Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Absagen mit Stil und ohne: „Bitte bewerben Sie sich nie mehr bei uns“

Von | 2014-02-07T21:57:40+00:00 7. Februar 2014|

Wenn Bewerber sich auf einen Job freuen, auf den sie zu 100% zu passen scheinen, ist es nicht schön, im Postfach eine Absage vorzufinden. Vor allem, wenn diese eine lieblose Mail an die „sehr geehrten Bewerber/sehr geehrte Bewerberinnen“ ist, die – vermutlich oder manchmal sichtbar durch offenes CC: – gleichzeitig an 100 andere Personen gegangen ist. „Wir haben uns für einen Kandidaten entschieden, der mit seinen Qualifikationen besser zu unseren Anforderungen passte.“ Besser?

Unsere Kunden leiten immer mal wieder Absagen an uns weiter mit dem Verweis „für Ihren Blog“ oder „für Ihre Sammlung“. Meistens sind die Absagen-Texte haarsträubend. Und ich könnte die beim Namen nennen, die dabei besonders unprofessionell agieren. Etwa die Bank, die den Bewerber bittet „von weiteren Bewerbungen Abstand zu nehmen“, da das Profil auch in Zukunft nicht passen würde. In Zukunft? Weiß das dieser Arbeitgeber? Was ist, wenn ein neuer Personalchef eine ganz andere Strategie ausgibt? Und wer hat im Zeichen der Veränderungen am Arbeitsmarkt überhaupt so eine Strategie ausgegeben? Kann man das überhaupt Strategie nennen?

stoppbewerberIch kenne den CV des betreffenden Bewerbers; er ist makellos, mit Auslandserfahrung und allem, was man sich so wünscht. Vielleicht gefiel es nicht, dass die Person nicht nur in der Finanzbranche Erfahrung gesammelt hat, sondern auch außerhalb – man wird es nie erfahren.  Möglicherweise wurde auch gar nicht richtig gelesen. Das kommt vor, erschreckend häufig. Wie beim Hamburger Konzern, der absagt, um fünf Minuten später wieder anzurufen. „Äh, war ein Versehen, der Praktikant hatte nicht genau genug hingesehen.“ Weitere Stories dieser Kategorie lesen Sie hier.

.Die Deutsche Bahn schreibt weiter:

„Bitte lassen Sie sich jetzt nicht entmutigen, sondern sich vielmehr darin bestärken, auch weiterhin aktiv z.B. auf unserem Karriereportal (…) nach alternativen Positionen zu schauen. Vielleicht ergibt sich ja zu einem späteren Zeitpunkt mit einer anderen Stelle eine neue Chance bei der DB für Sie.“

Ja, das ist einerseits freundlich und andrerseits geschickt: warmhalten. Sollte man.

Was können Personaler daraus lernen?

Lassen Sie die Texte nicht von Praktikanten schreiben. Sowohl beim Stelleninserat als auch bei der Absage lohnt sich das Invest in einen Texter. Doch es geht nicht um den Text allein, denken wir an das schon öfter thematisierte „Kampagnen-Du“. Nein, ein guter Texter sollte auf der Basis echter Informationen und wirklicher Strategie texten. Die ideale Basis ist ein Manual für die „Personal-Außenpolitik“. Ich sage bewusst „Außenpolitik“, weil das Wort Employer Branding ein Schimpfwort ist. Nirgendwo sonst wie in der Außenpolitik kommt es so stark auf Diplomatie an – bei maximaler Klarheit und in Harmonie zu den inneren Werten.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

11 Kommentare

  1. Henrik Zaborowski 7. Februar 2014 at 14:15 - Antwort

    Und leider nützt es auch nichts, wenn der Text selber vom Profi geschrieben, aber dann gedankenlos im falschen Kontext verschickt wird. Kommt auch immer wieder vor.

    • Svenja Hofert 7. Februar 2014 at 21:52 - Antwort

      so ist es. Muss halt passen, innen und außen. Viel zu tun 😉

  2. Carolin 9. Februar 2014 at 09:52 - Antwort

    Wenn es denn eine Absage gibt. Ich war vor gut 1 1/2 Jahren im Bewerbungsprozess und habe offiziell wohl immer noch einige Verfahren laufen, bei denen es nie eine Rückmeldung auf meine Bewerbung gab.

    • Jan 14. Februar 2014 at 11:52 - Antwort

      Ehrlich gesagt ist es mir lieber, gar keine Rückmeldung zu erhalten als ständig diese nichts sagenden Standardabsagen à la „Bitte betrachten Sie es nicht als Abwertung Ihrer Qualifikationen“, „Für Ihren weiteren Lebensweg wünschen wir Ihnen alles Gute“. Ich habe über 200 Bewerbungen geschrieben und jedes Mal genau diese Floskeln zu lesen bekommen. Jedesmal hat es mich aufs Neue herunter gezogen und jedes Mal ein wenig mehr, bis ich irgendwann das Bewerben endgültig aufgegeben habe. Außer dass diese Sprüche nerven, bringen sie mich kein bisschen weiter. Ich erfahre weder, woran ich gescheitert bin, noch hilft es mir, etwas zu verbessern.
      Bekomme ich keine Rückmeldung weiß ich ja auch, dass es mit der Stelle nicht geklappt hat und vielleicht habe ich dann auch schon verdrängt, dass ich mich beworben habe, so dass es mich nicht ganz so weit runter zieht.

