Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

So bleiben Sie in guter Erinnerung: 3 Anforderungen an eine gute Beratung

Von | 2015-02-11T23:28:28+00:00 9. Februar 2015|

Frau stellt die weiche ihres Lebens„Dieser Frau habe ich es zu verdanken, dass ich heute bin, wo ich bin.“ Das sagt ein erfahrener Geschäftsmann, der einmal sehr an sich selbst zweifelte und an einem Wendepunkt seines Lebens zu einer Beraterin gegangen ist. Von da an wurde alles anders. In seinen Augen. Natürlich hat er sich diese Geschichte auch zurechtgelegt, selbstverständlich steigt in der Rückwärtsbetrachtung oft die Bedeutung von etwas, der Hindsight bias. Und ohne Frage ist der Mensch es, der „es geschafft“ hat, seine Persönlichkeit, seine Potenziale – und niemals der Berater. Und doch sind diese erst freigesetzt worden, als er dort saß, in dem Büro dieser Frau. Es sind Coachs, die für manche Aha-Effekte sorgen. Aber es sind Berater, an die man sich noch lange erinnert. Weil sie Weichen polieren, die eigentlich schon gestellt sind. Weil sie Dinge sagen, die in diesem Moment genau richtig sind und das Signal zum Rüberfahren des Zuges geben. Weil sie klar sind, mit dem was sie fühlen, sehen und sagen. „Auf diesem Weg bist du falsch, geh diesen.“ So etwas auszusprechen, verlangt Einschätzungsvermögen und Reife. Und Mut. Dann aber liegt eine große Chance in einer Form der Beratung, die sich an keine streng systemisch-konstruktivistischen Coaching-Regeln hält. Suchte man Grundlagen für diese Form der Beratung, würde man sie finden bei Carl Rogers aktivem Zuhören, Ruth Cohns „Störungen haben Vorrang“, in der Transaktionsanalyse und ein wenig noch an Schultz von Thun.…

3 Anforderungen an eine gute Beratung:

1. Der Berater darf Mut machen. Aber: Er muss seine Motivation am richtigen Punkt ansetzen. Nicht jeder kann zu jedem Zeitpunkt alles erreichen. Menschen haben ihre eigenen Ressourcen (und Bremsen). So kann kein Berater der Welt Leute auf Wege schicken, die sie nicht begehen können. Deshalb kann eine wirksame Beratung nur bei den Möglichkeiten der Person ansetzen. Wenn ich jemanden sage „ich bin sicher, das Unternehmertum ist genau das richtige für Sie“, wird das nur derjenige annehmen, der auf diese Bestätigung wartet und aus seinem eigenen Kontext heraus annehmen will. Denn in diesem Kontext verwandelt sich Feedback in Ressourcen. Es ist am Ende nicht möglich zu sehen, ob solche neuen Ressourcen nur entstehen, weil schon die Grundlage da war. Oder ob sie diese erst geschaffen haben. Und eigentlich ist das auch gar nicht wichtig. Die Kunst des Beraters ist zu erkennen, an welchem Punkt sein Gegenüber steht und was seine Ressourcen sind – um die Motivation dort zu platzieren, wo sie den maximalen Nutzen bringt.

2. Der Berater darf Empfehlungen geben. Aber nie von der Stange.

Manche Berater geben Empfehlungen, ohne die Voraussetzungen zu haben, Empfehlungen geben zu können. Geht Susi zu einem Berufsberater, der ihr sagt, mit ihrer 3,0 im Abi kann sie nur eine Lehre machen und sich das erträumte Jurastudium abschminken, hier bitte seien die Adressen mit offenen Lehrstellen, so ist das zwar eine Beratung, aber eine schlechte. Denn diese Empfehlung ist Bullshit. Ein guter Berater schaut sich ganz genau an, was jemand will und was seinem Klienten möglich ist. Er kennt das Zusammenspiel von Motivationen, Interessen und Fähigkeiten; er weiß, welche Rolle Prägungen der Familie spielen – und er sucht nach Lösungen für den entsprechenden Menschen.

3. Der Berater muss differenzieren. Beratung ist nicht Belehrung.

Man macht das so oder so und nicht so. Man trägt hellblau, verzichtet auf den Bart und auf Lücken und Lebenslauf. Eine Vielzahl von Beratern neigt zur Generalisierung. Deshalb sind auch viele Bewerbungsberater, die wie Superstars auf Messen gehandelt werden, in meinen Augen keine guten Berater. Sie sagen so oder so müsse man etwas machen und man dürfe zum Beispiel keine Lücken haben, dann sei man raus. Sie spielen mit der Angst und brechen ihre eigene Weltsicht über die Massen und Mengen. Und das ist für mich eine Verletzung einer weiteren Grundregel guter Beratung: Die eigene Weltsicht muss vollkommen irrelevant sein für die Empfehlungen. Beratung ist keine Belehrung.

Die wichtigsten Coaching-Basics für Berater erscheinen diese Woche als Selbstlernkurs bei Kexpa®. Sie möchten vorbestellen? Schreiben Sie uns eine Mail an info@kexpa.de.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

3 Kommentare

  1. Lukas 10. Februar 2015 at 18:42 - Antwort

    Danke für diesen interessanten Artikel. Solche Berater wünscht man sich!

    Viele Grüße, Lukas

  2. Markus Oberender 13. Februar 2015 at 07:11 - Antwort

    Das mit dem individuellen Eingehen auf den Kunden ist schon richtig. So würde ich mir meinen Berater auch wünschen. Wenn ich mich schon von einem Menschen beraten lasse, dann erwarte ich keine „Lösungen von der Stange“ wie aus einer Software oder einem Buch. Ich sehe da nur ein Problem: Wie stellen sie sicher, dass Ihre Beratung qualitativ gut ist? Bei einer sehr individuellen Beratung lässt sich deren Qualität doch objektiv kaum überprüfen und inhaltlich begründen. Deswegen arbeiten z. B. Psychotherapeuten mit Therapien, die inhaltlich vorgegeben und offiziell anerkannt sind und wissenschaftlich überprüft wurden. Wegen der Qualitätssicherung ist dann natürlich nicht so viel Raum, für sehr individuelle Lösungen.

    • Svenja Hofert 13. Februar 2015 at 10:46 - Antwort

      Qualitätssicherung halte ich für schwierig bis unmöglich, denn was will man sichern? Evaluierungen zielen auf „Gefallen“, wenn Wirkung erfragt wird, muss diese sehr klar definiert sein. Und niemand wird wissen, wie ein Fall ohne diese Beratung verlaufen wäre (dazu müsste man Vergleichsgruppen bilden und bräuchte ein experimentelles Längsschnittdesign). Alle Versuche, z.B. Coaching in Qualitätsnormen zu pressen, sind bisher gescheitert. LG Svenja Hofert

Hinterlasse einen Kommentar