Kolumnen zu Karriere, Führung und Entwicklung

Wie Sie familiäre Muster im Job erkennen, auflösen und innerlich frei werden

Von | 2018-04-16T12:50:39+00:00 15. April 2018|

Im Berufsleben bildet sich ab, was sich im Familiensystem zeigt. Wie ist das bei Ihnen? Welchem der folgenden Sätze würden Sie eher zustimmen?

  • „Ich hatte immer gute Chefs. Sie haben meine Potenziale erkannt und mich gefördert.“
  • „Ich bin immer an narzisstischen Selbstdarstellern gescheitert, die mich kleingehalten haben.“
  • „ich habe immer alles gegeben, mehr als hundert Prozent, aber gewürdigt hat es von meinen Vorgesetzten keiner.“

Ihre Antwort könnte auf eine familiäre Konstellation hinweisen. Oft ist einem das nicht bewusst. Auch Führungskräfte nehmen gern die Positionen ein, die sie aus ihrem Familienkontext kennen. Immer wieder faszinierend finde ich dabei, wie sich in allen Managementteams fast automatisch eine eher väterliche und eine eher mütterliche Rolle ausbildet. Alleininhaber suchen unbewusst fast immer ein Gegengewicht zu ihrer Persönlichkeit, eine Art „Beta“, das Interaktionsbrücken zur Belegschaft schlagen kann.

Schauen Sie tiefer hinter die sich dabei ergebenden Verhaltens- und Beziehungsmuster

Schauen Sie tiefer hinter die sich dabei ergebenden Verhaltens- und Beziehungsmuster, entdecken Sie höchstwahrscheinlich etwas, das Ihnen aus der Familie bekannt ist. Sei es, dass Sie ein Familienmitglied unbewusst kopieren oder sei es, dass Sie in eine familiär unbesetzte eine Lücke springen, von der man sich – wenn nicht wertschätzende Anerkennung – so doch immerhin ablehnende Aufmerksamkeit erhofft (was bei näherer Betrachtung im Ergebnis dasselbe ist).

Oft tun Sie das unreflektiert und an soziale Ketten gelegt. Es steuern und lenken Emotionen, Wünsche und Vorstellungen aus dem Familienkontext. Viele, die nach „was sind meine Stärken?“ fahnden, suchen in Wahrheit nach dem, was unter jener Schicht liegt, die die Sozialisierung ihnen aufgespielt hat.

Fragen Sie sich einmal:

  • Was war das Ziel Ihrer Erziehung?
  • Was sollte Bildung bei Ihnen erreichen?
  • Wie steuert sie das heute in ihren eigenen Handlungen?

Blicken Sie dabei nicht auf das Ausgesprochene, sondern auf die implizit vermittelten Botschaften.

Menschen erlernen ihre eigene Hilflosigkeit

Menschen, die nie zur Freiheit erzogen worden sind, bewegen sich auch dann noch im „Käfig“, wenn sie freigelassen werden. Ich beobachte das beispielsweise bei ehemaligen Bank-Mitarbeitern, die mit einer positiven Brille betrachtet nach 20 Jahren plötzlich alle beruflichen Möglichkeiten hätten, sich aber wie vom Blitz gerührt erst mal gar nicht mehr bewegen (und nur das Negative sehen).

Der Begründer der positiven Psychologie Martin Seligmann nennt das „erlernte Hilflosigkeit“. Er hat in den 1960er Jahren Experimente mit Hunden durchgeführt, die zeigten, dass jene Hunde, die niemals einen Schalter für die Öffnung ihres Käfigs kennengelernt hatten, sich auch dann nicht in Freiheit begaben, wenn sie bei offener Tür gequält wurden. Jene jedoch, denen ein solcher Schalter bekannt war, verließen ihr Gefängnis durch dessen Betätigung, wenn sie Pein erwarteten.

