Du willst dein Netzwerk erweitern? Experte B oder Prof. A als Kontakt gewinnen, weil er vielleicht nen Job und sonst gute Kontakte hat? Wie spricht man Leute über Xing, Facebook & Co. an (und vor allem: wie besser nicht)? Eine kleine Anfragen-Typologie auf der Basis sehr persönlicher Erfahrungen.

1. Die Textbaustein-Schleuder

Er ist an seinem Standard-Text eindeutig zu identifizieren. Wahrscheinlich schreibt er noch nicht mal deinen Namen richtig. Möglich, dass er dich als Herr Hofert anspricht, obwohl du eine Frau bist. Ansonsten ist er kurz und knapp, aber steif, formuliert solch inspirierende Sätze wie „gern möchte ich Sie in mein Netzwerk einladen“ (das aus fünf sehr seltsamen Gestalten besteht). Dann ist auch immer dieses „sehr geehrte“ dabei, was du irgendwie komisch findest. Dislike, heimlich.

2. Der Online-Orang-Utan

Er klopft sich gern selbst auf die Brust und hält sich für den größten. Deshalb textet er mit einem Selbstbewusstsein von hier bis zur Antarktis. „Rufen Sie mich Donnerstag zwischen 8 und 8 Uhr 30 unter 1234567 an.“ Hallo? Warum solltest du das tun? Dislike.

3. Der Big Business-Networker

AlsGeschäftsmann von Welt lädt er dich ein in einen Club, wo er Big, Big Business mit dir machen will, über das er vorher aber nicht sprechen will. Dass du am Hamburg Business Club und Alsterblick null Interesse hast, weil dein Terminkalender voll ist, kann er überhaupt nicht verstehen und ist beleidigt.

4. Der Falschspieler

Er flötet dir ins Ohr, dass er deine Bücher ganz toll findet, kann aber leider nicht sagen, welches genau er meint (überhaupt liest er zum ersten Mal, dass du mehr als eins geschrieben hast). Bei genauem Hinsehen stammt er fast immer aus der Finanzbranche und sammelt Rohmaterial für seine Akquise, das er sich durch deine Kontakte erhofft.

5. Der Pfennigfuchser

Er hat in deinem Buch einen Rechtschreibfehler auf Seite 1028 gefunden und bietet sich als Lektor an. Du hast ein arg schlechtes Gewissen, weil dich das sowas von null interessiert, aber du eigentlich ein weiches Herz hast und nicht böse sein kannst, außer es kommt dir jemand blöd. Antworten,  freischalten, schulterzuckendes Like.

6. Der immer Interessierte

Er hat dich mit Hintergedanken ausgewählt, weil du ein gutes Netzwerk hast. Genaugenommen ist er gar nicht er selbst, sondern höchstwahrscheinlich seine Sekretärin oder ein Werkstudent. Nun schiebt er das „interessante Profil“ vor, das du angeblich hast. Du denkst, dass „interessant“ die schlimmste Art auszudrücken ist, dass man ganz nett ist, oder netto, und im Endeffekt nichts. Natürlich wäre er nicht in der Lage auch nur eine einzige Frage zu deinem Profil zu beantworten. Aussitzen.  Vielleicht ist er ja auch interessant und ein  bißchen netto.

7. Der Charmeur

Ja,  gib ruhig zu, dass dich ein nettes Lachen einwickelt, bist ja nur ein Mensch. Und wenn dann auch noch ein Satz wie dieser kommt „klingt ´ich lese mit Begeisterung Ihre Facebook-und Karriere-Experten-Einträge´zu wenig originell, um mich mit Ihnen verbinden zu können?“ dann bist du nach Punkt 1-6 auf dieser Liste wirklich beeindruckt und das bringt dich auf die Idee, einen eigenen Beitrag zum Thema zu verfassen, an dem du einen clownesken Spaß hast. Like.

Kommentar im November 2012

Immer noch schlimm bei Xing. Es gibt gerade im Sales immer mehr Akquisiteure ohne jedes Feingefühl.  Mensch, glaubt ihr wirklich, man liest euren Textbausteinen die künstliche Produktion nicht an?