MS Office

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Welche Unternehmen handeln sozial und ökologisch verantwortlich? Wer nimmt Rücksicht auf die Ressourcen dieser Welt und handelt mit Weitblick? Wer verzichtet auf Kinderarbeit und auf Bestechung? Diese Frage stellen sich vor allem Bewerber, die böse Zungen als Idealisten bezeichnen würden. Menschen, die Hess Natur tragen und Demeter auf der Stirn tragen. Doch so einfach kategorisierbar sind Bewerber heute nicht mehr. Eine neue Generation will nicht mehr alles akzeptieren, was Arbeitgeber ihnen vorsetzen. Frage ich jüngere Leute, so sagt mindestens jeder zweite, dass er/sie nicht für ein Unternehmen arbeiten würde, dass die Umwelt schädigt. Je mehr sich der Arbeitsmarkt hin zu einem Bewerbermarkt wandelt, desto mehr wird es Bewerber geben, die Arbeitgeber abstrafen, die sich egoistisch und mit Blick auf den kurzfristigen Shareholdervalue an den Ressourcen der Menschheit vergreifen. Doch wie finden Menschen, denen ökologische und soziale Nachhaltigkeit wichtig ist, passende Unternehmen, die ihren Vorstellungen von sinnvollem Wirtschaften entsprechen? Eine kleine Reise.

Erste Station: Recruiting- und Karrierewebseiten

Recruiting- und Karrierewebseiten sind meist schlechte Anlaufstellen. Dort geschieht, was geschehen muss, wenn man Marketing nach der old school macht (und das betreiben dann immer noch die meisten): Es wird hervorgehoben, was hervorgehoben werden soll und verschwiegen, was negativ ankommen könnte. Die einen machen das besser, die anderen schlechter. Über das, was ist, über die Fundamentalwerte eines Unternehmens, sagt das alles wenig. Ich habe tolle Webauftritte gesehen und dahinter stand ein unprofessionelles Unternehmen.

Ein Anhaltspunkt: Die Quellen der Unternehmen? Manche Unternehmen berufen sich auf den Global Compact der United Nations.  Hier wird vor allem auf Dialog und Projekte gesetzt. Man vernetzt und engagiert sich. Das ist schon mal was.

Zweite Station: Die Medien

Mit „grün“ lässt sich viel Aufmerksamkeit gewinnen. Oft ist es reines „Greenwashing“ oder „Generation-Y-Sensemaking“, also eine schlichte Employer-Branding-Maßnahme mit nichts Konkretem dahinter. Und wenn man nicht gerade „kik“ heißt, ist es auch einigermaßen schwer für Journalisten entsprechende Pressemeldungen zu hinterfragen. Vielleicht gehet man bei offiziellen Maßnahmen deshalb lieber auf Nummer sicher: So krönte die Bundesregierung die Unternehmen Tchibo und Hipp mit dem CSR-Preis, deren Engagement durchaus nachweislich ist.

Dritte Station: Zertifizierungen

Es existieren derzeit verschiedene Zertifizierungs- und Ratingansätze. Die meisten beruhen auf einem freiwilligen Ansatz. Das heißt, die Unternehmen können sich zertifizieren lassen, müssen aber nicht. Eines der weicheren Systeme ist das so genannte Wertemanagement WMS nach Josef Wieland. Hier wird der ethische Zustand des Unternehmens erfasst. Ziel ist diesen laufend, also prozessural zu verbessern. Unternehmen müssen einen Fragebogen ausfüllen; das alles ist freiwillig. Nach der SA 8000 zertifizierte Unternehmen müssen schon etwas mehr auf den Tisch legen: Unter anderem versichern sie, dass sie auch für die „Sauberkeit“ in der Lieferkette ihrer Subunternehmer gerade stehen. Außerdem haben sie sich verpflichtet, einen Lohn zu zahlen, der die Existenz sichert, auch in dritte Welt-Ländern. So hat sich unter anderem Tchibo hat sich den Regeln dieser Norm verpflichtet. Nicht alle sind so engagiert: Was von großen Marken zu halten ist, kann man auch hier bei Aktiv gegen Kinderarbeit nachlesen.  (Randbemerkung: Natürlich lässt sich trefflich streiten, ob Kinderarbeit nicht auch den Menschen in den Ländern nützt und ethische Antworten auf diese Fragen sind nicht einfach, weshalb ich denke, dass Wirtschaftsethiker in der globalen Welt Zukunft haben.) Unternehmen, die sich nach der AVE der Außenhandelsvereinigung zertifiziert sind, können die oben genannten beiden Faktoren – existenzsichernder Lohn und Verantwortung für die Supply Chain – ausklammern. Eine Übersicht über die verschiedenen Standards finden Sie hier bei der Bertelsmann Stiftung. Den klarsten Anhaltspunkt für eine ethisch weiße Weste liefert das Rating der unabhängigen Agentur Oekom. Sie vergeben Noten von A+(Sehr gut) bis D- (miserabel) – und zwar ohne Unternehmensauftrag. Das heißt, es wird ungefragt geprüft. Dem Rating liegt ein komplexes Bewertungsschema zugrunde, zum Beispiel sind Unternehmen in verschiedene Klassen eingeteilt, die darauf beruhen, wie sehr sie die Umwelt beeinflussen. Naturgemäß hat ein Automobilhersteller mehr natürliche Negativpunkte als eine Bank, wobei auch diese die Umwelt beeinflusst, etwa indem sie Umweltsündern Kredite gibt oder nicht. Will man als Bewerber also wirklich harte Fakten, so scheint mir kein Weg an der Oekom vorbeizugehen. Ich richte gerade meine Anlagestrategie danach aus und stelle mir ein eigenes Portfolio auf Basis hier gut bewerteter Unternehmen zusammen. In Deutschland bekommen etwa Linde ein B sowie die deutsche Telekom und Adidas. A+ konnte bisher keine deutsche Firma erreichen. Allerdings: Die Datenbank ist nicht offen für jeden zugängig.

Für „gute“ Unternehmen zu arbeiten, gibt sicher mehr Sinn als für Umweltsünde. Dennoch gebe ich zu bedenken, dass soziale und ökologische Verantwortlichkeit wenig über das Klima aussagen, das in einem Unternehmen herrscht. Unternehmerischer Erfolg und nachhaltiges Handeln stehen aber sehr wohl in einem Zusammenhang, sagt Oekom. Unternehmerischer Erfolg wird von guten Mitarbeitern getragen. Was wenn die erfolgreichsten Unternehmen demnächst die mit dem größsten Nachhaltigkeitsbemühen sind?

In meinem Buch „Karriere mit System“, das am 10.9. erscheint stelle ich Worklifestyles vor, einer der von heißt Better World. Er erfasst Menschen, denen genau der oben beschriebene Sinn wichtig ist.