Wir bemerken unser Gefängnis nicht

So erlebe ich es oft auch bei Klienten. Viele sind sich ihres Gefängnisses gar nicht bewusst. Und die, die sich als gefangen sehen, etwa im Goldenen Käfig einer gut bezahlten, aber nicht erfüllenden Arbeit, können sich trotz dieses Wissens nicht befreien. Sie bleiben, ertragen Pein und Sinnlosigkeit. Auch wenn sie tausendfach Alternativen reflektieren – der Schritt hinaus scheint unmöglich.

Ein Großteil solch unfreier Mitarbeiter formt die Belegschaft von Konzernen und Unternehmen mit einer negativen und durch Blick auf Defizite geformten Kultur. Es sind darunter einige Unternehmen, die„agil“ werden wollen. Viele merken gerade, dass Methode ohne Mindset mehr Ungemach erzeugt als beseitigt. Manche ahnen schon, dass ein „Skillset“ für Agilität nicht aufgespielt werden kann – und dass die Sache wohl tiefer geht.

Es entsteht ein großes Delta zwischen Ist und Soll – und ein scheinbar unauflösbarer Widerspruch. Die Sicherheit eines Unternehmens erspart Mitarbeitern persönliches Wachstum! In der Komfortzone findet kaum Veränderung statt, erst recht keine Persönlichkeitsentwicklung.

Persönlichkeitsentwicklung ist emergent

Nun ist Persönlichkeitsentwicklung auch nicht mal so eben gemacht. Es reicht nicht, Herzen auszuteilen und „tschaka“ zu rufen. Die Sache ist so komplex, wie die Welt nun mal ist, Persönlichkeitsentwicklung am Ende auch irgendwo emergent, es bestimmt der Zufall, wann sie stattfindet.  Man weiß nicht genau, was sie auslöst. Ein Buch zur rechten Zeit, eine Begegnung am passenden Ort, ein Coaching, die richtigen Fragen, aber auch ein Trauma, das man sich und anderen gern erspart hätte, einerseits – alles kann unser Denken fundamental in Bewegung setzen und transformieren. Das alles ist sehr individuell, persönlich – und passt nun gar nicht in die Konzepte von Personalentwicklung mit Standardisierungsanspruch.

Eins ist aber klar: Bevor wir durchstarten, müssen wir überhaupt startfähig sein. Wir müssen aufgetankt sein, einen inneren Kern haben, eine voll entwickelte, reife Persönlichkeit sein. Ein Gewissen haben, das es uns ermöglich ebenso „ja“ wie „nein“ zu etwas zu sagen, das uns spüren lässt, welche Position und Haltung wir zu etwas beziehen können und wollen.

Nur wenn wir frei sind zu entscheiden, werden wir krankmachende Umfelder verlassen. Nur wenn wir in der Lage sind, die Prägungen der Eltern, Ahnen und des Umfeldes zu erkennen, könnten wir sie annehmen und das abstreifen, das nicht zu uns gehört.

Freiheit braucht einen Rückwärtsgang

Martin Seligmann nutzt die Formel PERMA, um zu verdeutlichen, was einen Menschen frei und glücklich macht:

  • Positive emotion,
  • Engagement and flow,
  • Relationsships,
  • Meaning and purpose,
  • Achievement and accomplishment

Doch um dahin zukommen, ist oft eine biografische Klärung nötig, die Reflexion der Frage „warum wurde ich wie ich bin?“ Als Kinder ziehen wir uns die Emotionen unserer Eltern an als wären sie eine zweite Haut. Mit immer mehr Worten, finden wir dann immer mehr Möglichkeiten, diese anders und altersgerecht zu erklären. Es bleiben aber „fremde“ Emotionen. Wir lernen Facetten kennen: erst Trauer, dann Wut. All das ist eng an die sprachliche Entwicklung gekoppelt. Wenn wir nicht aufpassen, führt uns diese weg von uns selbst, wir werden roboterähnlich, weil wir das Außen zu unserem Innern gemacht haben. Ich will es mal etwas provokant ausdrücken: Der SUV erspart uns die Begegnung mit uns selbst.

