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Transformation: Was bei Veränderungen im Gehirn passiert und wie Sie einen Mindshift anstoßen

By |2019-03-02T15:05:28+02:002. März 2019|

Wie oft haben Sie sich im Leben neu erfunden? Ich meine wirklich neu erfunden? Was Madonna oder Lady Gaga gelegentlich tun, ist für mich keine Neuerfindung. Diese Ladies wechseln öfter mal den Inhalt, nicht aber die Struktur. Die fundamentalen Annahmen bleiben bestehen. So ist es oft, auch bei organisationalen und persönlichen Veränderungen.

Change bringt nur neue Worte

Individueller oder organisationaler „Change“ ist oft lediglich eine Uminterpretation des Bestehenden. Er bringt neue Begriffe, aber Verhalten und kulturelle Orientierung bleiben gleich. Deswegen spreche ich lieber von Transformation als von Change. Transformation beinhaltet für mich, dass das Bisherige neu interpretiert wird und etwas dazukommt, das „mehr“ ist als das vorherige. Wenn wir unser Gehirn besser verstehen, schafft das einen Zugang zum Verständnis von Veränderungen, und zwar gleich, auf welcher Ebene sie stattfindet.

Der Schmetterling ist die Möglichkeit zu Werden

Das Bild vom Schmetterling kennen wir alle. Dieses Bild trifft es gut: Aus der Raupe wird ein Schmetterling. Die Raupe war vorher schon da, der Schmetterling war als Möglichkeit in ihr angelegt. In uns allen sind unendliche Möglichkeiten angelegt. Viele lassen wir verkümmern, auch weil wir sie gar nicht als Möglichkeit erkennen. Dabei steht uns im Weg, dass wir gar nicht wissen, was in unserem Gehirn passiert. Wir verwechseln ihn mit einem Computer: Wir denken, wir sind wie wir sind. Leider wird dies im Unterricht, in den Medien und vielen Büchern auch immer noch so vermittelt. Dabei kann allein der Glaube daran, dass in uns ein Schmetterling steckt, buchstäblich Berge versetzen. Es lohnt sich also an diesem Glauben zu arbeiten – und ein Zugang dazu ist das Verständnis von dem, was in unserem wunderbaren Gehirn passiert.

Es beginnt mit der Anerkennung von Unterschieden

Immer noch gehen wir vom homo rationalis aus. Wir glauben, der Mensch funktioniere wie ein Computer und brauche nur gelegentliche Updates. Das war der Grundgedanke für mein Buch „Mindshift“. Ein Shift bedeutet, wir müssen das Vorhandene „höherstellen“, auf ein anderes Niveau bringen, strukturell neu denken, nicht inhaltlich. Das meine ich mit Neuerfindung.

Dazu gehört die Anerkennung von Unterschieden der kognitiven Leistungsfähigkeit – und zwar nicht, um diese festzustellen, wie es etwa ein IQ-Test tut, sondern um diese von dort ausgehend – der Feststellung also – individuell zu entwickeln. Wenn wir den Gedanken an Gleichheit aufgeben und gleichzeitig anerkennen, wie unglaublich trainierbar unser Gehirn ist, dann werden wir mit den unterschiedlichen Voraussetzungen auch auf gesellschaftlicher Ebene anders umgehen können. Das scheint mir ein großes Tabu-Thema zu sein, wie aktuelle Diskussionen zeigen. Der Gleichheitsgedanke hemmt unsere Entwicklung.

Wir leben Plastizität auf zwei unterschiedliche Weisen

Unterschiede zwischen Menschen liegen auch entscheidend darin, wie sie die Plastizität des Gehirns leben. In welcher Weise nutzen Menschen die Chancen, die dieses trainierbare, flexible Organ uns bietet? Wie sehen sie auf dieses Organ, das sich so fundamental von einem Computer unterscheidet? Carol Dweck unterscheidet das fixed und das growth mindset. Aus meiner Sicht interpretieren diese beiden Sichtweisen auch die Plastizität auf unterschiedliche Weise. Das fixed mindset befährt immer dieselben Straßen im Gehirn und rollt diese wie ein Bagger mit festen Spuren aus. So entstehen Betonstraßen im Kopf. Das growth mindset erkundet immer neue Wege und entdeckt auch stets Neues. So entstehen Flexibel-Wege und –Pfade.

