Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

München Top, Hildesheim Flop: Wo Bewerber die besten Chancen haben

Von | 2013-06-10T08:44:10+00:00 7. Juni 2013|

In Hildesheim sieht es nicht gut aus für Bewerber: Um eine Stelle balgen sich 30 Anwärter. Noch schlechter steht Bremerhaven da: 38 Bewerber buhlen mit.

Ich kenne Hildesheim gut, deshalb sprach mich die Meldung der Metajobsuchmaschine Adzuna  sofort an. Wahrscheinlich, weil Hildesheim in meinen Augen bisher nicht Herne im Ruhrgebiet war, wo man Arbeitslosigkeit in schwindelnden Höhen erwartet, sondern eben … Hildesheim.

Nun bin ich froh, dass ich dort nicht auf Jobsuche bin. Nicht nur 30 Bewerber auf eine Stelle, auch kein einziger SAP-Berater wird da gesucht, das habe ich gerade ausprobiert. Und sicherheitshalber gleich nachgeschaut: Diese Spezies findet auch nicht beim Adzuna-Konkurrenten Kimeta, die sich sehr ähnlich sehen.

Wo sind die besten Jobs? In welchen Städten besteht ein optimales Bewerber-Job-Verhältnis? Natürlich im Süden: München, Stuttgart, Ingolstadt. Eine Stelle und nur zwei bis drei Bewerber! Hier kommen wir der Zukunft der Arbeit, in  der sich Firmen bei Bewerbern bewerben, die schon im Rentenalter sind, schon mal näher. Ich vermute, dass dort im Süden auch die Chancen für Quereinsteiger und Branchenschwenker allemal besser sind als in Hildesheim.

stadtundjobsRegionale Unterschiede werden generell unterschätzt. Bewerber denken wenig darüber nach, welche Jobs in welchen Regionen gefragt sind – kann man vielleicht auch schlecht, wenn man erst nach der Ausbildung die große Liebe kennenlernt, die partout in Hildesheim leben will. Dann heißt es, schaut man auf diese Zahlen: Hausmann, Hausfrau, Home Office oder Neuorientierung.

Mein Großvater war höherer Beamter in Hildesheim. Ist Hildesheim also eine Verwaltungsstadt? Nun finde ich in Hildesheim gar keine Jobs für Verwaltungsangestellte, lediglich einen Referenten für Kirchen- und Museumsführungen. Das ist ein schicker Job, aber darauf soll es NUR 30 Bewerbungen geben? Wie zum [Teufel] wollen die das wissen? Meine Erfahrung mit solchen verführerischen Jobs: es bewerben sich eher hunderte. Aber klar, 30 ist der Durchschnitt, es bezieht auch die 12 Altenpfleger ein, die gerade gesucht werden, das sind 5 mehr als in Bremerhaven, immerhin. Und das bei vergleichbaren Stadtgrößen: Bremerhaven und  Hildesheim haben je fast 100.000 Einwohner.

„30 Bewerber auf eine Stelle“. Wo kommen die Zahlen her? Ich lese in der Meldung:

„Adzuna hat die 50 größten deutschen Städte in Bezug auf Jobangebote aufgelistet. Die Liste von Jobs in Adzuna’s Index von über 300.000 gelisteten Stellenanzeigen wurde mit den Ende Mai veröffentlichten Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit für diese Städte verglichen. Adzuna hat außerdem die Verteilung der Berufstitel und Branchen-Kategorien der Stellenanzeigen analysiert, um darzustellen, welche Stellen in welchen Städten besonders gefragt sind.“

Das kann ich jetzt nicht überprüfen. Ich vermute nur, dass es auf die Museum-Referentenstelle viel mehr als 30 Bewerbungen geben wird, weil Museen normalerweise eine ähnliche Lockfunktion ausüben wie das Goethe-Institut, die „Zeit“ und „Hugo Boss“ (was nichts, aber auch gar nichts über das Arbeitsklima dort sagt).  Und auf die Altenpfleger weniger, vielleicht zwei – wie in München?

