Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Was „mit Zukunft“ studieren? 4 etwas andere Vorschläge von Nano bis Neuro

Von | 2013-12-10T16:47:45+00:00 10. Dezember 2013|

Letzte Woche hatte ich in der Beratung meinen ersten Nanowissenschaftler (Grüße ;-)) Grund genug, sich in diese neue Thematik einzuarbeiten – und einmal über Fächer nachzudenken, die derzeit noch alles andere als gewöhnlich sind. Aber eine gute Investition in die Zukunft sein könnten.

1. Neurowissenschaften

Hätte ich heute die Wahl für ein Erststudium zu treffen, sie würde ganz klar auf Neuro Science fallen: Kein anderes wissenschaftliches Feld finde ich dermaßen faszinierend und spannend! Manche sagen, vielleicht nicht zu Unrecht, dass Neurowissenschaften der Psychologie ihren Rang als Wissenschaft über den Menschen streitig machen könnte. Denn es wird immer deutlicher, dass unser Gehirn unser Wahrnehmen und Denken steuert und Sitz des „Ich“ ist.

Heute Neurowissenschaften zu studieren ist etwa so wie zu entdecken, dass die Welt rund ist. Ganz viel ist im Umbruch, eine neue wissenschaftliche Erkenntnis jagt die andere. Der Einsatzbereich von Neuro Sciences ist breit: im Marketing findet sie genauso ihre Anwendung wie im Personalbereich – ein Beispiel ist der von mir schon mehrfach erwähnte Test NeuroIPS – oder in der Informatik. Nur rechnen Sie nicht damit, nach einem solchen Studium eine Stelle als „Neurowissenschaftler“ zu bekommen. Das ist – wie bei allen Naturwissenschaften außer Ingenieurwesen – kein Beruf, sondern Wissen, das Sie hier erwerben. Und so wundert es nicht, dass die Wege mit diesem Studium alles andere als vorgezeichnet sind: Einer der bekanntesten Regisseure, der Österreicher Hans Weingartner („die fetten Jahre sind vorbei“) hat vor „Uhrzeiten“ Neurowissenschaften studiert hat (zu früh). Auch der amerikanische Autor Jonah Lehrer ist Neurowissenschaftler – schlaue Wahl, auch für Journalisten, die uns derzeit mangels Tiefenverständnis noch sehr viel falsch erklären, z.B. den Unsinn mit der rechten Gefühl- und der linken Denkhälfte.

Mein Jobtest hat bei der Recherche nach Neurowissenschaftler ergeben:

8 Stellenangebote bei Kimeta.de, die meisten richten sich an Wissenschaftler. Lerne: Studiere so etwas nie, um XY zu werden, sondern um ABC zu lernen – und zum Beispiel den BWLern in Marketing eine Nase voraus zu sein. Denn du weißt dann, welche Bereiche im Gehirn aktiviert werden, wenn jemand den neuen Marsriegel anschaut. Um ein kleines Beispiel zu nennen.

2. Nanophysik oder Nanowissenschaften

Die nächste Revolution steht an. Der Mix aus Chemie und Physik wird unter anderem die Medizintechnik erheblich beeinflussen, aber auch die erneuerbaren Energien. Es könnte sein, dass den Nanotechnologien bald ein ähnlicher Stellenwert zukommt wie der Informatik, als sie in den 1980er Jahren in viele Bereiche einzog, damals auch in die Medizin. Wer in den 1990ern ein Medizininformatikstudium aufnahm, dürfte immer noch ausgesorgt haben.

Man hört, dass Nanophysik auf Grund der praktischen Anwendbarkeit auch fassbarer sein soll, als die theoretische Physik, an der sehr viele scheitern, vor allem Frauen. Die „Learnability“ ist höher.

