Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

5 Funktionen eines Studiums in postindustriellen Zeiten

Von | 2017-08-07T08:56:12+00:00 7. August 2017|

 

Was studieren? Viele stellen sich diese Frage gerade aktuell. Sie ist jedoch nicht sinnvoll zu beantworten, wenn man die Frage „wozu studieren“ nicht vorher stellt. Für die Erststudienwahl ist das am Ende entscheidender. Wozu studiere ich? Welche Funktion oder welche Funktionen soll mein Studium erfüllen? Ich stelle Ihnen die 5 Funktionen eines Studiums vor – und keine davon ist der Berufseinstieg, um schnell Geld zu verdienen.

Funktion 1: Bildung

Bildung ist ein weites Feld. Es kann Geistesbildung sein. Oder auch Allgemeinbildung. Fachliche Bildung. Methodische. Theorie und Praxis. Theorie oder Praxis. Welche Art von Bildung brauchen wir in der Digitalisierung? Wissen lässt sich überall nachlesen. An Hochschulen vermitteltes Wissen strukturiert, ordnet, priorisiert. Was ist derzeit aktueller Stand der Wissenschaft? Was muss man lesen? Aber reicht das aus? Auch dieser Prozess wird möglicherweise bald automatisiert  sein – und ist aktuell eine der wesentlichen Leistungen von Fernstudiengängen.

Aber braucht es nicht mehr? Schöpferische Leistung zum Beispiel? Wissensaufnahme kann nicht die Art der Bildung sein, die wir brauchen. ´Bildung muss Denkschemen verändern, den Horizont weiten. Deshalb ist die Art der Auseinandersetzung mit Wissen und dessen Neuorganisation und Veränderung die wahre Bildung unserer Zeit.

Neben der Geistesbildung. Deshalb bin ich ein Fan von Bildungsstudiengängen wie „Liberal Arts“, das es in Deutschland derzeit nur in Freiburg gibt. Dieser klassische Bildungsstudiengang aus dem angloamerikanischen Raum bildet für keinen Beruf aus, ist aber ein gutes Fundament. Auch Mix-Studiengänge fördern interdisziplinäres Denken. Vor allem wenn sie die Persönlichkeitsentwicklung fördern. Das führt mich zu Funktion 2.

Funktion 2: Persönlichkeitsentwicklung

In den letzten Jahren habe ich meine Haltung zu Privatstudiengängen revidiert. Ich war mal der Ansicht, dass die zunehmende Zahl an Privatunis die Bildungsungerechtigkeit fördern, und denke das immer noch. Aber ich kann die Augen nicht davor verschließen, dass Wettbewerb viele negative (z.B. die nachfragegerechte Installation von Studiengängen, die die Welt nicht braucht), aber auch positive Seiten hat (dito). Manche – wenige! – Privatuniversitäten fördern die persönliche Reife sehr viel mehr als manche staatliche Uni. Hier kommt die Ich-Entwicklung ins Spiel: Je mehr die Umgebung Menschen dazu auffordert, wirklich eigene Wertmaßstäbe zu entwickeln, desto eher werden diese Menschen in ihrem Berufsleben etwas bewirken, das nicht der Anpassung an vorhandene Systeme geschuldet ist. Sie werden schöpferischer sein, nach Sinn suchen, sich nicht abfinden mit Zuständen wie sie sind. Das halte ich in dieser Zeit des Umbruchs für extrem wichtig. Sucht nach Institutionen, die freies Denken und den Widerspruch fördern, die gute Noten dafür geben, dass jemand eine eigene Position einnehmen können! Womit wir zur 3. Funktion kommen.

Funktion 3: Selbstfindung

Wer nach dem Abitur ins Leben entlassen wird, hat in der Regel noch kein Gespür dafür, wer er ist und was ihn oder sie ausmacht. Die sozialen „Beschriftungen“ kleben fest, eigene Bedürfnisse werden darunter versteckt. Viele machen das, was andere machen, und manche bleiben Jahrzehnte und das ganze Leben auf dem Pfad sozialer Anpassung. Einige folgen den Eltern, anderen den Freunden. Nur sehr wenige machen das, was sie selbst wirklich wollen. Das eigene Wollen und Können zu erkennen ist auch schwierig, wurde uns in der Schule das freie, experimentelle Kind- und Man-selbst-Sein doch gründlich ausgetrieben. Ein scheinbar unnützes (weil nicht berufskompatibles) Studium oder auch eine Zeit des Nichtstuns, im Ausland sein, Jobbens, kann helfen, sich selbst und seine Stärken zu entdecken.