Wir werden Roboterähnlich, weil wir das Außen zu unserem Innern gemacht haben

Wenn wir von zuhause wenig positive Emotionen kennen, wenn wir nie Sinn kennengelernt haben und immer nur getan, was andere von uns wollten, dann können wir kaum freie Entscheidungen treffen. Es Ost schön und befreiend, einen inneren Kern zu entwickeln, den wir deutlich spüren und der lebendig und wachsend in uns ist. Es ist befreiend, eine Innenperspektive einnehmen zu können und zu spüren, was unsere eigenen Gefühle sind. Nur dadurch ist es möglich, erst Grenzen zu sehen und dann zu ziehen.

Ich bin oft überrascht, wenn ich erlebe, wie wenig gerade bestausgebildete Menschen bei sich selbst sind. Sie können das eigene, ihren Kern gar nicht spüren. Sie laufen etwas hinterher, das im Außen ist und nicht im Innen. Manche und das ist schlimm, haben gar kein Innen. Viel wird über das Schulsystem diskutiert, aber dass dieses auch die Aufgabe haben könnte, emotionale Reife zu fördern, das sieht derzeit (fast) niemand.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Garten

Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären ein Garten, lautet eine Aufgabe, die Martin Seligmann seinen Studenten stellt. Wie sähe ihr Garten aus? Was wächst darin? Ich möchte hinzufügen: Was ist ihre Eigenes und keine Blaupause der Gärtnereien anderer?

In der aufkommenden Arbeitswelt 4.0 gibt es Einiges, das in diese befreiende, selbstkenntnisfördernde Richtung geht. In Fuckup-Nights feiern wir das Scheitern. Wir wenden unsere Blicke immer mehr auf das Experimentieren. In der agilen Welt werden Menschen zu Vorbildern, die nicht mehr brav Konzepte schrubben, sondern einfach machen und loslegen. Sinnsucher und Sinnfinder werden Vorvild, Sinn damit zum Massenthema. Doch nicht jeder kann emotional folgen.

Wir haben keine gleichen Voraussetzungen, aber die gleichen Möglichkeiten, unsere Wahrnehmung zu verändern

Ausgeblendet wird die Gefühlswelt, geformt durch die emotionale Geschichte der Menschen, geprägt durch Herkunft, verfestigt durch Muster. Immer noch gehen wir von gleichen Voraussetzungen aus, die alle hätten. Wir können unsere Gedanken steuern, unsere Aufmerksamkeit lenken, ja. Dafür müssen wir aber erst einmal bei uns angekommen sein, unseren Kern spüren, eigene Grenzen um uns ziehen, uns von der Umwelt auch abgrenzen können.

So schlimm Traumata sind, so unbestritten ist das, was wir „posttraumatisches Glück“ nennen. Wer ein Trauma überwindet, ist danach „mehr“ als vorher. Er hat Grenzen gezogen, sich gespürt und fremde Gefühle „ausgemistet“. Man könnte annehmen, dass der Sinn des Lebens auch darin liegt, vollständig zu werden, um als solches Teil des großen Ganzen sein und mit ihm zu wachsen.

In unseren Familien liegen die tiefsten Traumata begründet und sie verändern ihre Erscheinungsform mit den Generationen und den diese beherrschenden Themen. In jeder Familie gibt es sie – Geld, Mord, Liebe, Verlust, Tod, Verfolgung, Ausgrenzung -; sie bündeln sich meist auf seltsame Weise. Die Themen wandeln sich, aber die Emotionalität bleibt und entwickelt sich aus elterlichen Vorstellungen, auch wenn man sich von diesen scheinbar abgrenzt und genau gegenteilige Richtungen sucht und annimmt.