Ein weiterer Aspekt ist nicht zu unterschätzen: Während Neurowissenschaften durch hohe Zulassungsbeschränkungen nicht für alle Abiturienten erreichbar sind, ist Physik überwiegend zulassungsfrei. Die Chance für Jungs und Mädchen, die während des Abiturs andere Interessen verfolgten, aber dennoch „helle“ sind! Ich erinnere an eines meiner Lieblingsthemen, die Nicht-Aussagekraft von Noten: Die Abiturnote korreliert 0.30 (30 Prozent) mit dem IQ, die mittlere Grundschulnote .50 (heißt: ist aussagekräftiger, aber wer legt seine Grundschulzeugnisse bei?).

Mein Jobtest hat bei der Recherche nach Neurowissenschaftler ergeben:

Kein einziger für diese Absolventengruppe ausgeschriebener Job. Heißt aber nichts. Erstens: kann sich hinter. Zweitens: Ist subsummiert unter Physiker.

3. Materialwissenschaften / Werkstofftechnik

Dieser Mix aus Natur- und Ingenieurwissenschaften ist „nanonah“ und bietet sich vor allem für Praktiker an, die später nicht wissenschaftlich arbeiten möchten, aber in der Anwendung der Produktion. Wie finde ich heraus, ob ich ein Praktiker bin? Zum Beispiel in einer Beratung, bei uns dem PersAssment „klein“ und mit dem Test RIASEC. Bei Neurowissenschaften sollte eher „I“ für Investigative rauskommen.

Materialwissenschaften ist ein interdisziplinärer Studiengang, der Wissen zusammenführt. Dadurch entstehen neue Einsatzbereiche in Feldern, die für promovierte Naturwissenschaftler zu simpel sind und für Ingenieure zu unspezifisch.

Wo? Im Bachelor an vielen Unis, etwa in Kiel.

Mein Jobtest hat bei der Recherche nach Materialwissenschaften ergeben:

350 Stellenangebote bei Kimeta.de, die meisten richten sich an Materialwissenschaftler oder Verfahrenstechnikingenieure.

4. Philosophie und Wirtschaft

Mixfächer haben manchmal den Nachteil, gerade im Bachelor, dass man nichts halbes und nichts Ganzes lernt. Aber sie haben auch viele Vorteile. Und: Den Mix kann man sich bei den so genannten 2-Fach-Bachelors auch selbst machen. Gerade einen Cocktail mit Wirtschaft finde ich interessant. Und besonders schlagkräftig ist hier die Beigabe von etwas Analytischem, das die Denkfähigkeit schult und ausbildet (und ja, das passiert, siehe Neurowissenschaften!) Was fehlt Betriebswirten, die irgendwann einmal weitreichende Entscheidungen treffen müssen am meisten? Oft ist es doch das analytische Verständnis, eine logische Entscheidungsfindung mit gesamtgesellschaftlicher Perspektive. In einem solchen Mix-Studiengang lernt man einerseits die Wirtschaft  zu begreifen, andrerseits logisch und in den großen Zusammenhähnen zu denken. Eine optimale Kombination.

Mein Jobtest hat bei der Recherche nach Philosophie und Wirtschaft ergeben:

Die Kombination sucht natürlich niemand explizit, könnte aber für Berufseinsteiger, die Praktika schlau wählen (heißt: gezielt), der interessante Dreh um Lebenslauf sein, der reinen Wirtschaftswissenschaftlern fehlt.

Hierzu passt mein Buch „Am besten wirst du Arzt“, jetzt auch als E-Books sowie der Kexpa-Selbstlernkurs „Dein Studien- oder Ausbildungsziel finden“.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

Ein Kommentar

  1. Maximilian Auer 10. Dezember 2013 at 17:51 - Antwort

    Bei der Auswahl des Studiums ist es mit Sicherheit von Vorteil, sich in vorhinein damit zu beschäftigen, welche Berufe zukünftig in der Wirtschaft relevant sein werden. Dass man hier vielleicht einen etwas unkonventionellen Weg einschlagen muss, aber die späteren Jobaussichten werden den Mut und die Initiative des jeweiligen Studenten belohnen. Gerade in Bereich Neurowissenschaften werden sich zukünftig viele Wege öffnen, da vor allem Online Marketing einen ständig wachsenden Stellenwert in der Wirtschaft einnimmt.

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