Silke war auf die Kunststoffbranche spezialisiert, wollte aber mit den zwei kleinen Kindern und Ehemann auf dem Land in Bayern leben. Schwierig für die Ingenieurin, einen Job zu finden, in den sie ihre Kernkompetenz einbringen konnte. Darüber hatte sie vorher nicht nachgedacht. Eine gute Ausbildung – und dann doch ausgebremst?

Je spezieller ein berufliches Profil heute ist, desto mobiler müssen Menschen sein. Das ist gut, solange man glücklicher Single ist – aber meist ein Problem, wenn sich das ändert. Während früher die Frau dem Mann  nachgereist ist und bereitwillig mehrere Umzüge und auch einige Jahre im Ausland in Kauf genommen hat (um dann nicht selten für eine Jüngere verlassen zu werden), verteilen sich die Rollen heute immer öfter anders. Zwei Spezialisten in unterschiedlichen Fachbereichen und Branchen, also eines der wichtigsten Karrieremodelle der Zukunft der Arbeit, sind da kaum noch regional zu vereinbaren. Was tun?

Die Karriereexpertin Elisabeth Bröschen aus Hamburg, Mitglied im Profi-Netzwerk Karriereexperten.com, hat selbst eine Doppelkarriere geführt und sich mit „Paarundprofession“ auf die Beratung von Doppelkarrierepaaren spezialisiert. „Gerade bei Paaren in ambitionierten Positionen geht es darum, Lebens- und Arbeitsbedingungen auszuhandeln, die für beide akzeptabel sind“, sagt sie.

Das kann manchmal bedeuten, dass der eine Partner eine Zeitlang zurücktritt und dem anderen den Vortritt lässt. Warum nicht die Frau? Für mein vergriffenes Buch „Papa ist die beste Mama“ habe ich 2005 einige Paare gesprochen. Zu einem meiner damaligen Gesprächspartner hatte ich neulich noch einmal Kontakt: Hier hat die Frau nach wie vor – jetzt seit mehr als acht Jahren – eine Führungsposition, der Mann arbeitet weiterhin Teilzeit. Beide sind überaus zufrieden mit dem Modell. So eine Aufteilung passt, wenn einer von beiden nicht ehrgeizig ist. Und sie funktioniert auf Dauer nur dann, wenn die Frau Abschied den fehlenden Ehrgeiz bei Ihrem Partner akzeptiert und wertschätzt. Der Partner lässt sich, anders als manch Hausmütterchen nach altem Modell, eben nicht wie ein Ausstellungsstück, eine Dienstmagd oder Hausassistenz behandeln lassen. Ehrgeizige sollten sich vor Augen halten: Unsere Welt braucht die Leistungsaffinen genauso wie die Dienstleister  und Sinn-Gesteuerten. Und an die Frauen gerichtet (Mädels, packt die Frauenzeitschriften weg ;-)): Man kann nicht zugleich Karriere und einen Macho wollen, geht nicht 😉

Die „Dopplung des männlichen Karrieremodells“, bei der zwei Karrieristen voll durchstarten und die Kindererziehung mehr oder weniger komplett an Dritte abgeben, erfordert hohe Einkommen auf beiden Seiten. Nach allem, was ich in meiner Karriereberatung höre und erlebe, ist es vielfach eben doch kein Idealmodell. Das Kind bleibt auf der Strecke, wenn es seine Eltern nur nach Terminvereinbarung sieht. Als Mutter eines Einzelkindes, selbst Typ „Karrierefrau“, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass Vollzeitkarriere als Angestellte ohne einen Trupp von Helfern möglich ist. Mir wäre das zu stressig. Und vielen meiner Klientinnen, davon ein Großteil nicht minder leistungsorientiert, ist es das auch.

Alternative Modelle sind eine Lösung. Wenn einer der Partner selbstständig ist, gibt das einen ganz anderen Freiraum. „Selbstständige sind örtlich und zeitlich oft flexibler“, sagt auch meine Kollegin und Karriereexpertin Dagmar Rissler. So kann ein  Partner, der beispielsweise kreativ arbeitet oder einen Online-Shop betreibt, leichter den örtlichen Schwerpunkt verlagern.

Kluge Berufswahl ist ebenso nicht nur Alternative, sondern notwendig – am besten schon als Absolvent in die eigene Lebensmodellkugel schauen. Je kleiner die Nische, desto flexibler und Regionsgebundener ist man. Ein Wirtschaftsprüfer ist räumlich flexibler als ein Spezialist für einen Teilbereich der Agrarwirtschaft. Das merken viele meiner Kunden erst zu spät: Am Anfang des Berufsleben spielt etwas anderes eine Rolle als später. Normalerweise sinkt auch die Reisebereitschaft mit dem Alter und der familiären Bindung. 

Wichtig ist, noch bevor Kinder ins Spiel kommen, eine klare Vereinbarung. Rede darüber, ist deshalb eine Grundregel. Und das geht manchmal besser in einem moderierten Gespräch mit einem Coach, der beide Seiten zu Offenheit auffordert und zu konkreten Absprachen ermutigt.