Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Meine 3 Führungsprinzipien: Lass den Löwen Löwen sein

Von | 2016-01-14T19:36:42+00:00 28. Mai 2014|

Als mich Geschäftsführercoach Bernd Geropp fragte, ob ich an seiner Blogparade zu den besten drei Führungsprinzipien teilnehmen würde, sagte ich spontan zu. Zumal die bereits in meinem Blog interviewte, geschätzte Kollegin Gudrun Happich mit an Bord ist. Doch lange fehlte mir die zündende Idee. Ist ja alles gesagt worden, Reproduktion ist nicht meine Sache. Und dann war ich im Zoo, sah den Löwen, und wusste, was noch offen war.

Close-up of a Lion and Lioness roaring at each otherRespektiere den Wahnsinn

Wer Menschen führt, kann nicht ganz dicht sein. Sich 14 Stunden am Tag reinzuhängen, für andere ins Zeug zu legen, auf Familie und Freizeit zu verzichten, Bedürfnisse zurückstellen – das ist schon ziemlich verrückt. Da muss gar kein Narzissmus dazu kommen, oder Machtbesessenheit, gar Psychopathie.  Und selbst wenn: Ist es eigentlich schlimm, jenseits der Norm zu liegen? Es sind nicht die Normalen, die Größeres und Großes schaffen, es sind die Verrückten. Gerade gibt es eine Welle des Verständnisses für Introvertierte und sogar Personalberater für Asperger-Bewerber. Doch Machtverhalten und Dominanz ist in agilen Zeit und im Zeichen der Netzwerkorganisation im Moment ziemlich out (wiewohl nach wie vor erfolgsrelevant). Man will Löwen zu Schafen machen.

Eine besondere Lanze möchte ich für die Unternehmer brechen. Das sind Menschen, die noch viel häufiger als Manager in Unternehmen, deren Motiv eher die Macht ist, ein unbändiger Leistungswille antreibt. Die machen es sich nicht bequem, die kämpfen. Das macht sie mitunter nicht gerade zu pflegeleichten, friedlich grasenden Zeitgenossen. Reminder: „Nett kommt von netto und netto heißt nichts.“ Diese Unternehmer-Leader können zornig sein, bissig, getrieben. Sie können unerbittlich ihr Ziel verfolgen, mal brüllen, (zeitweise) Kommunikationsregeln in den Wund schlagen.  Aber gerade das macht sie aus.

Sei Löwe oder Schaf – und hüte die deinen

Löwen hüten keine Schafe. Anders ausgedrückt: Nicht jeder kann jede Art der Führung. Ich finde die Umerziehungslager, zu denen manche Personalentwicklungsmaßnahmen und Assessment Center mutieren, manchmal fraglich. Da werden Schafe zu Löwen, und Löwen zu Schafen gemacht. Ziel ist eine Entwicklung hin zur Mitte, Dämpfung des Alphas, Zügelung des Ehrgeizes, Optimierung am Detail („brüll nicht so!“), nicht am System. Schaut euch Jürgen Klopp an und stellt ihn euch im Assessment Center vor…. Die beobachtenden Psycholog(innen) würden ihn vermutlich aussortieren.Welche Führungskraft gefragt ist, hängt von Situation, Ebene, Branche und Kultur ab. Scheinbar komplette personelle Gegensätze können im selben Kontext auf ihre unterschiedliche Art erfolgreich sein. Es gibt im Grunde nur eine Regel: Der Löwe muss wissen, dass er ein Löwe ist. Und dass Schaf muss Schaf bleiben dürfen. Außerdem sollte man wissen, ob man gerade Schafe hüten soll oder jagen.

Sei kein Trapez, spring selber

Als Führungskraft von heute sollst du wie ein Trapez für Mitarbeiter sein: Dein Team kann sich darauf fallen lassen, und du spannst ein sicheres Netz um sie. Du sollst sie motivieren, damit sie nicht herausfallen und in Nachbars Garten springen (wo es mehr zu ernten gibt). Du selbst sollst aber nichts anderes wollen dürfen, als die Zusammenarbeit deiner Mitarbeiter ermöglichen und ihre Arbeitsfreude freisetzen, intrinsify them. Du sollst Anerkennung zollen, geduldig sein und deinen Egoismus zügeln, ein soziales Alphatier werden, ein angepasstes. Dabei täte es auch dir gut, mal auszubrechen und woanders hin zu springen. Aber bitte nicht in eine Schafherde.

Sie möchten Ihre starken Seiten kennenlernen? Dann empfehle ich mein Buch „Was sind meine Stärken“ – oder ein Führunskräftecoaching.

Svenja Hofert ist Management- und Karriereberaterin. Als Vor- und Querdenkerin beschäftigt sich vor allem mit Entwicklung und Zukunftskompetenzen. Der Schwerpunkt von Hoferts Tätigkeit liegt in der Ausbildung und im entwicklungsbezogenen Coaching von Führungskräften, Teams und Unternehmen. Hofert hat ab 2000 das Büro „Karriere und Entwicklung“ in Hamburg aufgebaut und unter anderem ein Startup-Portal etabliert, bevor sie 2015 die Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung GmbH mit Thorsten Visual gründete. Mit Teamworks arbeitet sie für große und kleinere Organisationen und bietet Ausbildungen und offene Seminare und Workshops an. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat die gebürtige Kölnerin über 30 Bücher geschrieben, darunter immer wieder Longseller und Standardwerke, die bis zu sieben Auflagen erreichten. Standen zunächst die Themen Karriere und Beruf im Mittelpunkt, erweiterte sie ihren Blick ab 2004 zu Gründung, Management und Unternehmensführung, um schließlich ab 2009 auch Organisationen, Teams und die neue Arbeitswelt in den Fokus zu nehmen. Der rote Faden blieb die Verknüpfung von betriebswirtschaftlichen, philosophischen und psychologischen Perspektiven – und ein Fokus-Thema: Die Entwicklung von Mindset. Hofert hat einen Master of Science in Wirtschaftspsychologie sowie einen Magister Artium, u.a. in Sprachwissenschaft. Ihre Unternehmen befinden sich im Zentrum der Hansestadt Hamburg in Alsternähe, sie selbst lebt im Hamburger Umland sowie in Marbella, Spanien. Buchung |