Vor einem halben Jahr rief ich über das Internet auf, 50 Begriffe zur neuen Arbeit zu sammeln und hier oder im eigenen Blog einzureichen. Den Ball fingen unter anderem Winfried Kretschmer und Patrick Scheuerer – am Wochenende erinnerte Twitter an die Aktion: Was machen wir denn jetzt daraus? Ich versuche nun einmal, die Begriffe der neuen Arbeit mit dem aktuellen Geschehen zu verbinden. Den Anfang mache ich mit dem Wort Nr. 7 auf der Liste von Kretschmer, Crowdfunding. Es bedeutet, dass eine „Menge“ Menschen, also eine Crowd, Projekte finanziert, ergo „fundet“. Das Thema explodiert in Deutschland derzeit gerade im Kulturbereich. So finden sich beim größten deutschen Crowdfunding-Portal Startnext eine wachsende Schar derer zusammen, die ihre Kurzfilme oder ihre Musik produzieren lassen wollen. Seit meinem letzten Besuch auf dem Portal vor einem halben Jahr hat sich definitiv viel getan.

50 Begriffe zur Zukunft der Arbeit

Ein Business Plan für einen Film, ein Buch, ein Musikvideo? Von den Banken ist für so etwas kein Cent zu bekommen. Staatliche Institutionen im Kulturbereich wiederum betreiben eine undurchsichtige Förderpolitik, die viel durchs Raster fallen lässt. Crowdfunding ist deshalb eine Chance für Kulturschaffende. Ob Portale wie Startnext dabei helfen oder man seine Community selbst gewinnt wie Sylvia Holzinger und Peter Haas mit ihrem in diesem Blog vorgestellten Slow Budget Self Funding – Ansatz – Crowdfunding hat viele Facetten. Selbst mit der Spendenplattform Flattr scheinen sich inzwischen einige über Wasser halten zu können, so der jüngst in brandeins vorgestellte Tim Pritlove. Nun gut, die 2.500 EUR, die er damit im Monat einnimmt, sind nicht die Welt, aber: sie zeigen einen gangbaren Weg. Und es ist viel mehr als die taz je schaffte. Bleibt die Frage, warum die einen ihre Community mobilisieren können und die anderen nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass Einzelpersonen und Projekte auf dem kulturellen Spenden-Weg erfolgreicher sind als Institutionen und Unternehmen.

Doch es gibt Gegenbeispiele. Schauen wir mal in die USA. Auf Kickstarter.com werden bereits Hunderttausende und sogar Millionenbeträge für nicht-soziale Unternehmungen gesammelt, etwa für Sonnenbrillen oder einen verrückten Stift, der gleichzeitig Samen sät.

Ein Fazit mag sein: Die Idee setzt sich durch, es kann eine Nischenverrücktheit sein, eine breit nutzbare Innovation oder aber gesellschaftlich Wert- und Sinnvolles. Die Community hebt den Daumen – oder senkt ihn.

Ganz neue Chancen auch für Nischenprodukte. Dem Hamburger Medienlotsen Jan C. Rode gelang es kürzlich, sein Hannover-96-Buch „Vorwärts nach weit“ via Crowdfunding zu finanzieren und dafür immerhin knapp 2.500 EUR einzuwerben. Über den schnellen Erfolg war er selbst überrascht.

Können sich in Zukunft noch ganz andere Dinge auf die Crowdfunding-Art privatisieren lassen? Könnte auf diesem Weg ein 45jähriger, der keine Bildungskredite mehr bekommt, privat finanziert werden? Schließlich bedeutet Bildung ja nicht nur individuelles Weiterkommen, sondern auch gesellschaftlichen Nutzen für alle… Abwarten.