      • Carolin 16. Februar 2014 at 17:14 - Antwort

        Hallo Jan,
        bei mir war es so, dass ich meine Bewerbungen dokumentiert/gelistet habe. Bei einigen kam ja tatsächlich nach zwei Monaten noch eine Rückmeldung.
        Ich verstehe aber auch – und da geht es mir genau wie dir – dass Absagen (gerade bei Stellen, die einen WIRKLICH angesprochen haben) weh tun. Trotzdem ist es immer eine Sache des Stils, Bewerbungen auch zu beachten.

  3. Manuela 10. Februar 2014 at 10:50 - Antwort

    Interessanter Artikel, den ich 100% unterschreiben kann. Als Bewerber in einem Bereich, in dem es weitaus mehr Suchende als Stellen gibt, braucht man schon ein sehr dickes Fell. Was mir in letzter Zeit mehrfach passiert ist: Auf Initiativbewerbungen habe ich eine Absage a la „leider passen Sie nicht auf die vakante Stelle“ bekommen. Schon schade, wenn sich Unternehmen nichtmals mehr die Mühe machen, den passenden Absagetext rauszusuchen. Ich verstehe, dass es für Unternehmen ein Aufwand ist, 300-400 Bewerbungen zu sichten, aber als Bewerber steckt man auch viel Zeit in jede Bewerbung. Etwas mehr gegenseitige Wertschätzung wäre wünschenswert!

  4. Lars Hahn 11. Februar 2014 at 10:48 - Antwort

    Wichtig für Unternehmen:
    Der abgesagte Bewerber könnte ein vergrätzter Kunde sein. Es gibt die Story von einem Autoproduzent, der deswegen sinngemäß antwortet: „Ihr Profil ist tatsächlich interessant und wir bedauern, dass wir Sie für die genannte Stelle nicht berücksichtigen können. Ihr Einverständnis vorausgesetzt behalten wir aber Ihre Unterlagen hier für mögliche spätere Stellenbesetzungen“.
    Denn merke: Auch Ingenieure, die nicht beim Hersteller arbeiten, könnten noch deren tolle Autos erwerben!

  5. Max Schneider 6. März 2014 at 19:52 - Antwort

    Ich lasse über die Antwort immer die Suchfunktion laufen. Kommt das Wort „leider“ drin vor war es (wieder mal) eine Absage. Ein Mal hatte ich große Hoffnungen geschöpft weil kein „leider“ im Text drin war. Es war ein „dennoch“. Wieder etwas dazu gelernt.

    Da aufgrund des Gleichstellungsgesetzes sowieso nie der Grund drinsteht warum man nicht genommen wurde (was wirklich Schade ist denn es würde doch sehr weiterhelfen zu wissen ob man _dieses Mal_ einfach nur Pech hatte oder ob man sowieso nie eine Chance hatte) würde auch ein einziges Wort, nämlich „leider“ (oder noch direkter: „Nein“) reichen.

    Das wäre ehrlicher als diese ganzen seelenlosen Warmhaltesätze die aich auch noch um den Bewerber als zukünftigen Kunden etc. sorgen.

  6. D. Weinelt 6. März 2014 at 23:42 - Antwort

    Ein Grund für die oft verschickten Standardtexte sind leider auch die gut gemeinten Antidiskriminierungsgesetze und die „Ethics & Compliance Polizei“. Bevor ich mich als Arbeitgeber durch ein faires Feedback arglos der Gefahr eines blockierten Einstellungsverfahrens oder gar Rechtsstreites aussetze, teile ich dem Bewerber lieber mit das ein anderer noch besser war. (Ups, da war schon die Diskriminierung: korrekt sollte es Bewerber*Innen heißen…)
    Allerdings kann man selbst das freundlich und stilvoll machen.

  7. Elocin Rezuerk 7. März 2014 at 15:22 - Antwort

    nach einschlägigen erfahrungen sind mir standardfloskeln lieber als verzweifelte versuche, einfühlsam zu sein… so oder so: man kann’s immerhin abhacken. schlimmer ist die ungewissheit: damit kann ich nur schlecht umgehen, da hilft alles wissen, dass schon nach wenigen tagen no news nie good news ist, nichts. hat jemand einen tipp, wie man die bewerbung auch ohne bescheid im wortsinne ad acta legen kann? die offene „datei“ braucht im hintergrund zu viel „arbeitsspeicher“, das dossier vom desktop verbannen reicht da nicht.

  8. […] in diesem Prozessschritt Wertschätzung zeigen? Durch eine auf ihn zugeschnittene Formulierung, die eine Absage nicht zur nächsten Worthülsenschlacht werden lässt. Noch mal zur Erinnerung: Die Candidate Experience umfasst wirklich jeden Punkt, bei dem der […]

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