„Wieso machst du das? Verstehe ich nicht.“ Manche schüttern den Kopf, wenn ich von meinen Social-Media-Aktivitäten erzähle, die ich – Karriereblog-Leser wissen es – seit Oktober 2010 intensiviert habe.  Ja, warum? Damals einfach, weil ich wissen wollte, wie es geht und ob meine These stimmt, dass das Internet alles „evolutionär“ revolutioniert.

Ich glaube, dass das Internet einerseits für eine neue Ethik sorgen kann, weil es letztendlich Lügen bestraft, siehe zu Guttenberg, und andrerseits Authentizität belohnt wird. Man muss sich bei der Kommunikation viel mehr anstrengen, lange Abstimmungsprozesse und Trimmen auf Firmenlinie – Vergangenheit. Menschen, Firmen, Bücher, Artikel, Kleidung werden sich irgendwann vor allem Online in unsere Köpfe einschleichen. „Dein Blick ist nicht der der Normalbevölkerung“, höre ich dann. Ich würde das alles überschätzen.  Das sagte man mir aber schon 1998, als ich das erste Buch über Internetbewerbungen schrieb, heute noch am Markt, aber natürlich mit komplett anderem Inhalt.

Dieses Wochende vielleicht den Durchbruch zu 800 Followern (www.twitter.com/svenja-hofert). Inzwischen hat sich Spaß zu meiner Anfangsmotivation „Test“ gekommen. Ohne diesen intrinsischen Motor bleibt man wahrscheinlich nicht bei der Stange. Denn die Erfolge kommen sehr indirekt. Neulich gab es den ersten indirekten Kunden. Eine Followerin hatte mich empfohlen.

Während es mir anfangs fremd vorkam im Twitteruniversum, bin ich jetzt fast zuhause dort. Meine früheren Vorhaben wie „5000 Follower bis März“ haben sich als blödsinnig herausgestellt. Es geht mehr um die Qualität der Follower. So gibt es viele Roboter-Accounts, die letztendlich wertlos sind. Es gibt auch Twitterer, die einfach Hinz und Kunz folgen und so Ihren „Stamm“ vergrößern, da es viele automatische Rück-Verfolger geht. Das will ich nicht, nur um da eine Zahl zu erhöhen. Sollen schon vernünftige Leute sein. Twitterer wie Robert Half, die ordentlich Danke für RTs sagen und den Follow Friday nutzen. Das hebt das Image, wahrscheinlich schwer messbar für den Erfolg des Unternehmens – aber war Image nicht immer schon etwas für die rechte Gehirnhälfte?

Dafür kommen andere bei mir auf die Nogo-Liste. Das sind jene, die nur platte Werbung machen, sich ständig selbst verkaufen oder als Linkschleudern für den eigenen Kram agieren. Oder jene, die nie „Danke“ sagen für einen Retweet (RT), also das Weiterleiten einer Nachricht an die eigenen Follower.Allerdings: Ab einer gewissen Anzahl an Followern wird es wahrscheinlich wenig  individuelles Danke mehr geben können – da kommt man gar nicht nach. So wie vermutlich Jochen Mai von der Karrierebibel mit seinen 8.500 Followern. Wann werde ich selbst aufhören mit Danke? Gibt es diesen Punkt, an dem das zeitlich nicht mehr geht? Ich muss ja irgendwann auch Geld verdienen – #FFs sammeln macht nicht satt.

Ich bekomme viele #FFs, das ist der so genannte Follow Friday, eine Folgeempfehlung anderer Twitterer, die längst nicht mehr nur Freitags gegeben wird. Im FF-Ranking Deutschland habe ich mich, Stand gestern, auf Platz 122 gespielt. Irgendjemand hat mal gesagt, Erfolg im Internet sei ein Selbstläufer, wenn man hartnäckig dranbleibt. Und das stimmt: Es funktioniert. Bei mir nicht nach Plan, sondern frei nach meinem Motto: Ausprobieren, schauen was zurückkommt, dazu lernen, beim nächsten Mal anders und besser machen. Gelernt habe ich, dass Faulsein bestraft wird. Ein paar Tage war ich so eingebunden, dass ich kaum zum Twittern gekommen bin. In der Zeit fiel mein Klout-Wert von hohen 53 auf 46. Aber wie wichtig ist dieser Wert eigentlich? Bis zum nächsten Teil des Twitterexperiments weiß ich es.

Ich registriere auch viel Strategie und Berechnung beim Empfehlen: Es ist nun mal sinnvoller für das eigene Ranking von einem „hochrangingen“ Twitterer empfohlen zu werden und die Empfehlungen zu wechseln, um den Kreis zu vergrößern. Ganz so wie in der realen Welt: Auf die Empfehlung von bekannten Persönlichkeiten hört man eher. Nur dass es bei Twitter teilweise ganz andere Leute sind, die „bekannt“ sind. Manchmal auf den ersten Blick seltsame.

Das ist ein sehr spannendes Phänomen. Manchmal frage ich mich, ob die Internet-Bekanntheit mit geschäftlichem Erfolg korrespondiert. Mein Eindruck ist: nur teilweise. Twitter allein reicht nicht, es muss integriert sein in andere Maßnahmen. Dazu morgen mehr, wenn ich Zeit habe – dann ist nämlich Facebook dran.

Kommentar im November 2012

Mir fällt auf, dass jede Etappe bei Twitter seine eigenen Enpfehler und zentralen Begleiter hatte. Am Anfang waren es ganz andere als heute. Es ist ganz klar, wo der Zusammenhang liegt: Die Retweets und die Interaktion findet mit höherrangigen Twitterern statt als vorher, wobei ich nicht nach solchen Kategorien agiere, sondern auch schon mal jemanden, der neu bei Twitter ist, empfehle.