Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Ich will so werden wie ich nicht bin: Personal Change – wie geht denn das?

Von | 2014-06-25T11:15:33+00:00 23. Juni 2014|

Peter macht seinen Job seit 15 Jahren. Er meint zu wissen, was er kann und was nicht. Präsentieren etwa ist nicht so seine Sache, denkt er. Doch dann wechselt er das Unternehmen und auf einmal muss er tun, was er  für sich nie als Kompetenz gesehen hat… Und das Komische daran: Es geht! Mit jedem Mal sogar besser. Ja, man sagt ihm, er mache das richtig gut.  Das verändert sein Selbstbild. Und als Folge davon denkt er zwei Jahre später darüber nach, dass Führung ja auch eine Option sein könnte. Dabei hatte sein Coach mit ihm ausgearbeitet, dass er eine Fachkraft sei. Und Leitungsaufgaben einfach nicht passten. So kann man sich irren. Weshalb ich mit deterministischen Urteilen sehr vorsichtig bin. Ich will nun zeigen, wann und unter welchen Bedingungen „personal change“ möglich ist.

MS Office

MS Office

Verändern Sie den Rahmen

Peters Beispiel zeigt, wo und wie man in einer Karriere- und Kompetenzentwicklung sinnvollerweise ansetzen kann: Bei der Veränderung der Rahmenbedingungen. Es ist einigermaßen schwer, sich in einem gewohnten Kontext neu zu erfinden. Hier sind oft nur kleinere Schritte möglich. Das hat damit zu tun, dass Selbst- und Fremdbild fest justiert sind. So entsteht eine Wechselwirkung: eine Selbst-Fremdbild-Connection. Die anderen sehen mich, wie ich mich sehe. Ich sehe mich wie die anderen mich sehen. Je länger ein Mensch im selbst Umfeld arbeitet, desto fester passt sich das Bild dem Rahmen an. Nur Unzufriedenheit kann es jetzt noch daraus lösen.

Je länger Menschen in der gleichen Umgebung bleiben, desto fester wird ihr Rahmen, desto eingeschränkter der Radius. Das, was wir alle anstreben, Verlässlichkeit und Stabilität, kann dann zum Entwicklungsverhinderer werden. Deshalb sind es oft die Ortsveränderungen, die neuen Partner und Jobs, die größere Sprünge möglich machen. Mir fällt allerdings immer wieder auch auf, dass es Menschen gibt, die sich durch ZU häufige Wechsel auch der eigenen Persönlichkeitsentwicklung entziehen. Sobald Sie an sich arbeiten müssen, sind Sie weg. Entscheidend ist die richtige Mischung zur richtigen Zeit. Und: Entwicklungsbereitschaft. Niemand kommt als fertiges Konzept auf die Welt.

Woanders sind wir anders

Oft braucht es auch einen Stoß: Kündigungen können ein Segen sein.  Ein guter Job ist wie ein fruchtbarer Boden, der zu der jeweiligen Pflanze – dem Menschen – passt. Nicht alle gedeihen überall gleich gut. Oder auch: Aus dem Kümmerpflänzchen von einst kann woanderswo eine Prachtblüte wachsen!

Eine örtliche Veränderung kann ebenso Wunder bewirken. Woanders sind wir anders. Deshalb sind viel gereiste Menschen oft erheblich weltoffener und toleranter. Sie haben sich oft verändert und angepasst.

Sagen Sie „ich will“

Ich bin nicht so blauäugig zu denken, dass jeder alles erreichen kann. Es gibt kognitive Grenzen, Wissensbarrieren und vor allem glückliche Umstände oder der richtige Zeitpunkt. Wir halten mitunter zu wenig, aber dann auch oft zu viel für möglich. Bei Gründungen lässt sich das gut beobachten: Das sind viele anfangs allzu enthusiastisch und selbstüberzeugt rangegangen.

Nein, ich meine das „ich will“ eher als Bekenntnis zu kleineren Schritten: Abgeben, sich durchsetzen, networken. Viele Menschen sagen, dass sie X oder Y nicht können und natürlich finden sie Begründungen und Ausreden ohne Ende.