Stimulierende Umgebungen suchen

Was macht Menschen aus, die geistig rege sind und ein growth mindset haben? Ein wesentliches Kennzeichen: Sie verlassen die eingefahrenen Straßen und suchen stimulierende Umgebungen. Sie wollen lernen. Sie lesen, hören, sehen, riechen. Sie fallen auch im Alter nicht in ein Gewohnheitsloch und verbringen den Rest des Lebens im Fernsehsessel. Doch unsere Gesellschaft hat Menschen auf den Fernsehsessel programmiert. Meinem Opa, der 99 Jahre wurde, brachte ich mit 95 noch den Computer nahe. Im Buch „Neustart im Kopf“ schreibt der Psychiater Norman Doidge über de 91jährigen Cellisten Pablo Casals. Auf die Frage „Maestro, warum üben Sie noch?“ antwortete dieser: „Weil ich Fortschritte mache.“

Meine eigene „kognitive Wende“

Mein Opa war ein ungewöhnlicher Mensch und hatte ein growth mindset erst im Alter entwickelt. Er war wohl die wichtigste Einflussquelle für mein eigenes Denken. Auch ich gehöre zu den Menschen, die sich aus der Perspektive anderer öfter neu erfinden – aus meiner bin Ich immer Ich geblieben. 2008 hat in meinem Leben eine dieser Wenden stattgefunden. Ich erzähle das, weil es Ihnen vielleicht Mut machen kann, wenn Sie nicht an sich glauben. Viele denken, ich wäre als die klare, überzeugende und manchmal sendungsbewusste Persönlichkeit auf die Welt gekommen, die ich heute bin.

Aber das stimmt nicht. Ich hielt mich nie für besonders schlau, nie für sehr belesen oder gar gebildet – in meiner Welt alles Voraussetzungen, um „senden“ zu dürfen. Meinen Erfolg als Selbstständige schrieb ich – wie so viele Frauen – eher dem Zufall und dem günstigen Moment zu. Neulich nannte mich mein Kollege „visionär“, das habe ich nun ganz und gar nicht gesehen.

Neuronen feuern, wenn es emotional wird

„Sie sind nicht der visionäre Typ“, bemerkte mein damaliger Lektor, als wir über Buchideen sprachen. Das ist wohl so, dachte ich. Ungefähr zur gleichen Zeit, um 2008, machte ich eine Zertifizierung zur Reiss-Profile-Masterin. Reiss mag wissenschaftlichen Gütekriterien nicht entsprechen und man kann dem Test zweifellos einen Effekt zuschreiben, den die Psychologen etwas abfällig „Barnum-Effekt“ nennen. Dieser Barnum-Effekt ist aber nicht unbedingt negativ.

In meinem Fall änderte er mein Leben. Nicht schlagartig, sondern schleichend. Erst rückblickend kann ich es genau beschreiben. Ich sah im eigenen Testergebnis meinen Balken beim Thema Wissen im hellgrünen Bereich. Andere Balken, etwa der für Unabhängigkeit, waren viel stärker ausgeprägt. In einer Übung sollten wir ausarbeiten, welches der Motive für uns in der Zukunft eine tragende Rolle spielen würde. Ich verband mich intuitiv emotional mit diesem Motiv – mit Wissen in seiner theoretischen Ausprägung. Warum, weshalb ist schwer zu sagen. Es ist das gleiche bei den Menschen, mit denen ich arbeite. Es gibt Dinge, die fallen auf fruchtbaren Boden und andere verpuffen, als gäbe es sie nicht. Man sagt etwas, man sieht etwas, man erkennt etwas – und da entsteht irgendeine emotionale Verbindung und die lässt die Neuronen feuern.

Zwei Wege, wie sich Nervenzellen neu verschalten

Das Gehirn benötigt für seine Entwicklung Eindrücke und Impulse. Diese sorgen dann dafür, dass sich Nervenzellen neu verschalten. Das passiert auf zwei verschiedene Arten:

  1. An der Synapse ergeben sich Veränderungen und diese werden stärker oder schwächer
  2. Die Anzahl und Stärke der Synapsenverbindungen zwischen den Nervenzellen verändert sich

Ich weiß nicht genau, was passierte, aber durch die elektrochemische Reaktion verschaltete sich mein Gehirn danach anders. Carla Shultz prägte einen der wichtigsten Sätze der Neurowissenschaften: Wenn zwei Nervenzellen wiederholt gleichzeitig aktiv sind, gehen sie eine neue Verbindung ein: „Neurons that fire together wire together“. Dafür sind Emotionen nötig. Ohne Gefühle bleiben wir auf unserer Betonstraße. Dort ist es sicher – wenn auch oft kalt.

