Da sitzt jemand mit Pokerface, der Sie einschüchtert? Sie fühlen sich psychologisch durchleuchtet und wie auf der Couch? Personaler sind durch unterschiedliche Schulungen und Ausbildungswege, teils auch durch Küchenpsychologie verschieden geprägt.

Unser Schnelldurchlauf durch die Welt der Personaler:

Das Pokerface

Man making crazy gesture over white backgroundDas Pokerface ist ein Profi, der es übertreibt. Derzeit lernen Personaler dem Bewerber nicht zu spiegeln, ob sie eine Antwort gut oder schlecht fanden. Manche übertreiben das und schauen eiskalt drein. Dadurch versuchen sie die Bewerber zu verunsichern, was meist bestens gelingt. Die Küchenpsychologie dahinter: Wer nicht weiß, was der andere denkt und fühlt, zeigt sich authentischer. Das ist nur bedingt stimmig: Unsichere Menschen sind so tatsächlich leichter aus dem Konzept zu bringen, doch sind diese dadurch nicht automatisch ungeeignet für den Job. Wie verhalten? Wenn es extrem wird, ruhig ansprechen: „Ich finde die Atmosphäre hier etwas kalt. Wie ist es denn in den Büros?“ Hier helfen de Tipps zum umgekehrten Vorstellungsgespräch in meinem Buch.

Der nette Onkel

Um Menschen zum Reden zu kriegen, ist das Pokerface kontraproduktiv. Wer lächelt, bekommt mehr Infos, denn der Bewerber fühlt sich wohl und erzählt… Kurze Fragen, Reden lassen – so macht es der Profi. Ähnlich wie ein Coach.  Der Personaler scheint überall zuzustimmen. Da redet man doch gleich viel freier! Genau das ist die Falle: Natürlich bildet sich der Personaler eine Meinung, aber wenn er gut ist, wird der Bewerber in keiner Weise spüren, welche. Deshalb haben viele Bewerber so ein gutes Gefühl nach Vorstellungsgesprächen – und wundern sich über Absagen. Wie verhalten? Nicht in falscher Sicherheit wiegen. Nur weil jemand lächelt, stimmt er nicht zu.

Der Tiefenbohrer

Sie (oder er) fragt ganz genau nach, auch Privates. Das geht unter die Haut, wenn jemand unvorbereitet auf die Frage „was hat Sie familiär am meisten geprägt“ etwas sagen soll. Und dann diese Kleinteiligkeit mit der auch in der tiefsten Vergangenheit gebohrt wird. Da fühlt man sich doch gleich wie auf der Couch. Aber so richtig ausweichen kann man auch nicht. Hier kommt der Interviewstil nach Prof. Sarges zum Tragen. Sarges ist Autor des Buchs „Management-Diagnostik“. Und klar, mit diesem Stil bohrt man eher Führungskräfte auf. Wie verhalten? Grenzen setzen, wenn es zu weit geht. Entscheiden Sie, ob es den Personaler etwa angeht, wie lange Sie im letzten Jahr krankt gemeldet waren. Um ein Beispiel aus dem Fragenkatalog zu nennen. Bei Grnezüberschreitung: „Das gehört aus meiner Sicht nicht hier hin.“

Der Analytiker

Hier fragt der Personaler sehr systematisch und strukturiert. Es wird nach Eigenschaften, Verhalten und der Biografie gefragt. Das Verhalten wird auch mit zukunftsgerichteten Fragen erschlossen, wobei Situationen geschildert werden und der Bewerber sagen soll, wie er vorgehen würde. Fragt ein Personaler so, ist er möglicherweise im multimodalen Interview geschult. Das ist ein Interviewstil nach Schuler. Multimodal heißt das Interview, weil die drei Bereiche der Eignungsdiagnostik Eigenschaften, Verhalten und Ergebnisse berücksichtigt werden. Das Interview hat acht Phasen und wird auf Unternehmen und Zielgruppe hin konzipiert. Wie verhalten? Mitmachen. Das multimodale Interview hat eine sehr gute Prognosekraft.

Die Labertasche

Der Personaler hört sich selbst gern reden und im Grunde kommen Sie kaum zu Wort. Dieser Gesprächsstil findet nach wie vor statt – und ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Weiterbildung in diesem Unternehmen keine Rolle spielt. Bestenfalls werden Fragen aus dem Personalhandbuch zitiert wie die berühmte nach den Stärken und Schwächen. Wie verhalten: Auf die Zähne beißen und überlegen, ob das Ihr Unternehmen ist. Möglicherweise können Sie hier aber auch gute Basisarbeit leisten, z. B. in der Personalabteilung.

Der Lückensucher

Ich war der Meinung, dass dieser Typ ausgestorben ist, doch belehrt mich ein aktuelles Projekt eines Besseren. Meine Klienten begegnen dauern dem Lückensucher, der auch nach einer einmonatigen Arbeitslosigkeit forscht als wäre diese ein Kapitalverbrechen. Ist im Lebenslauf irgendetwas nicht dokumentiert, fliegt der Bewerber sowieso raus. Wie verhalten? Brav antworten, zum Beispiel: „Wie lange haben Sie denn nach Ihrem letzten Job gesucht?“