Der Leistungs- und Sinnethos hat den Fleiß- und Sicherheitsethos abgelöst

Der frühere Fleiß- und Sicherheitsethos hat sich in einen Leistungs- und Sinnethos gewandelt. Die Freiheit ist also nur eine scheinbare. Wenn Leistung und Sinn gesellschaftliche Zwänge werden, wie zuvor eben Fleiß und Sicherheit, haben wir nichts gewonnen.

Was tun? Wir müssen unsere eigenen Grenzen entdecken und spüren. Das Business Coaching als Hilfe zur Selbsthilfe bei der Zielerreichung stößt an Grenzen, wenn Menschen keinen inneren Kern haben, sondern eine wabernde Masse aus Außeneinflüssen sind. Im Konstrukt der Ich-Entwicklung nach Jane Loevinger sind Menschen in Phasen vor einer E6 – oder solche, die Aspekte von E6 noch nicht voll ausgebildet haben – nicht voll entwickelt. Sie haben noch kein echtes, eigenes Gewissen. Sie folgen anderen, Menschen, Wissen, Regeln, Recht – aber nicht sich selbst.

Schauen wir auf die Zahlen, so ist dies die Mehrzahl der erwachsenen Bevölkerung, ca. 60%. Unsere Gesellschaft hat das so gefördert, das Bildungssystem zielt in großen Teil nicht auf den mündigen Bürger, sondern die angepasste Produktivkraft. Mit anderem Blick, durch die Brille der Digitalisierung, müssten wir umdenken und Entwicklung viel mehr fördern.

Das Schwierige daran ist, dass einem selbst die eigene Entwicklungsphase kaum zugänglich ist. Man sieht nicht, was anders und mehr sein könnte, da man ja in der eigenen Realität lebt. Die Welt ist in sich stimmig. Man glaubt eigene Vorstellungen zu haben, doch in Wahrheit hat man ein „Außenbild“ angenommen. Nur wer verschiedene Phasen eigener Entwicklung bewusst erlebt hat, kann sie rückblickend reflektieren und erkennen, was danach anders war. Wer diese Sprünge nicht gemacht hat, findet Erklärungen für die Richtigkeit seiner Welt.

Die Entwicklungsphase von Menschen ist auch für Außenstehende alles andere als leicht zu erkennen, da sie von Eloquenz und Bildung überlagert sein kann. Es gibt bloß ein paar Indizien. Die Frage „wer bin ich wirklich?“ wird in einer früheren Phase höchstwahrscheinlich wenig facettenreich beantwortet werden, und wenn doch so scheint sie auswendig gelernt. Auch die eigenen Grundannahmen können kaum reflektiert werden, ohne dass gleich eine innere Verteidigungshaltung entsteht.

Wer ist für Reife verantwortlich?

Der eigene Garten wird schöner und voller mit mehr Reife. Ich habe einige Antworten von Studenten auf die Seligmann-Frage gelesen. Viele „Gärten“ waren verbaut von familiären Misthaufen.

Die Beschäftigung mit frühen Emotionen und Prägungen, mit dem Familiensystem und den Umweltereignissen, die uns prägten, ist somit essentiell, um zu reifen und damit zum eigenen Kern zu kommen, ihn das erste Mal wahrzunehmen und die Schönheit des eigenen Gartens zu erkennen. Es macht Menschen stärker, gesünder, glücklicher.

Ist unser Bildungssystem dafür verantwortlich? Um mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen? Ich meine ja.  Am Umgang mit Prägung und Traumatisierung wird sich zum Beispiel auch unsere Integrationsfähigkeit mehr zeigen als an Verbot oder Erlaubnis eines Kopftuches.

Sind Firmen für Entwicklung verantwortlich?  Sie kommen gar nicht Drumherum. Wenn wir lernfreudige, reife Persönlichkeiten wollen, erhalten wir sie nicht, indem wir Lernen als neues Dogma ausrufen. Wir bekommen sie, in dem wir Haltung fördern, freies Denken und die eigene Wahrnehmung schärfen. Mittel dazu sind Diskurs und Reflexion sowie Selbsterfahrungen aller Art, solange sie nicht mit der Unreife von Menschen Schindluder treiben.