Mehr als 10 Jahre kaum Bücher

Danach begann eine Transformation – als Reise zu alten, verschütteten Wurzeln und frühen Leidenschaften, aber auch zu neuen Ufern. Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften sind keine neuen Interessengebiete, sie sind früh dagewesen. Aber ich hatte aufgehört, aktiv zu lernen. Mehr als 10 Jahre hatte ich kaum Bücher angefasst (wiewohl selbst welche geschrieben, zu der Zeit vor allem Existenzgründungsbücher). Ich hatte das regelrecht verlernt, was mir erst klar wurde, als ich wieder damit anfing und merkte, wie schwer es mir fiel, konzentriert bei schwierigen Texten zu bleiben. Transformationen machen mehr aus einem, sie ziehen einem nicht einfach ein neues Kleid an.

Bewegung und Training waren der Anfang

In er Folge dieser Ereignisse absolvierte ich mehr als zwanzig Jahre nach meinem ersten Uni-Abschluss ein Masterstudium in Wirtschaftspsychologie – vor allem, um mir zu beweisen, dass ich Statistik verstehen konnte und eben „kein Fake“ war. Ich spürte, wie mein Gehirn sich erneuerte. Fiel anfangs fast alles an neuem Wissen durch mein „Sieb“, blieb es nach wenigen Wochen immer besser hängen. Ich machte das, was die Neurowissenschaftler empfehlen: Ich verband das Lernen mit Bewegung. Ich lernte beim Gehen auf dem Laufband oder während ich auf dem Stepper trat. Aus Lesepflicht wurde Leselust.

Was anfangs anstrengend war, ist inzwischen leicht geworden. Ich studiere heute weiter, ohne Zertifikate und weitere Abschlüssen erwerben zu wollen, Philosophie und Neurowissenschaften zum Beispiel Vor 10 Jahren lag das in weiter Ferne; es wäre mir anstrengend erschienen. Inzwischen brauche ich es. Ich habe nicht wie Barbara Arrowsmith-Young „the woman who changed her brain“ mein gesamtes Gehirn verändert, aber ich habe in den letzten 10 Jahren ordentlich trainiert und viel mehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht als in den Jahren davor.

Das Gehirn als offenes System

Lange hielten Forscher das Gehirn für ein geschlossenes System. 1998 entdeckten die Neurowissenschaftler Frederick Gage und der Peter Eriksson Stammzellen im menschlichen Hippocampus. Sie fanden heraus, dass Stammzellen nicht sterben, sondern sich immer weiter teilen und Kopien von sich selbst erstellen. Solche Stammzellen können nach der Teilung zu Nerven- oder Stützzellen werden, zu sogenannten Gliazellen. Das ist die Neurogenese. Bei mir fand also eine Neurogense statt. Und was bei mir klappt, geht bei jedem.

Neue Umgebungen fördern Neurogenese

Gages Theorie besagte weiterhin, dass eine neue Umgebung Auslöser der Neurogenese ist. Mit Mäuseexperimenten bewies er, dass sich eine stimulierende Umgebung auf die Stammzellen der Mäuse im Hippocampus auswirkt. Die auf diese Weise trainierten Mäuse waren deutlich intelligenter als andere. Sie hatten ein „growth mindset“. Wenn wir das auf Menschen übertragen, bestätigt mein Erfahrungswissen, dass Veränderung Tapetenwechsel braucht. Es ist sehr schwer aus dem bisherigen Denken auszubrechen, wenn man in der gleichen Umgebung bleibt. Das ist auch die Krux mit Gehirnjogging und Übungen, die vor allem darauf abzielen, die vorhandenen Betonwege weiter zu festigen. Sie transformieren nicht, sie zementieren.

Die Macht der Gewohnheit führt zu fixiertem Denken

Schon Siegmund Freud wusste, dass der Mangel an Plastizität mit der Macht der Gewohnheit zusammenhängt. Die Wiederholung bewusster und erst recht unbewusster Muster führt dazu, dass unsere Straßen im Kopf immer breiter werden, die Betonstraßen entstehen. Irgendwann meinen wir nur noch in eine Richtung fahren zu können. Die Seitenpfade sehen wir gar nicht mehr.

