Entscheider beschäftigen sich nur kurz mit einem Lebenslauf.  Eine Minute vielleicht, wenn es hochkommt zwei… Sie lesen nicht sukzessive von vorne nach hinten und nicht jedes Wort. Was behält der Personaler von Ihrer Bewerbung, wenn er sie ablegt? Nicht viel, machen Sie sich da keine Hoffnungen. Und oft haften Dinge wie Klebstoff im Gehirn, die Sie gar nicht auf dem Plan hatten: „Wirrer Aufbau“, „oh gott wie komplex“ oder „Layout wie auf der Beerdigung“.

Wie Sie mit Hilfe des Wissens aus der Kognitionspsychologie Ihre Bewerbung wirksamer in den Köpfen verankern – und wahrscheinlicher eingeladen werden lesen Sie hier. Dabei geht es um die Steuerung der Aufmerksamkeit (Usability im CV) und die Verankerung von Inhalten (wie erreicht man es, dass das Gegenüber sich Dinge besser merkt?).

1.       Wiederholen Sie sich: Doppelt und dreifach hält besser

„Ich kann mich da doch nicht wiederholen“, sagen viele Bewerber, wenn ich darauf hinweise, dass das Kurzprofil vor der Bewerbung ruhig Aussagen aus dem Anschreiben oder dem Lebenslauf noch einmal aufgreifen kann. Dieses Kurzprofil, also eine sachliche dritte Seite VORM CV, kombiniert mit Foto, macht anders als langes Geschwafel wirklich Sinn! Kennt man als „executive summary“ aus den USA. Warum? Durch Wiederholung lernt man – und merkt sich Dinge eher. Außerdem springt die Aufmerksamkeit: Auf die Punkte in der Bewerbung, die eingängig sind (etwa weil sie größer sind oder gefettet oder unerwartet). Das kann man alles sehr bewusst steuern.  Und sollte man auch.

2.       „Oh Gott, ein Trauerrand“: Aufmerksamkeit auf das Richtige und Wichtige

Was erinnert der Entscheider, wenn er die Bewerbung weglegt? Eine Minute später? 10 Minuten später? Drei Tage später? Es wird immer weniger. Kurz nach dem „Lesen“ sind es 5-7 Items, je nach Aufmerksamkeit und Intelligenz, eine Woche später ist nur noch ein Eindruck verblieben.

Ein Item ist schon die Information „chaotischer Lebenslauf“ oder „oh Gott schon wieder der schwarze Balken“.  Heißt: Heben Sie hervor, was wichtig ist. Spricht auch noch mal für ein Kurzprofil, mit zum Beispiel 7 Punkten.

3.       Big is quick: Kurz wirkt schneller und tiefer

Wie der Computer hat auch der Mensch ein Arbeitsgedächtnis, zu dem eine so genannte phonologische Schleife und ein visuell-räumlicher Notizblock gehört. Dieses Arbeitsgedächtnis verarbeitet kurze Silben und Sätze zusammen mit klaren visuellen Eindrücken und übermittelt es an die zentrale Exekutive. Das heißt, die Kombination von Wort und Bild und drastische Reduktion von Aussagen kommen dem Arbeitsgedächtnis entgegen. Warum nicht groß drei Worte zu schreiben und damit das Foto ergänzen: Macher, Leitwolf, Mensch. Hier kann man sich gut an der Werbung orientieren: Mehr Power für Dich (Vodafone). Mehr Teamgeist für euch?

4.       Überraschung! Ungewöhnliches prägt sich besser ein

Leitwolf? Ich bin sicher, so ein Wort halten Sie jetzt für reichlich kühn. Ist es aber nicht. Wenn diese kurze Beschreibung auf jemanden passt, erreicht man mit ihr viel Aufmerksamkeit. Denn hier kommt ein weiteres psychologisches Gesetz ins Spiel: Ungewöhnliches bleibt besser haften. Das ist wie das gelbe Feld auf dem Schachbrett. Es passt auf den ersten Blick nicht – und fällt eben deshalb auf.

5.       Locken Sie:  Besser ein Teaser als gleich die ganze Wahrheit

Online-Redakteure kennen es als Cliffhanger: Ein, zwei Sätze, die neugierig machen, aber nicht alles sagen, sondern zum Weiterlesen verleiten. „Sie möchten lesen, wie ich mein China-Projekt in einer kritischen Phase doch noch zum Erfolg gelenkt habe? In meiner anhängenden Projektliste erfahren Sie mehr.“

6.       Clustern Sie: Zusammen, was zusammengehört!

Aus der Gestaltpsychologie sind die Gesetze der Nähe, Ähnlichkeit und Geschlossenheit bekannt. Es wird also wahrgenommen, was optisch zusammengehört. Immer wieder sehe ich diese Regeln verletzt und das Layout des Europäischen Lebenslaufs ist ein prägnantes Beispiel dafür, wie man es NICHT machen sollte.  Das heißt: Rubriken nutzen und ganz viele Absätze – wo etwas neues beginnt.

7.       Bad taste wins: Es geht um Wirkung, nicht um Gefallen

Zuletzt ein ganz wichtiger Tipp: Fragen Sie nicht andere, ob eine Bewerbung gefällt oder formal korrekt ist. Darum geht es nicht. Es geht um Wirkung, und das ist etwas komplett anderes. Ich kann etwas schön finden, aber dennoch nicht kaufen. Deshalb ist einer der größten Fehler, den Bewerber machen, andere zu fragen, ob etwas gefällt.

Machen Sie es vielmehr so: Händigen Sie Ihre Unterlagen an  10 Personen aus, die Sie nicht kennen. Bitten Sie, sich eine Minuten Zeit zu nehmen und dann die Dinge zu notieren, die aufgefallen sind. Das ist der einzige wirklich sinnvolle  Feedback-Test. Abgesehen vom Gang zum Bewerbungscoach.

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