz sexy, deshalb sucht man die Flashs.

Sexy Flash-Motivation

Motivationstrainer nutzen diese Sexiness für die Flash-Motivation. Unmittelbar nach einer motivierenden Rede wollen viele etwas ändern. Doch von 100 ist höchstens einer dabei, der nachhaltig und wirklich etwas tut, beim Rest versandet der gute Vorsatz im Alltag. Doch dieser eine macht den Unterschied.

Aber was macht er anders?

  1. Phase – Das Problem erkennen

Manche denken, Sie suchen einfach nach einem neuen Job, dann verschwindet das berufliche Problem schon. Das ist Flucht. Vielfach steckt ein Muster hinter dem Problem, dass immer auch mit einem selbst zu tun hat.

Das ist aber bei einer Flucht sicher noch gar nicht erkannt, und deshalb ist es keine Lösung, einfach ein neues berufliches Ziel in dieser Phase zu suchen. Beispiel: Sarah versuchte in ihrem Beruf immer alles richtig zu machen und Anerkennung zu finden. Genau das gelang ihr mit einigen Chefs nicht, obwohl sie sich wahnsinnig anstrengte. Sie strengte sich FÜR das Wohlwollen der anderen an, merkte aber eigene Bedürfnisse gar nicht. Wer das erkennt, hat das Problem am Schopf gepackt. Das reicht fürs erste.

2. Phase – Die Ursache des Problems ausmachen

Welches Muster steckt hinter meinem Problem? Das Wort Gefallsucht hat etwas Antiquiertes, doch die Gefallsucht ist auch heutzutage nichtsdestotrotz sehr ausgeprägt. Sarah aus unserem Beispiel erkennt ihre Gefallsucht und fragt sich:

  • Warum habe ich immer alles getan, um anderen zu gefallen?
  • Was ist die Ursache dafür, dass ich darüber den Draht zu mir selbst verloren habe?

Oft stecken, siehe mein Buch „Am besten wirst du Arzt“, Eltern dahinter, in der Familie gelernte Muster und traumatische Schulerlebnisse. In dieser Phase muss man sich mit dem Warum? beschäftigen. Das ist anstrengender als Flash-Motivation.

3. Phase – Handeln

Was für Konsequenzen ergeben sich aus dem, was ich herausgefunden habe? Ändere ich mein Verhalten? Gehe ich auf Jobsuche? Oder gehe ich zunächst auf die Suche nach einem Ziel, wenn ich bisher keines hatte? Sich verändern ist keine einmalige Angelegenheit, sondern eine Prozesskette aus Wiederholungen. Will ich mehr Durchsetzung gegenüber meinen Vorgesetzten zeigen, so genügt kein einmaliges Tun. Bis sich altbekannte Muster und Systeme auflösen, braucht es ein Immer-Wieder. Dafür muss wieder und wieder das Erwachsenen-Ich bemüht werden, das einen aus dem Kind-Ich-Zustand holt, in dem wir beleidigt auf fehlende Anerkennung reagieren oder wie Rumpelstilzchen vor Ärger in die Luft gehen.

4. Phase – Das Lernen annehmen

 

Bewusstes Lernen sorgt für nachhaltigere Erfolge. Wenn Sie Ihre Veränderung dokumentieren, erleben Sie diese wirklich. Ich mache während der Coachingsitzungen immer Notizen. Manchmal hole ich diese nach einem Jahr oder mehr hervor und kann somit teils wortwörtlich rekonstruieren, an welchem Punkt der Mensch damals auch emotional stand. Viele sind dann überrascht, denn die Veränderung ist so in Leib und Blut übergegangen, dass sie nicht mehr bewusst wahrgenommen wird. Das ist schade, denn eigentlich sollte sich jeder, der Phase 4 erreicht hat, einmal richtig über sich selbst freuen.

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