Suchen Sie sich weise Worte

Manche Worte hängen einem ein Leben lang nach, sie prägen einen – und sie führen mitunter dazu, dass man sich auf Talente konzentriert, die man vorher nicht gesehen hat. Was ganz klar ein absolut positiver Aspekt ist. „Aus dir wird einmal eine große X“ kann einen dann regelrecht durch das Leben leiten. Ich verteile motivierende Sätze auf meine bodenständig-realistische Art reichlich, vor allem an junge Leute. Ich weiß einfach, dass die, die es aufnehmen, es deshalb in sich speichern, weil es etwas berührt. Es wird in ihnen arbeiten und zu etwas führen, was weder ich noch sie derzeit absehen können. Aus demselben Grund weiß ich, dass es nicht schlimm ist,  wenn ich mich irre. Die, bei denen es nicht passt oder der Zeitpunkt nicht richtig ist, werden den Ball nicht auffangen. Wir speichern Sätze, wenn sie von einer Person mit einem bestimmten (auch subjektiv empfundenen) Status kommen – und wenn sie Emotionen auslösen. Dann wandern Sie in unser Langzeitgedächtnis. Kann sein, dass wir sie dort variieren und neu konstruieren oder gar gestalten. In jedem Fall dienen sie ihrem Zweck.

Grenzen überwinden

Die eigenen Grenzen sind oft von Glaubenssätzen eingepflockt: Das macht man nicht, so ist das eben, du bist nicht gut genug, du warst schon immer so, was soll sich ändern? Sich in einem gewohnten Rahmen zu bewegen, gibt Sicherheit. So wie ein Tier sein Revier hat, hat der Mensch seinen Handlungsbereich. Möchte er sich verändern, muss er über Grenzen gehen. Hinter der Grenze sollte er nicht in einen Nahkampf verwickelt werden, sondern braucht Erfolgserlebnisse. Das erste Mal „nein!“ gesagt, endlich einmal selbst präsentiert!

Sich verändern ist anstrengend.

Wollen wir etwas lernen, so müssen wir uns anfangs anstrengen, oft  ganz fürchterlich.  Eine neue Kompetenz zu erlernen ist eben kein Kinderspiel. Wir müssen die kontrollierten Prozesse im Gehirn wieder und wieder aktivieren, damit sie irgendwann zu automatischen werden.

Trainieren bringt es! Schauen Sie sich einmal das TedX-Video von Barbara Arrowsmith-Young an und Sie ahnen, was möglich ist! Aber es ist eben kein Zuckerschlecken, es tut manchmal weh, und kostet Kraft. Deshalb muss man es wollen – und hier schließt sich der Kreis.

Zum Thema haben wir einen neuen Selbstlernkurs „Ich will so werden wie ich nicht bin“, ideal fürs Selbstcoaching, aber auch ein gutes Tool für Coachs und Berater. Eine Reise zu neuen Möglichkeiten und Aufforderung zur Grenzüberschreitung.

Svenja Hofert ist Management- und Karriereberaterin. Mit ihren beiden Unternehmen entwickelt sie Menschen, Teams und Organisationen. Der Schwerpunkt von Hofert Tätigkeit liegt in der Ausbildung sowie im Coaching und der entwicklungsbezogenen Beratung von Führungskräften, Teams und Unternehmen. Hofert hat ab 2000 das Büro „Karriere und Entwicklung“ in Hamburg aufgebaut und unter anderem ein Startup-Portal etabliert, bevor sie 2015 die Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung GmbH mit Thorsten Visual gründete. Hofert lebt in der Nähe von Hamburg und etwa ein Drittel des Jahres in Marbella, Spanien. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat die gebürtige Kölnerin über 30 Bücher geschrieben, darunter immer wieder Longseller und Standardwerke, die bis zu acht Auflagen erreichten. Standen zunächst die Themen Karriere und Beruf im Mittelpunkt, erweiterte sie ihren Blick ab 2004 zu Gründung, Management und Unternehmensführung, um schließlich ab 2009 auch Teams und die neue Arbeitswelt in den Fokus zu nehmen. Der rote Faden blieb die Verknüpfung von betriebswirtschaftlichen, philosophischen und psychologischen Perspektiven – und ein Fokus-Thema: Die Entwicklung von Menschen, Gruppen, Organisationen. Buchung |

2 Kommentare

  1. Winfried Schmidt 24. Juni 2014 at 18:16 - Antwort

    Interessanter Beitrag! Gerade wollte ich über den Link auf den Selbstlernkurs gehen, das funktioniert allerdings leider nicht. Gibt es noch einen anderen Weg?
    Schönen Gruß: Winfried Schmidt

Hinterlasse einen Kommentar