Computer sind unsere Freunde, Roboter nette Helfer. Der Mensch ist dem Computer überlegen. Diese Haltung herrscht nach wie vor das Meinungs- und Stimmungsbild. Doch wir irren uns.

50% aller Jobs gehen weg, und es kommen keine neuen

roboterFotolia_67388879_XS_copyrightJeremy Bowles von der London School of Econonics lässt gerade ganz Europa mit einer Analyse aufschreien, in der er berechnet, wie viele Jobs durch die Digitalisierung wegfallen werden (hier sein Artikel) Denn Bowles prognostiziert nichts anderes als den totalen Arbeitsplatzverlust. Rund 50 Prozent aller Arbeitsplätze gehen in den west- und nordeuropäischen Gesellschaften aufgrund der Digitalisierung bis 2050 verloren, prognostiziert der Wissenschaftler, in Südeuropa noch mehr als im fortschrittlicheren Norden. Und in Deutschland mehr als etwa in Großbritannien, die frühzeitig auf Dienstleistungen, speziell Finanzen, gesetzt haben und nun das Programmieren verpflichtend in Grund- und Mittelschule machen werden. Und wir, wir hier, sind immer noch unentschlossen. Könnte es sein, dass die Fachkräftelücke falsch berechnet ist? Dass es nicht stimmt, was alle sagen, dass nämlich neue Jobs entstehen, die den Verlust der alten kompensieren. Sind die langen Listen der Jobs mit Zukunft Produktionen optimistischer Visionäre?

Roboter sind doch die besseren Menschen

Und das ist überhaupt die Frage: Gibt es nicht doch mehr Argumente für Roboter und Maschinen als für den Menschen? Könnte manche Branche disruptiven Erdbeben erliegen, die wir bisher gar nicht gesehen haben? Was mit dem Bäckereihandwerk passierte, seine Überführung in ein Hightech-Labor, haben auch Experten erst ex post gesehen, so schnell ging das. Die WELT, die Bowles Studie aufgriff, nennt als Beispiel das Taxigewerbe. In meiner Fantasie sehe ich eine leere Schule, die Lehrer überflüssig macht, weil Kinder ja auch digital von zuhause unterrichtet werden können – von einem Lehrer, der wo auch immer in Asia Pacific automatisch gemeldet bekommt, ob alle Weltschüler auch da sind. Dass wir dann nur noch Englisch brauchen, ist ein Randaspekt. Ich sehe freies Lernen und überflüssige Universitäten, da alles Wissen ohnehin nur noch on demand gebraucht wird und Zertifikate schon in dem Moment veralten, wo man sie erwirbt.

Den Kopf kann man nachprogrammieren

Der Mensch sei kreativer als Computer. Immer wieder wird das als Argument zitiert. Gegenbeweise zitieren Karl Benedikt Frey und Michael Osborne in ihrer von Bowles u.a. als Grundlage genutzten Studie „the future of computerization. how susciable are Jobs to computerization?“ in Form von langen Computercodes. Menschen können Querdenken lernen, warum nicht auch Computer? Es könnte sogar sein, dass Roboter bessere Ideen produzieren, da sie viel unabhängiger sind. Der Mensch will immer dazugehören. Dem Computer kann es wurscht sein. Bis er irgendwann auch noch Gefühle bekommt. E.T. lässt grüßen. Sicher, mit der individuellen, künstlerischen Schöpfungskraft mag sich Mr. Roboter noch eine Weile schwertun. Ein Roboter wird so einen Text derzeit noch nicht schreiben können. Aber die Operationen, die meinen Kopf lenken, kann er auch lernen: Greife Themen auf, drehe sie anders, flexe sie lebensnah, finde Verbindungen. Eigentlich nur vier grobe Denkrichtungen.

Roboter kennen keinen Bias

Der Kopf ist begrenzt. Auch Entscheidungen werden Roboter irgendwann besser treffen können. Wir haben gegenüber der Maschine einen entscheidenden Nachteil: Kognitive Biasses schränken unsere Entscheidungskompetenz erheblich ein. Ob Investmentbanker oder Personaler: Unser Gehirn schafft es nicht, logisch-algorhitmisch zu denken. So buchen wir Gewinne und Verluste auf unterschiedliche mentale Konten anstatt sie zusammenzurechnen, unterliegen dem Halo-Effekt oder gehen der Verfügbarkeitsheuristik auf den Leim. Düstere Szenarien? Ich glaube weder den Pessimisten noch den Optimisten: Es wird das eine UND das andere geben und kein entweder-oder. Nur wenige werden die mentale Stärke und dauernde Veränderungsbereitschaft haben, das Beste aus all dem zu machen und immer wieder Chancen zu ergreifen. Viele werden auf der Strecke bleiben – so die, für die Technik und dauernde Veränderung eine Belastung darstellt, das sind nicht wenige. Aber wenn die Computer das Ruder übernehmen, brauchen wir Menschen, die sie steuern. Deshalb ist Großbritannien an diesem Punkt deutlich schlauer als wir. Im Englisch-Abitur wird bei uns immer noch Shakespeare geprüft. Ist das wirklich das, was wir lernen sollten? Lehrer gehen berufliche Wege fernab der Wirtschaft? Ist das wirklich sinnvoll? Das Waldsterben kam nicht, der Klimawandel ist da. Prognosen sind labil – weil sie von Menschen kommen. Aber den Computern überlassen sollte man sie auch nicht.

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karriereratgeber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich „Karriere & Entwicklung“ für Outplacement und Karrierecoaching. 2004 gründete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karriereexpertenakademie dazu: verschiedene Weiterbildungen zur Professionalisierung der Methoden und Vorgehensweisen im Karrierecoaching.