Am Ende waren unsere Jungs auch psychologisch stärker. Doch das ist es nicht allein. Was macht den Erfolg eines guten Teams wirklich aus? Eine Erklärung.
Eine klare Strategie entwickeln
Wie ist der Gegner aufgestellt, was sind seine Schwächen und Stärken? Wie in der agilen Teamarbeit wird im Fußball einerseits geplant und andererseits der Moment genutzt. Für alles gibt es einen übergeordneten Strategieplan, der seit 2000 aufgestellt wurde, sich immer weiterentwickeln durfte und konsequent in einzelne Maßnahmen, Projekte und Teilprojekte aufgeteilt wurde. Zu nennen sind hier die Leistungszentren, aber auch die verstärkte Einbeziehung der Psychologie seit 2004 unter Klinsmann.

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Den Wir-Geist fördern
Strategie, Struktur, Kultur – das ist das St. Galler Managementdreieck. Und auch die Kultur ist perfekt umgesetzt worden: Egal welcher der Jungs vor die Kamera geholt wurde, alle sprachen von „wir“. Ich habe kein einziges „ich“ gehört. Niemand wollte Einzelleistung betont wissen. Da merkt man Teamentwicklungsmaßnahmen erster Güte. Das Beispiel unserer Nationalmannschaft zeigt auch, dass selbst mutmaßliche Individualisten über gemeinsame Ziele in ein Boot geholt werden können. Wahrscheinlich bekamen alle eine ähnliche Ansprache, wurde kein Unterschied zwischen Ersatzbank und Dauerspieler gemacht.
Lieber im Tandem führen
Verantwortung übertragen anstatt Vorschriften machen – so lief es in den Achterteams auf dem Campo Bahia, die unter anderem von Philipp Lahm geleitet wurden. Bemerkenswert in Zeiten, in denen seitens der New Worker oft Hierarchielosigkeit gefordert wird: Es gab klare Hierarchien. Aber, noch bemerkenswerter: Die Führung bekamen die „reiferen“ und die mit den besten Kompetenzen in diesem Bereich. Löw und Bierhoff führten „transformational“. Das beherrschen nicht viele, denn es heißt Inspirieren, innovieren, Kompetenzen entwickeln, Vorbild sein, Eigeninitiative anregen  – was diese Führung ausmacht, lesen Sie in der Grafik auf der Website von Prof. Waldemar Pelz.

Zu beachten auch, dass das Team vom Team geführt wurde: Bierhoff und Löw. Solche Tandems aus einem Strategen und einer Art „Feelgoodmanager“ könnten aus meiner Sicht viele Probleme deutlich besser lösen als das derzeitige Einpersonen-Management.
Mentale Stärke schaffen
Kein Wunder, dass Mertesacker einmal so richtig vom Leder gelassen hat. Diese ganzen Sofakritiker haben gut reden! Mentale Stärke bedeutet, dass ein Mensch in sich gefestigt ist und durch Störungen von außen nicht von seinem Ziel abzubringen ist. Dazu gehört Selbstvertrauen, Kritikfähigkeit,  Konzentration und innere Ruhe. All das zu festigen, sollte höchste Managementaufgabe sein! Doch in der Unternehmenspraxis wird lieber kräftig daran gearbeitet, die Teammitglieder nicht stark werden zu lassen. Befördert werden in der Unternehmensrealität deshalb selten diejenigen, die andere stark machen (und das kann immer nur, wer es selbst ist), sondern die, die andere besser aussehen lassen…
Richtige Stärken einsetzen
Ein Torwart braucht den Überblick, muss blitzschnell abschätzen können, welche Bewegung wozu führt. Linksaußen sind bewegliche Dribbelkünstler. Alles sind Einzelleistungen und jeder in einem Team hat eigene Stärken, über die Kollege Christoph Burger am Beispiel Mesut Özil schon so schön geschrieben hat. Besonders dabei ist, dass nicht nur an der eigenen Stärke gearbeitet wurde, sondern diese auch in „neue“ Richtungen ausgebaut wurden: So betätigte sich Neuer als Verteidiger, kann Lahm hier wie dort spielen. Das Motto lautete, Handlungsmöglichkeiten erweitern, anstatt nur auf eine Stärke zu setzen.
Zeit genug geben
Die Mannschaft von 2004 hätte auf jeden Fall gegen die von 2014 schon in der Vorrunde verloren, sagt mein Sohn. Fußball entwickelt sich. Bis ein Team zum Hochleistungsteam wird, braucht es Zeit. Die geben Unternehmen oft weder den Führungskräften noch den Mitarbeitern. Und so bleibt Erfolg Glückssache.

PS: Da ich keine Ahnung von Fußball habe, hat mich für den Beitrag mein Sohn Leander beraten. Hierzu passt „Ich hasse Teamarbeit“.

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karriereratgeber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich „Karriere & Entwicklung“ für Outplacement und Karrierecoaching. 2004 gründete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karriereexpertenakademie dazu: verschiedene Weiterbildungen zur Professionalisierung der Methoden und Vorgehensweisen im Karrierecoaching.