Manchmal braucht es dann radikale Methoden, um auf sich selbst einzuwirken. Wenn Sie sich beispielsweise die Augen zubinden und blind durch den Tag gehen, werden Sie merken, wie sich ihre anderen Sinne schärfen. Manchmal ist es besser, sich einen Weg zu versperren, um einen anderen einschlagen zu können. Menschen, die über Jahre in Routinen gefangen sind, kann nichts Besseres passieren als ihren Job zu verlieren. Jede Veränderung, dass muss man sich klarmachen, führt zu einer Neuverschaltung. Und das geht nicht ohne Leiden, Zweifeln, Anstrengung und Selbstüberwindung.

Heiße Herdplatten anpacken

Einer meiner Mindshifts heißt „Anpacker“ und ich beziehe mich dabei auf das Bild einer heißen Herdplatte. Wir müssen uns noch nicht mal den Finger verbrannt zu haben, um etwas zu meiden, an dem wir (gefühlt) scheitern könnten.  Das Talentdenken ist tief eingebrannt. Wie ich so schnell schreiben kann, werde ich oft gefragt. Die Antwort ist einfach: Ich bin nicht mit Talent gestartet, sondern mit einer sechs in Deutsch, möglicherweise hatte ich sogar eine nie diagnostizierte Legasthenie. Es war mein Opa, der nicht lockergelassen und mit mir Lesen geübt hat.

Ich bin nicht die einzige, die über eine heiße Herdplatte zu einem vermeintlichen Talent gekommen ist. John Irving ist oder war Legastheniker. Barbara Arrowsmith-Young „the woman who changed her brain“ hatte ein dysfunktionales Gehirn als sie begann es zu trainieren und damit neu zu verschalten – einfach durch Willenskraft. Arrowsmith-Young konnte keine Verbindungen herstellen, sie absolvierte einen Bachelor, ohne die Zusammenhänge zu verstehen. Die Arrowsmith School in Toronto hilft heute Kindern mit Lernschwierigkeiten, ihre Gehirne gezielt zu trainieren.

Neuverschaltung ist immer möglich

Niemand ist verloren, kein Mensch darauf fixiert, zu bleiben wie er ist: Die Neuverschaltung und auch Umkartierung des Gehirns ist jederzeit möglich. Areale, die ausfallen, können durch andere ersetzt werden. Areale sind flexibel, das eine kann das andere kompensieren. Ja, es kann sogar die eine die andere Gehirnhälfte ersetzen. Die Amerikanerin Michelle Mack lebt nur mit einer Gehirnhälfte und meistert den Alltag mit einem besonderen Kalendergedächtnis und einer hohen Affinität für Details.

Auch das starre Denken in Gehirnhälften ist veraltet. Ja, jede Gehirnhälfte neigt zu Spezialisierungen. Im Laufe der Entwicklung kooperieren beide Hälften aber immer besser zusammen. Bei älteren Menschen sind Fähigkeiten der linken und rechten Gehirnhälfte weniger fest den Arealen zugeordnet. Eine Gehirnhälfte kann sich sogar von der Tyrannei der anderen „befreien“: Wer die rechte Gehirnhälfte unterdrückt, die für Abstraktion und Zusammenhänge sorgt, kann plötzlich besser zeichnen. Dies lässt sich mit speziellen Übungen stimulieren.

Die Plastizität des Gehirns ermöglicht mehr als die meisten von uns annehmen.

Nach Jordan Grafman besitzt Plastizität mindestens vier Varianten:

  • Erweiterung von Gehirnarealen:Wir können Fertigkeiten auf benachbarte Areale ausdehnen und diese neu verschalten.
  • Neuverteilung von Sinnesregionen:Blinde können beispielsweise das Sehzentrum anders und neu nutzen.
  • Kompensatorische Maskerade:Wir können uns auf unterschiedliche Weise zurechtfinden und dies immer wieder ändern. Manche orientieren sich über Orientierungspunkte im Raum, andere durch ein intuitives Raumgefühl. Dies wird vor allem in der Pädagogik genutzt: Kinder mit einer Leseschwäche werden mit Hörbüchern unterrichtet.
  • Spiegelung in die jeweils andere Gehirnhälfte.Fällt ein Teil einer Gehirnhälfte aus, kann ein anderer deren Funktion übernehmen. Das Raumsehen, das eigentlich auf der rechten Seite angesiedelt ist, kann z.B. von der linken übernommen werden.

Lernen für eine veränderte Umwelt

Die wichtigste Botschaft aber: Das Gehirn lernt zu lernen. Jede dauerhafte Tätigkeit – sei es Sport, Wahrnehmung, Lernen, Denken oder Fantasie – verändert das Gehirn. In 100 Jahren werden wir ganz anders denken und ungleich intelligenter sein als heute. Wir werden uns mit den Computern entwickelt haben, in Koexistenz und nicht in Konkurrenz.