Funktion 4: Soziale Identifikation und Rollenfindung

Die Menschen, denen man im Studium begegnet, begleiten einen oft auch später noch durchs Leben. Sie prägen, bilden einen wichtigen Teil des Netzwerks, werden zu Orientierungs- und Vergleichsgrößen. Sie sind die anderen Fische im eigenen Teich. Es ist wichtig für das Selbstbild eine positive Rolle zu finden. Das ist als „großer“ Fisch leichter als als kleiner. Wenn ich also gute Leistungen innerhalb meines Fischteichs erbringen kann, ist dies Selbstbild-dienlicher als wenn mich die anderen Fische auffressen. Aus diesem Grund rate ich immer dazu, sich ein passendes Umfeld zu suchen – und dabei auch die Persönlichkeit zu berücksichtigen. Wer kein Lerntyp ist, wird in einem Studiengang oder einer Uni die den Fokus auf Wissenswiedergabe legt, weniger gut abschneiden. Das spricht auch dagegen, sich aus Vernunftgründen für vermeintlich zukunftsträchtige Studiengänge einzuschreiben, für die man gar kein entsprechendes Potenzial mitbringt.

Funktion 5: Digitalisierungs-Tauglichkeit

Die Arbeitswelt ändert sich gewaltig. In den Unternehmen dreht sich immer mehr um Zusammenarbeit und Kooperation. Teams übernehmen dabei Managementaufgaben. Englisch ist normale Arbeitssprache, interkulturelle Begegnungen gehören dazu. Immer mehr kommen vier Schichten der Karriereentwicklung zum Tragen:

  • Fachkenntnisse (was?),
  • Methodenkenntnisse (wie?),
  • Selbst- und Fremdkenntnis (wer?)
  • und interdisziplinäres Know-how (was noch?).

Ein Studium kann auf allen diesen Schichten aufsetzen, um sich die anderen von da ausgehend zu erschließen. Der klassische Weg lautet zwar über Fachkenntnisse zu beginnen, jedoch sehe ich mehr und mehr, dass alle Wege funktionieren können.  Kommunikationsorientierte Tätigkeiten nehmen zu, sind aber kaum ohne Prozess- und Fachkenntnisse zu denken. Laterale Führung ist dabei das Thema der Zukunft, wenn Unternehmen nicht mehr in klassischen Abteilungsdenken verhaftet sind, sondern in Kreisen, die sich weitgehend oder ganz selbst organisieren.

Ungefähr 35,4 Bücher geschrieben, einige Bestseller und Standardwerke, 5002 Kunden ist untertrieben, ein halbes Leben Coaching Beratung, Ausbildung nicht. Viele Menschen weitergebracht, Neues entwickelt. Analytisch, äußerst intuitiv, hohe Komplexitätsakzeptanz; bei aller Menschenliebe mit Blick fürs Unternehmerische, für Talente, Visionen, Strategien. Einige nennen mich visionär, querdenkerisch, andere pragmatisch und bodenständig. Am Ende gilt beides? Biografie | Unternehmen

Ein Kommentar

  1. Lars Hahn 7. August 2017 at 09:32 - Antwort

    5 mal ja. Das passt.

    Allerdings fehlt mir die wichtigste Komponente, die gerade Geisteswissenschaftler in der Jobsuche verwenden können:

    6. Strukturierte Auseinandersetzung mit Content
    Wenn Du prüfst, wo Akademiker Fähigkeiten haben, die andere nicht haben, dann sind das oft die Kompetenzen zur Erschließung, Verarbeitung und Darstellung von komplexen Themen. Wenn sie es dann noch schaffen, diese Themen vereinfacht wiederzugeben, sind sie die geborenen Redakteure, Kommunikatoren, Trainer etc.

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