Bewerber denken oft, es sei egal, ob sie sich in Hamburg oder Köln, München oder Hannover bewerben. Das ist leider nicht so: Die Jobchancen sind sehr unterschiedlich verteilt. Heute telefonierte ich mit einer langjährigen Kundin aus dem Süden, Einladungsquote 50%, trotz Konsumenten-Marketing. Das würde hier oben schlechter aussehen.

Nicht nur die Stadt und Region, auch die Jobs sind sehr unterschiedlich verteilt. Branchen knubbeln sich geradezu in bestimmten Regionen anstatt sich breit zu verteilen. Das hat die Folge, dass ein Ingenieur mit Schwerpunkt Kunststoffverarbeitung im Süden bleiben oder umlernen muss, selbst wenn er in den Norden heiratet.  Oder dass man wirklich blöd da steht, wenn die letzte Pharmafirma aus der Heimatstadt wegzieht – weil sich Branchen oft INSGESAMT verlagern. Ein Finanzmensch hat nun mal in Hessen weit bessere Chancen als hier bei uns im Norden. Das machen sich viele Bewerber, die ab einem gewissen Alter meist nicht mehr so flexibel sind, viel zu wenig bewusst.

Also, im Zweifel mal Jobs in der Region suchen  und dann entscheiden, ob der Branchenwechsel oder gewählte Studienschwerpunkt  Sinn macht. Viel Spaß.

Wer bei der Jobsuche schlauer sein will als andere, arbeitet mit unserem Kexpa®-Selbstlernkurs „Jobsuche mit Plan und Köpfchen“.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

6 Kommentare

  1. Ronald 9. Juni 2013 at 21:26 - Antwort

    Liebe Frau Hofert,

    ihnen ist leider ein kleiner Fehler unterlaufen.

    Zitat: „Bremerhaven hat kau 30.000 Einwohner,“

    Nach meiner Kenntnis leben in meiner Geburtsstadt etwas mehr als 100.000 Menschen.
    Mein Beitrag kann nach der Korrektur gerne gelöscht werden.

    Liebe Grüße aus Bremen
    Ronald Gotthelf

    • Svenja Hofert 10. Juni 2013 at 08:45 - Antwort

      Dankeschön Herr Gotthelf, war ich zu schnell beim Googeln und hatte ne falsche Zahl erwischt. Nö, Beitrag lösche ich nicht. Ich finde aufmerksame Leser gut und stehe zu Fehlern. LG Svenja Hofert

  2. Gerhard Kenk 17. Juni 2013 at 09:08 - Antwort

    Der regionale Aspekt bei der Jobsuche ist einfach eine Folge der historischen Entwicklung Deutschlands, und dies macht sich eben nicht nur im Dialekt, in den unterschiedlichen Bildungssystemen oder den regionalen Arbeitsmärkten bemerkbar. Was in der Diskussion gerne übersehen wird ist die Problematik, wie kleine und mittelständische Unternehmen bei der Personalbeschaffung mit inherenten Standortnachteilen umgehen und wie Bewerber mit ihrer Mobilität darauf reagieren.
    Viele Grüße
    Gerhard Kenk

    • Svenja Hofert 17. Juni 2013 at 10:05 - Antwort

      Hallo Herr Kenk, danke für Ihre Ergänzung. Ich habe eher den Eindruck, dass vor allem hochqualifizierte Bewerber mit Mobilität reagieren. Sprich: Unternehmen in schwierigeren Regionen haben wahrscheinlich öfter schlechterqualifizierte oder weniger motivierte Mitarbeiter. LG Svenaja Hofert

  3. rouane 28. Juli 2013 at 07:05 - Antwort

    hallo

    Ich bin 24 Jahre alt
    Ich arbeite nicht

    Ich möchte mit Ihnen anfordern

    Können Sie mir helfen einen Job zu bekommen

  4. Confianza 15. November 2013 at 19:30 - Antwort

    Das ist wirklich ein interessantes Thema! Schon ein bisschen erschreckend, dass man in manchen Städten so sehr um einen Job kämpfen muss. Wir vom Pflegedienst wünschten uns, dass es uns auch mal so ginge. Wir kämpfen ja um jeden Azubi!
    Schade, aber so ist es eben.
    Toller Artikel übrigens! Sehr aufschlussreich!

    LG,
    Claudia von Job Altenpfleger

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