Das Gehirn passt sich an die Umwelt an. Kinder der Seenomaden-Völker können selbst in großen Tiefen ohne Brille sehen. Ich selbst habe auf einem Auge eine eingeschränkte Sicht, ich sehe nur 60% und habe Gesichtsfeldausälle. In vertrauten Umgebungen, etwa in meinem geliebten Andalusien, kann ich das jedoch vollständig kompensieren. Kein Augenarzt und kein Optiker glaubt mir das – Neurowissenschaftler schon.

Die Zukunft hält viele Chancen für uns bereit. Wir müssen nicht mit dem Computer und der Künstlichen Intelligenz konkurrieren, wir haben mit dem Gehirn ein einmaliges Wunderwerk, das völlig unvergleichbar ist. Dieses zu entwickeln und zu trainieren, ist unsere Chance.

Lassen Sie uns also „fixed“-Mindset-Denken aufgeben, etwa folgende entwicklungshemmende Annahmen:

  • Intelligenz ist angeboren
  • Jeder ist, wie er ist
  • Mit dem Alter wird man immer festgefahrener
  • Das Leben beginnt nach der Rente
  • Folge den Stärken, die dir leichtfallen und arbeite erst gar nicht an Schwächen
  • Der Mensch braucht Sicherheit
  • Schuster bleib bei deinen Leisten
  • Dysfunktionalität bleibt Dysfunktionalität

Diese „growth“-Mindset Überzeugungen helfen viel mehr:

  • Wir gestalten unser Gehirn selbst
  • Es gibt viel mehr Möglichkeiten, als wir selbst und andere sehen
  • Wichtig ist, nicht nur dem folgen, was uns leichtfällt. Stärken sind die Folge von Entscheidungen.
  • Geh raus und lerne
  • Fördere und fordere auch andere
  • Das Leben ist jetzt
  • Alles ist trainierbar
  • Der Mensch braucht Autonomie
  • Wechsle dein Umfeld!
  • Trainiere systematisch dein Gehirn, um es flexibler zu machen

Neue Freunde, neues Denken

Machen Sie sich Veränderung so einfach wie möglich, indem Sie das Umfeld verändern und neue anregende Umgebungen suchen. Gestern habe ich einem langjährigen Kunden dazu geraten, sich neue Freunde zu suchen.  Das Dilemma beginnt oft damit, dass man sich ein Umfeld aus Denk-Klonen schafft, die nur die immer gleichen Betonstraßen kennen.

Motivieren, ermuntern, anregen

Coaching ist darauf angelegt, die Lösung zu suchen, die in einem liegt. Aber oft zeigen sich dabei Lösungen, die direkt auf der Betonstraße liegen. Sich von der Betonstraße abzuwenden und den kleinen, verschlungenen Flexibelweg zu gehen, der davon wegführt, kostet Kraft. Dazu kann man als Coach, Ausbilder, Lehrer und natürlich Führungskraft motivieren, ermuntern, anregen.

Wir sollten uns darüber klarwerden, wie unser eigenes Gehirn, die Art wie wir arbeiten andere entscheidend beeinflusst und unser Umfeld formt. Ganz besonders wichtig ist das für alle, die direkten Einfluss auf Menschen nehmen: Trainer, Personalentwickler, Coaches, Lehrer…

Agilität mit einem Fixed-Mindset „eingeführt“, wird zum starren Korsett. Agilität mit einem Growth-Mindset wird zur Chance für den Menschen. Denn dieser muss nicht mit dem Computer konkurrieren, sondern mit diesem Hand in Hand in die Zukunft gehen. Das ist der Shift, den wir brauchen.

Sie möchten mehr dazu lesen? Mein Buch „Mindshift“ (bei Amazon) enthält praktische Hinweise und Übungen, um Flexibel-Wege zu erkunden.

Wer mehr zu den Hintergründen erfahrne möchte, dem empfehle ich Norman Doidge „Neustart im Kopf“, ebenso aus em Campus-Verlag.

Wer dazu Workshops sucht: Solche Themen greife ich auf in Psychologie der Veränderung und Agiles Mindset und Coaching.