Reflexionsfragen für Sie

Ich möchte Ihnen zum Abschluss ein paar Fragen stellen, die Ihnen vielleicht helfen, etwas tiefer in sich hinein zu spüren:

  • Reflektieren Sie die Einstellung Ihrer Familie zu Beruf und Erfolg: Was hat das mit Ihnen zu tun? Was tut Ihnen an dieser Haltung gut, was nicht?
  • Schauen Sie auf Ihre persönliche Job-Geschichte: Welche Muster zeigen sich da in den Konstellationen Chef-Mitarbeiter?
  • Blicken Sie auf die für Sie unangenehmen Situationen: Welche Muster zeigen sich in Konflikten? Was kam immer wieder?
  • Identifizieren Sie Ihr „Flucht-Muster“: Wann verlassen Sie Job, Beziehungen oder steigen aus Situationen aus? Was davon tut Ihnen gut, was könnten Sie auch einmal anders machen?
  • Welche Rolle nehmen Sie als Führungskraft automatisch ein? Und, fast noch wichtiger: Welche nicht?
  • Wie ist Ihre Position in Gruppen, ob Gruppe die Bereichsleiter, der Geschäftsführer oder im Kollegenkreis? Wenn Sie das mal mit Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielfiguren aufstellen, was erkennen Sie da? Und was hat es mit ihrer Familie zu tun? Welche andere Position wünschen Sie sich? Was macht der Gedanke mit Ihnen? Welchen Handlungsimpuls löst er aus?

Beitragsbild: ®Brian Jackson – Fotolia.com

Svenja Hofert ist Management- und Karriereberaterin. Mit ihren beiden Unternehmen entwickelt sie Menschen, Teams und Organisationen. Der Schwerpunkt von Hofert Tätigkeit liegt in der Ausbildung sowie im Coaching und der entwicklungsbezogenen Beratung von Führungskräften, Teams und Unternehmen. Hofert hat ab 2000 das Büro „Karriere und Entwicklung“ in Hamburg aufgebaut und unter anderem ein Startup-Portal etabliert, bevor sie 2015 die Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung GmbH mit Thorsten Visual gründete. Hofert lebt in der Nähe von Hamburg und etwa ein Drittel des Jahres in Marbella, Spanien. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat die gebürtige Kölnerin über 30 Bücher geschrieben, darunter immer wieder Longseller und Standardwerke, die bis zu acht Auflagen erreichten. Standen zunächst die Themen Karriere und Beruf im Mittelpunkt, erweiterte sie ihren Blick ab 2004 zu Gründung, Management und Unternehmensführung, um schließlich ab 2009 auch Teams und die neue Arbeitswelt in den Fokus zu nehmen. Der rote Faden blieb die Verknüpfung von betriebswirtschaftlichen, philosophischen und psychologischen Perspektiven – und ein Fokus-Thema: Die Entwicklung von Menschen, Gruppen, Organisationen. Buchung |

3 Kommentare

  1. Inge Schumacher 15. April 2018 at 17:15 - Antwort

    Ein tolles Thema Frau Hofert!
    Und so wahr. Ich beschäftige mich schon lange mit Persönlichkeitsentwicklung und lebe meine Berufung. Trotzdem hatte ich vor zwei Jahren ein AHA-Erlebnis, das mir zeigte, wie sehr auch ich mich noch selbst begrenze. Diese Erkenntnis hatte zur Folge, dass ich mittem im Februar mit meinem Mann ein Picknick an der Ostsee gemacht habe unter dem Motto: Nieder mit den inneren Begrenzungen!

    Die Grenzen, die wir nicht wahrnehmen, sind die schlimmsten, das haben Sie sehr schön verdeutlicht. Ich trainiere mich seither darauf diese Grenzen, die vielleicht einmal sinnvoll waren wahrzunehmen und abzubauen. Ich denke, dass Persönlichkeitsentwicklung dazu unabdingbar ist und natürlich auch, aber nicht ausschließlich, in Unternehmen unterstützt werden muss.

