Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Trendcheck: Der Hype um neue Berufe und was wirklich dahinter steckt

Von | 2012-03-28T08:40:00+00:00 27. März 2012|

Wow! Das Wort allein macht schon den Unterschied. Feelgood Manager – das hört sich nach guter Laune, Wellness, Wohlbefinden an. Feelgood Manager sorgen sich um die Mitarbeiter, als Zwitter zwischen HR-Mitarbeiter und Eventmanager veeschönern sie nur für ein Berufsleben, das immer privater wird. Ist das ein Job für Sie? Was steckt hinter diesem so beschwingt klingenden neuen Beruf? Mehr als der Hauch des Neuen? Ein Trend vielleicht? Gibt man den Begriff in der Detailsuche bei Xing unter Position (jetzt) oder Position (zuvor) ein, erscheint EIN Ergebnis – und zwar die Feel good Managerin bei Spreadshirt in Leipzig. Leider verrät die Dame nicht, welche Ausbildung sie hat. Ihre Vorerfahrung liegt im Event- und Tourismusbereich. Scheint mir logisch. Mir sind eine kleine Hand voll weitere Unternehmen bekannt, in denen Manager fürs Wohlbefinden angestellt sind, jedoch besitzen diese offenbar kein Xing- oder Linkedin-Profil. Oder sie tragen einen anders geschriebenen, unternehmensspezifischen Titel. Das magere Ergebnis bei Linkedin deutet weiterhin darauf hin, dass es sich offenbar um ein deutsches Phänomen handelt, andernfalls müssten sich im angloamerikanisch geprägten Business Network mehr internationale Feelgood Manager finden. Es scheint: Der Job ist eine Ausnahmeerscheinung bei Unternehmen, die die Zukunft der Arbeit schon jetzt stattfinden lassen wollen – im wesentlich sind das idealistisch geprägte Startups. Eine zweifellos gute Sache in Zeichen des Demografie-Wandels, einer immer mehr Sinn und Vergnügen suchenden Generation Y und entsprechend notwendigen Employer Brandings.

Ich schlage weiter vor als Anwärter für Jobs mit Zukunft:

  • Angestellte Karriereberater (unbedingt nötig in Zeiten, in denen Jobs nicht nur Geld, sondern auch Sinn bringen sollen),
  • Burnout-Prophylaktiker (siehe 900% Zuwachs Burnout-Fälle seit 2004, Günter Jauch am Sonntag),
  • MBA-Analysten (finden raus, wie viel oder wenig wert ein MBA ist) und
  • Weiterbildungs-Evangelisten (Fürsprecher betrieblicher Weiterbildung in jedem Alter).

Das ist noch ein wenig Science Fiction. Nun aber zu Jobs, die es bereits wirklich und in größerer Stückzahl gibt. Ich nehme mir den Evangelisten vor, oft auch Developer Evangelist genannt, was anzeigt, dass dieser meist aus der Entwicklung kommt. Bei Kimeta.de werden davon immerhin 124 gesucht. Bei Xing gibt es 206 angestellte Evangelisten, bei Linkedin kennt 1617 in Germany und fast 7.000 in den USA. Solche Zahlen lesen sich doch ganz anders als der Feelgood Manager. Studieren kann man den Job aber auch (noch) nicht; wie alle echten Jobs mit Zukunft entwickeln sie sich nur bedingt aus einem Studium heraus und basieren im Wesentlichen auf Erfahrung. Hier vor allem technische. Die braucht der Community Manager nicht. Unter dieser Bezeichnung finde ich 1774 angestellte Personen bei Xing, unter „Position zuvor“ dagegen nur 747 Community Manager – eindeutiges Signal für einen Anstieg in den letzten Jahren. Der allerdings wohl seine Spitzenzeiten hinter sich hat. Bei Kimeta locken derzeit nur noch 168 offene Stellen. Vor einem halben Jahr, im September 2011 hatte ich für mein Buch „Am besten wirst du Arzt“ noch 1011 gezählt. Das zeigt: Wer zu lange wartet, um auf Trends aufzuspringen, kommt meist zu spät. Man kann heute zum Beispiel nicht darauf warten, bis ein Studiengang aufgelegt ist. Bis zur Akkreditierung hat sich der Wind gedreht und die Praktiker mit dem Firstmover-Gen besetzen schon das Feld. Die folgenden Positionen werden dann seniorig besetzt werden – also mit ehemaligen Firstmovern. Und das heißt: Mit denen, die Praxiserfahrung besitzen. Weitgehend gleich, was sie studiert haben. Deutlich zu sehen im Online-Marketing. Hier eine Tabelle mit weiteren Jobs, eine lose Auswahl oft genannter Zukunftsjobs. Ich habe Sie dem Realitätscheck unterzogen:

Was versteckt sich wirklich hinter diesen Jobs?

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

3 Kommentare

  1. Astrid Overbeck 28. März 2012 at 11:32 - Antwort

    Tolles Chart – danke Frau Hofert. Auch für Karrierberater ist es nicht immer einfach – alle Trends im Blick zu haben. Vom Evangelisten hatte ich zwar schon gehört, aber dass es tatsächlich schon so viele mit der Bezeichnung gibt, war mir neu.

  2. Susanne Hagedorn 15. Mai 2012 at 08:34 - Antwort

    Ich habe diesen Beitrag gerade erst entdeckt. Es gibt ja coches aus den verschiedensten Bereichen. Feelgood-Manager hat ja etwas, aber was viele im Business noch brauche wäre ein „Nutrition Coach“. 😉 (Wenn es schon in Englisch sein muss
    Wer nimmt sich heute noch wirklich Zeit zum Essen und wer achtet täglich darauf, dass das, was gegessen wird auch reicht um Leistung zu bringen.
    Aus der Praxis weiß ich, dass da vieles im Argen liegt.

  3. Jan Thomas Otte 9. Juli 2013 at 13:55 - Antwort

    Hi Svenja, hast du Updates zum Jobprofil des „Feel Good Managers“? Wurde von t3n zum Thema angefragt, vielleicht machen wir ein kleines Interview – am besten per DM oder mal telefonieren…

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