Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Was können Sie verdienen? Gehaltsklassenbestimmung in Zeiten größer werdender Scheren

Von | 2012-10-09T15:37:47+00:00 9. Oktober 2012|

Gehälter schwanken schon aufgrund äußerer Faktoren wie Branche und Region. So bezahlen im mittelständisch geprägten Osten Deutschlands Unternehmen erheblich weniger als im Westen, Zahlen sprechen von einem Gefälle von 10 Prozent weniger als der Durchschnitt. Das Gehaltsgefälle nach unten kann branchenspezifisch unserer Erfahrung im Osten nach noch viel größer sein. Prognosen helfen mitunter wenig, das für sich einzuschätzen. Gehälter im Westen und Norden liegen bei etwa bei 100 Prozent, wohingegen sie Richtung Süden zulegen – um rund 10 Prozent, teils sogar mehr. Der Standort – auf dem Land oder in der Stadt, leicht erreichbar oder entfernt – sagt ebenfalls etwas über die Gehaltsklasse, in dem ein Unternehmen spielt: Lange war es so, dass in Großstädten mehr bezahlt wurde als auf dem Land. Mit dem demografischen Wandel und der damit verbundenen Personalknappheit verschiebt sich das derzeit etwas: Firmen an weniger attraktiven Orten sind gezwungen, gerade ihren Spezialisten und Experten mehr zu bezahlen, teils mehr als in Städten. Für einen handelsüblichen Assistenzjob gilt das natürlich nicht.

Bestimmte Branchen, etwa Banken und Finanzen sowie Pharma, gehören traditionell zu den Gutzahlern, andere zahlen traditionell schlecht, etwa der Einzel- und Großhandel oder Kultur und Tourismus. In Agenturen lernt man viel, aber die Gehälter fallen dort in aller Regel schmaler aus als in Konzernen, in der Werbung mehr noch als in der PR. Die Linie verläuft meist da, wo es viel Andrang (schmale Gehälter) im Vergleich zu wenig Andrang (hohe Gehälter) gibt.

Auch eine Marktführerschaft muss sich nicht immer positiv auf das Gehalt auswirken. Branchenprimusse bezahlen manchmal sogar weniger als andere und verweisen dabei auf ihren guten Namen oder/und Sozialleistungen, siehe etwa Lufthansa.

Es zeigt sich im technologischen Umfeld ein weiterer Trend: Sogar innerhalb von Segmenten, also Teilbranchen, kann es erhebliche Unterschiede geben. Die Schere öffnet sich etwa auch in der Digitalwirtschaft derzeit sehr stark. Da gibt es Unternehmen, etwa im E-Commerce-Handel, die ordentlich bezahlen, während andere ordentlich knausern.

Auch die Hierarchieebene bestimmt das Gehalt entscheidend mit: Je höher desto mehr gibt es für gewöhnlich, vor allem in einer größeren Firma. Jedoch kann ein Projektmanager, der keine festen Teams führt, mitunter mehr Geld verdienen, als ein Teamleiter oder ein Mittelmanager. Ebenso gibt es Senior Experten, die in Sachen Gehalt den Führungskräften weit voraus sind.

Hierarchien sind indes relativ zur Größe einer Firma: In kleineren Unternehmen kommt es gar nicht so selten vor, dass sogar der Geschäftsführer nur 60.000 EUR verdient. Bewirbt er sich in einer größeren Firma, muss er bei einem oft viel größeren Gehalt in Sachen Funktion und Verantwortungsbereich kleinere Brötchen backen.

Copyright: KEXPA.de Svenja Hofert

Auch die Art der Tätigkeit sagt etwas aus über ihren Wert. Je strategischer, verantwortungsvoller und konzeptioneller, desto höhere Gehälter. Ein Personalmitarbeiter, der vor allem Gehälter verwaltet, bekommt weniger als ein Personalreferent, der Konzepte zur internationalen Personalentwicklung erarbeitet.Offensichtlich sind die Unterschiede bei Assistenten. Gleiche Bezeichnung, komplett unterschiedliche Aufgaben: Wer Termine vereinbart und Daten pflegt, wird normalerweise viel weniger verdienen als jemand, der eigenverantwortlich Projekte steuert und organisiert. Die eine Tätigkeit, auch Assistenz genannt, liegt derzeit bei 25.000-35.000 EUR, die andere bei 35.000-70.000 Jahresbruttogehalt.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Gehältern in Zeiten einer stärker werdenden Gehalts-Diversity? Wo entwickeln sie sich im Zeichen der Zukunft der Arbeit – auch anders als früher?

Svenja Hofert ist Management- und Karriereberaterin. Als Vor- und Querdenkerin beschäftigt sich vor allem mit Entwicklung und Zukunftskompetenzen. Der Schwerpunkt von Hoferts Tätigkeit liegt in der Ausbildung und im entwicklungsbezogenen Coaching von Führungskräften, Teams und Unternehmen. Hofert hat ab 2000 das Büro „Karriere und Entwicklung“ in Hamburg aufgebaut und unter anderem ein Startup-Portal etabliert, bevor sie 2015 die Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung GmbH mit Thorsten Visual gründete. Mit Teamworks arbeitet sie für große und kleinere Organisationen und bietet Ausbildungen und offene Seminare und Workshops an. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat die gebürtige Kölnerin über 30 Bücher geschrieben, darunter immer wieder Longseller und Standardwerke, die bis zu sieben Auflagen erreichten. Standen zunächst die Themen Karriere und Beruf im Mittelpunkt, erweiterte sie ihren Blick ab 2004 zu Gründung, Management und Unternehmensführung, um schließlich ab 2009 auch Organisationen, Teams und die neue Arbeitswelt in den Fokus zu nehmen. Der rote Faden blieb die Verknüpfung von betriebswirtschaftlichen, philosophischen und psychologischen Perspektiven – und ein Fokus-Thema: Die Entwicklung von Mindset. Hofert hat einen Master of Science in Wirtschaftspsychologie sowie einen Magister Artium, u.a. in Sprachwissenschaft. Ihre Unternehmen befinden sich im Zentrum der Hansestadt Hamburg in Alsternähe, sie selbst lebt im Hamburger Umland sowie in Marbella, Spanien. Buchung |

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