Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Hauptsache, flexibel: Die neue Lust am freien Arbeiten

Von | 2014-11-13T09:34:19+00:00 13. November 2014|

Widdewiddewitt, ich mach mir meine Welt so wie sie mir gefällt. Mittags einfach zum Sport? Morgens anfangen, wann es passt? Kreativ sein am Sonntag und Montags zuhause? Flexibel arbeiten – wo, wann und wie man will: Das wollen offensichtlich viele Menschen. Von den rund 300 Personen, die im Oktober ihren Worklifestyle ermittelt haben, ist das 19,43% sehr wichtig („stimme voll zu“) und 36,04% immerhin noch wichtig („stimme weitgehend zu“). Nur für 15,03% ist dieser Punkt wenig oder gar nicht relevant. Nun steht zu vermuten, dass unter den Testern meines neuen Angebots viele Berater, Trainer, Coachs sind, also Selbstständige. Aber so viele waren es dann offensichtlich doch nicht: Mit etwa 13% entspricht der Selbstständigenschnitt in unserer Auswertung annähernd dem vom Statistischen Bundesamt angegebenem Wert von 12%. Die potenzielle Bereitschaft, selbstständig zu arbeiten, auch als Angestellter – etwa in der Rolles eines Intrapreneurs -, scheint jedoch höher zu sein.

19selbstständigDer Frage „Ich arbeite gern selbstständig. Auch als Freelancer oder Unternehmer“ stimmen immerhin 19,79% sehr zu, nur 4,59% lehnen das gänzlich ab. Ich könnte mir vorstellen, dass unter den Zustimmern auch viele sind, die sich gut selbst organisieren können und die Struktur eines Unternehmens dazu nicht notwendig brauchen. Dazu passt, dass diejenigen, die den Flexibilitätsfragen zustimmen, die „Sicherheitsfragen“ (conventional style) offenbar verhaltener ankreuzen. Die genauen Korrelationen muss ich mir allerdings noch mal ausrechnen lassen.

Flexi-Style dominiert

Auswertung der Worklifestyles im Oktober

Auswertung der Worklifestyles im Oktober

Rechnet man alle Flexibilitätsfragen zusammen und bündelt sie in den Styles, so dominiert im Oktober der Flexi-Style deutlich – den Bericht eines Flexis, von Karriereexperte Dr. Bernd Slaghuis lesen Sie hier. Flexi-Angestellte bevorzugen vermutlich Arbeitskonstellationen, in denen sie die freie zeitliche Wahl haben. Dies ist derzeit vor allem in Startups der Fall. Die Hamburger Mopo berichtete kürzlich über die Werbeagentur Elbdudler, bei der maximale Flexibilität herrsche. Neben dem Gehalt darf man auch die Urlaubstage selbst bestimmen. Ob sich diese Flexibilität aber tatsächlich in Freiheit und Freizeit auszahlt, ist bei PR-getriebenen Bekenntnissen oft unklar. Manchmal lässt sich bei den Arbeitnehmerkommentaren bei Kununu ablesen, dass sich Freiheit auch leicht in Mehrarbeit, Stress und Druck umwandeln kann.

Bei den Konzernen ist Microsoft Vorreiter in Sachen Flexibilität bezogen auf die Arbeitszeit. Das Unternehmen bietet als erstes eine echte Vertrauensarbeitszeit und ermöglicht seinen Mitarbeitern, zu arbeiten wo sie wollen. „Nach außen leben, was man nach innen verspricht“ – so lautet der Titel eines Interviews mit Dr. Elke Frank im Blog von Astrid Braun-Höller, hier zu lesen.

Macht Flexi leistungsfähiger?

In Studien kam heraus, dass Flexibilität die Produktivität nur geringfügig erhöht. Allerdings stammen diese Ergebnisse aus sehr alte Studien aus den 1980er Jahren. In unserer Zeit, in der es mehr auf Kreativität ankommt denn je, könnte es anders aussehen. So ist Kreativität kaum innerhalb eines bestimmten Zeitfensters abrufbar oder in Stunden übersetzbar. Eine Idee kommt nicht pünktlich um 9 Uhr, sondern manchmal eben auch abends und am Wochenende. Und weil es immer mehr auf Ideen ankommt, kann es sein, dass Flexibilität heute vielleicht doch produktiver macht…

Svenja Hofert ist Management- und Karriereberaterin. Als Vor- und Querdenkerin beschäftigt sich vor allem mit Entwicklung und Zukunftskompetenzen. Der Schwerpunkt von Hoferts Tätigkeit liegt in der Ausbildung und im entwicklungsbezogenen Coaching von Führungskräften, Teams und Unternehmen. Hofert hat ab 2000 das Büro „Karriere und Entwicklung“ in Hamburg aufgebaut und unter anderem ein Startup-Portal etabliert, bevor sie 2015 die Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung GmbH mit Thorsten Visual gründete. Mit Teamworks arbeitet sie für große und kleinere Organisationen und bietet Ausbildungen und offene Seminare und Workshops an. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat die gebürtige Kölnerin über 30 Bücher geschrieben, darunter immer wieder Longseller und Standardwerke, die bis zu sieben Auflagen erreichten. Standen zunächst die Themen Karriere und Beruf im Mittelpunkt, erweiterte sie ihren Blick ab 2004 zu Gründung, Management und Unternehmensführung, um schließlich ab 2009 auch Organisationen, Teams und die neue Arbeitswelt in den Fokus zu nehmen. Der rote Faden blieb die Verknüpfung von betriebswirtschaftlichen, philosophischen und psychologischen Perspektiven – und ein Fokus-Thema: Die Entwicklung von Mindset. Hofert hat einen Master of Science in Wirtschaftspsychologie sowie einen Magister Artium, u.a. in Sprachwissenschaft. Ihre Unternehmen befinden sich im Zentrum der Hansestadt Hamburg in Alsternähe, sie selbst lebt im Hamburger Umland sowie in Marbella, Spanien. Buchung |

Ein Kommentar

  1. Maren 19. November 2014 at 18:46 - Antwort

    Es gibt sicherlich einige Menschen, die das nicht können. Die eine klare Strukturvorgabe brauchen.
    Für alle anderen wäre solch eine Art zu arbeiten, meiner Meinung nach, absolut genial. Vor allem Mütter hätten so die Chance besser wieder in den Beruf zurück zu finden.

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