Beitragsfoto: Madee-Shutterstock.com

 

 

 

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4 Comments

  1. Gerhard Evers 4. März 2019 at 16:16 - Reply

    Auf jeden Fall ist da was Wichtiges dran.
    Wobei nach meiner Kenntnis und therapeutischen Erfahrung dysfunktionale Verknüpfungen im Gehirn, vor allem die, die auf grund ungünstiger biografischer Umstände während der Schwangerschaft, Geburt und/oder in den ersten Lebensjahren, entstanden sind, nur sehr, sehr langsam und (wenn überhaupt) vor allem mit körpertherapeutischen Massnahmen, zusätzlich gesunder verbahnt werden (Überschreiben geht nicht). Diese „Fehl-Verbahnungen“ können leider zu schwierigen Problemen im späteren Leben z.B. im Bereich der Selbstberuhigung, der Stressverarbeitung aber auch im Bindungsverhalten führen.
    Denn diese Verschaltungen finden in den tieferen Ebenen des Gehirn (limbisches System/Amygdala) statt, was auch durch das ZNS gesteuert wird, sind nicht durch den Menschen kognitiv beeinflussbar. Vieles liegt also im Un-, oder Vorbewusstsein. ( Lassen wir mal die Verhaltenstherapeuten in in ihrem Glauben, dass das nicht so ist), ich verlasse mich da eher auf die Neurowissenschaftler wie Prof.Dr. Gerhard Roth und seine Kollegen) Alles jetzt mal bewusst einfach und anekdotisch geschildert. Menschen mit diesen Problemen ( und das sind einige Millionen) leiden dann später unter Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Panik- und Angstattacken oder Zwängen etc.) Sie sind oft verzweifelt, weil Ihnen auch durch Literatur vermittelt wird, sie müssten sich nur noch mehr anstrengen, dann gelingt „Mindshift“ und Co. Denn das Gehirn und seine Netzwerke sind ja formbar bis zum letzten Atemzug. Diese Gedanken kamen mir beim Lesen des Artikels, auch, wenn ich weiss, worauf Du richtigerweise hinaus willst. Und mir ist auch klar, dass es hier wissenschaftlich noch unterschiedliche Meinungen gibt. Ich spreche hier vor allem evidenzbasiert. Dies einfach als Ergänzung.

    • Svenja Hofert 5. März 2019 at 15:00 - Reply

      da hast du absolut recht, wenn es auf den tieferen limbischen Ebenen liegt, habe ich keinen Zugang. Freud wurde durch die neuere Gehirnforschung ja auch rehabilitiert. Insofern ist der Buchtipp von Norman Doidge sehr hilfreich für alle die sich tiefer damit beschäftigen wollen – Doidge ist Psychoanalytiker. Psychoanalyse kann das Gehirn eben auch verändern.

  2. Francesca P. 17. März 2019 at 11:23 - Reply

    Es stimmt zwar schon, dass wir auf das, was in den tieferen Ebenen des Gehirns gespeichert ist (sei es durch evolutionäre Prägung oder schwierige Erfahrungen früh im Leben), kaum Einfluss haben. Wir haben aber sehr wohl Einfluss darauf, wie wir auf die Signale, die von unseren tieferen limbischen Ebenen kommen reagieren. Wir sind denen nicht blind ausgeliefert, sondern können lernen, diese Signale wahrzunehmen und unsere Reaktion darauf zu hinterfragen, so dass wir nicht mehr nur im Autopilot-Modus reagieren, sondern konstruktive Reaktionsmuster erlernen.
    Wenn das nicht so wäre, dann würden alle Menschen, die eine schwierige Kindheit hatten, gleichermaßen darunter leiden, was aber bewiesenermaßen nicht der Fall ist. Und selbst wenn diese schwierigen Erfahrungen früh im Leben zu einer Depression oder andere Störungen führen können, so ist diese gleichzeitig auch heilbar (und zwar nicht nur medikamentös).
    Um Viktor Frankl zu paraphrasieren: wir haben keine Wahl, welchen Reizen wir durch unserer Umwelt und unseren tieferen Gehirnschichten ausgesetzt sind, aber wir haben immer die Wahl, wie wir darauf reagieren.
    Dies kann mithilfe von Achtsamkeitstraining oder auch Trainingsprogramme zum erlernen von emotionaler Kompetenz (achtsamkeitsbasiert) erlernt werden – diese Ansätze bauen genauso wie Mindshift auf die (nachgewiesene) Plastizität unseres Gehirns auf und somit ist Dein Beitrag, liebe Svenja, bei mir voll auf Resonanz gestoßen. Herzlichen Dank dafür!

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