Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Frauennetzwerke: 5 Tipps, damit sie funktionieren und keine Gender-Falle werden

Von | 2016-06-06T21:29:49+00:00 13. Mai 2016|

Melanie möchte Karriere machen. Es zieht sie ins Ausland. Sie will Beziehungen aufbauen, Spuren hinterlassen. Von ihrem Frauennetzwerk im Konzern erhofft sie sich Unterstützung. Sie will sich dort engagieren und glaubt, dass das auch „oben“ gesehen und goutiert wird. Als sie das ihrem Chef sagt, lacht der laut auf. „Karriere kannst du vergessen, wenn du dich da engagierst“, lästert er.

Eine wahre Geschichte über Frauenförderung und die Illusion, dass formelle Netzwerke, Frauenkarrieren fördern würden. Dabei sind Frauen- oder vielmehr Gendernetzwerke  das wohl häufigste Instrument im Unternehmen, wenn es um Gleichstellungsmaßnahmen geht. Sie gehören zum festen Inventar des Personalwesens. Viele Konzerne betreiben sie auch deshalb gern, weil sie günstig und schnell einzurichten sind. Der Schuss geht dabei aber schnell nach hinten los.

Veronika Hucke (Website hier) hat jahrelang die Funktion D&I (Diversity and Inclusion) in einem weltweit agierenden Konzern verantwortet. Jetzt hat sie mit einer amerikanischen Kollegin gemeinsam eine Studie veröffentlicht. An der globalen Untersuchung „Frauennetzwerke aus neuer Perspektive“ nahmen zwischen August und November 2015 insgesamt über 1700 Befragte (92 % Frauen) aus 58 Ländern teil, die sich in Netzwerken engagieren, diese leiten oder qua Funktion unterstützen. Dabei ging es um interne, also unternehmenseigene und externe, also unternehmensunabhängige Netzwerke.

Das Ergebnis der Studie über Frauennetzwerke erschüttert

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Frauennetzwerke oft nicht funktionieren. Die meisten erfüllen Erwartungen nicht mal ansatzweise. Teilweise wirken sie sogar kontraproduktiv, denn die ineffizienten Netzwerke erschüttern das Vertrauen der Frauen in ihren Arbeitgeber.  Die damit verbundene Enttäuschung wirkt sich negativ auf die Mitarbeiterbindung aus und sorgt gemeinsam mit den vielen Stunden, die ins Netzwerk statt in die Karriere investiert werden, schließlich dafür, dass Netzwerke den Aufstieg von Frauen behindern statt befördern können.

So replizieren viele Netzwerke die Automatismen, die sie eigentlich beenden wollen: Statt in Projekte zu drängen, die eine hohe Sichtbarkeit bieten und die Karriere unterstützen, opfern sich viele Frauen in Netzwerken auf, die dem großen Ganzen dienen, die Kultur verändern und den Weg für künftige Generationen ebnen sollen. Ihre Arbeit wird weder gesehen noch anerkannt und findet im Schwerpunkt unbezahlt und in der Freizeit statt.

Allerdings scheint diese selbstlose Haltung ein Auslaufmodell zu sein. Rund Dreiviertel der befragten Mitglieder der Gen Y –  Geburtsjahre 1977 bis 1994 – sehen reine Frauennetzwerke als „ein Ding der Vergangenheit“. Ob das am Ende auch das Aus für das klassische Frauennetzwerk bedeutet, bleibt abzuwarten. Es könnte schließlich sein, dass den Wunsch nach einem reinen Frauenzirkel Alter und Erfahrung der Frauen mitprägen… Schließlich verlaufen Frauenkarrieren bis zur Familienpause oft parallel zur Männerkarriere, entwickelt sich der Gender Pay Gap erst mit dem ersten und zweiten Kind richtig deutlich. Und da sind viele Frauen der Gn Y noch nicht.

So machen Sie Karriere trotz Frauennetzwerk – 5 Tipps:

  1. Schauen Sie auf die konkrete Strategie Ihres Unternehmensnetzwerks. Ist es Teil eines schlüssigen Konzepts? Arbeitet es produktiv und karrierebezogen? Oder ist das Netzwerk eine unproduktive Lästerrunde oder ein Austausch über Beauty-Themen? Wer mehr Frauen in Führungspositionen haben will, sollte wissen wie er sie dahin bekommt. Und nicht darauf hoffen, dass es ein Frauennetzwerk komplett von selbst läuft.
  2. Begeben Sie sich als Frau bewusst auch unter Männer, auch die höherer Hierarchieebenen. Wie wäre es so: Austausch im Frauennetzwerk finden, Männerstrategien lernen und dann durchmarschieren in die Männerdomänen!
  3. Suchen Sie Kontakt nach oben. Verbünden Sie sich dabei mit denen, die „kommen werden“, das sind meist jene Manager, die vom alt eingesessenen Inventar noch etwas schräg angesehen werden. Ihre Supporter und Wegbereiter sind auch gute Ansprechpartner. Aber bloß nicht mit denen vernetzen, zu denen man hinter vorgehaltener Hand sagt „den müssen wir noch halten, aber sobald…“
  4. Üben Sie sich im Nicht-Sagen: Selbst Nicht-Alphatiere unter den Männern beherrschen Machtgesten wie raumgreifendes Gehen, Abwenden, Abstand halten, Abbruch von Blickkontakt. Lernen Sie davon! Wie Machtgesten funktionieren, kann man auch gut bei Politiker-Frauen beobachten, etwa Angela Merkel und Ursula von der Leyen. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.
  5. Das heißt auch: Schluss mit zu viel Reden und Argumentieren. Das ist schön und gut, aber noch wichtiger sind die richtigen Gesten an der passenden Stelle: Fenster schließen, öffnen oder etwas laut hinstellen. Einfach aufstehen, ohne ein Wort gehen. Eine verbale Geste ist die Schrotflintenargumentation – Argumente abfeuern.
Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

Ein Kommentar

  1. Veronika Hucke 17. Mai 2016 at 18:32 - Antwort

    Hallo Frau Hofert,

    freut mich, dass Sie unsere Untersuchung interessant finden. Und herzlichen Dank für die praktischen Tipps! Die gebe ich doch gerne weiter 😉

    Einen schönen Abend

    Veronika Hucke

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