  2. Susanne Rieger 18. April 2018 at 15:57 - Antwort

    Hallo liebe Frau Hofert,

    Sie sprechen in dem Artikel ein wichtiges Thema an. Vielen herzlichen Dank.

    Ich kann Ihnen nur zustimmen. Das Gefängnis, das wir aufgrund unserer Erziehung und unserer Umgebung mit uns herumschleppen, können wir oft wirklich nicht leicht verlassen. Bei der Erziehung wird gerne mit Emotionen gearbeitet, mit Angst, mit Strafe – und auch mit Belohnung. Und wie Sie im Beitrag schreiben, leben wir in einer Kultur, in der viel mit Angst gearbeitet wird.

    Das Problem dabei ist, dass das, was wir über unangenehme Emotionen wie Angst lernen sich tief in unser Gehirn, in unser emotionales Gehirn einbrennt, auf das wir über unseren Verstand keinen Zugang haben. In der neuesten Gehirnforschung geht man davon aus, dass wir zwei Weltbilder haben. Eines, auf das wir über den Verstand Zugriff haben und eines, auf das wir nicht über den Verstand zugreifen können, das über unsere Emotionen entstanden ist. Lange ging man davon aus, dass das, was so tief im emotionalen Gehirn verankert ist, nicht mehr geändert werden kann. Doch die neueste Gehirnforschung hat herausgefunden, wie das im emotionalen Gehirn Gespeicherte geändert werden kann und Methoden entwickelt, mit deren Hilfe das, was so tief über Synapsen in unser Gehirn gebrannt ist, geändert werden kann. Eine gute Sache. Ich bin froh, dass wir heute die Möglichkeit haben.

    Damit wir von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen können, müssen wir für das Problem als solches natürlich erst einmal sensibilisiert werden und das Problem erkennen.

    Ich selbst bin lange davon ausgegangen, dass mein Weltbild das Weltbild aller Menschen ist… bis mir durch das Lesen von Louise Hays Buch „Gesundheit für Körper und Seele“ gedämmert ist, dass ich die Welt auch anders sehen kann, dass ich das Weltbild praktisch von meinem Elternhaus und von der Umgebung, in der ich aufgewachsen bin, geerbt hatte…. Und seitdem arbeite ich an mir und meiner Persönlichkeit.

    Zwischendrin war ich verzweifelt und fragte mich, warum ich keine größeren Fortschritte mit meiner Persönlichkeitsarbeit erziele, obwohl ich das Ganze im Prinzip verstanden hatte. Dank des Konzepts der zwei Weltbilder, mit denen wir laut neuester Gehirnforschung leben, wurde mir klar, dass das Verstehen alleine nicht reicht. Das über Emotionen geprägte Weltbild kann ich so nicht erreichen. Das zu verstehen war hilfreich. Seitdem mache ich mir keine Vorwürfe nach dem Motto „Ja bist du den blöd. Du siehst wo das Problem liegt, und trotzdem gelingt es dir nicht, das Problem zu lösen. Machst immer wieder dieselben Fehler“ mehr. – Ich habe verstanden, dass das aufgrund der Arbeitsweise unseres Gehirns so ist, und bin froh, dass die neuste Gehirnforschung das erforscht und sogar Abhilfe, wie z.B. mit der Kohärenztherapie oder Focusing, bietet.

    Und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass unsere Gesellschaft die Wichtigkeit dieses Themas erkennt, dass es in den Schulen und in den Unternehmen ankommt.

    Herzlichst,

    Susanne Rieger

  3. Philipp Apke 20. April 2018 at 12:26 - Antwort

    „Der Leistungs- und Sinnethos hat den Fleiß- und Sicherheitsethos abgelöst“ – besser kann kann man die derzeitige Entwicklung in der Berufs- und Karriereorientierung nicht beschreiben. Danke für dieses tolle Statement!

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